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15.01.2009

17:03 Uhr

Allgemein Doping

DDR-Dopingtrainer sollen zweite Chance erhalten

Laut Dosb-Generaldirektor Michael Vesper sollen DDR-Dopingtrainer eine zweite Chance bekommen, wenn sie ihre Fehler gestehen. Eine Generalamnestie sei aber ausgeschlossen.

Dosb-Generaldirektor Michael Vesper. Foto: Bongarts/Getty Images SID

Dosb-Generaldirektor Michael Vesper. Foto: Bongarts/Getty Images

Der deutsche Sport will Trainern mit DDR-Dopingvergangenheit eine Brücke bauen. Gestehen sie vor der unabhängigen Anti-Doping-Kommission des Deutschen Olympischen Sportbundes (Dosb) ihre Verfehlungen und weisen sie einen Sinneswandel nach, können sie eine zweite Chance erhalten, sagte Dosb-Generaldirektor Michael Vesper am Donnerstag.

"Wenn man die Aufarbeitung ohne Kopf-ab-Mentalität betreibt und unter dem Gesichtspunkt, dass jemand eine zweite Chance verdient, gerade, wenn er in den fast 20 Jahren seit der Wende ganz anders agiert hat, dann ist ein solches Verfahren ohne Risiken für die Betroffenen", erklärte Vesper. Das Gegenteil sei sogar der Fall: "Es eröffnet ihnen Chancen", meinte der ehemalige Grünen-Politiker.

Dieses Vorgehen setze aber Kooperation voraus, die im Fall des vom Deutschen Leichtathletik-Verband entlassenen Kugelstoß-Bundestrainers Werner Goldmann nicht vorhanden gewesen sei. "Bei ihm ist ja das Problem, dass er bis heute nicht eingeräumt hat, dass er damals an diesen Dopingpraktiken beteiligt war", sagte Vesper.

DDR-Dopingopfer Andreas Krieger prangert Fehlverhalten an

Genau dieses Fehlverhalten prangerte DDR-Dopingopfer Andreas Krieger im Fall Goldmann im Internetblog des Journalisten Jens Weinreich an. "Sein beharrliches Schweigen und die halbherzige Aufarbeitung seiner eigenen Vergangenheit haben ihn jetzt eingeholt." Krieger war 1986 als gedopte DDR-Sportlerin Kugelstoß-Europameisterin und lebt seit einer Geschlechtsumwandlung als Mann.

Der ehemalige Spitzensportler kritisierte das Protestschreiben von 20 deutschen Werfern, die die Wiedereinstellung Goldmanns forderten: "Bei allem Verständnis für die unterzeichnenden Sportler stellt sich mir hier auch die Frage, warum sie nur sich selbst und ihre eigenen Erfahrungen mit diesem Trainer zum Maß der Dinge machen?" Der Verdacht liege nahe, dass Goldmann sich jetzt, wo es um seine Existenz geht, vertrauensvoll an prominente Sportler wende, um "Persilscheine" zu sammeln.

Goldmann verlor auf Empfehlung der Dosb-Kommission unter Vorsitz des Bundesverfassungsrichters a.D. Udo Steiner seinen Job, weil er zu DDR-Zeiten ins staatlich organisierte Doping eingebunden war. Dafür gibt es im ehemaligen Kugelstoßer Gerd Jacobs einen Zeugen. Trotzdem unterschrieb der Coach vor den Sommerspielen in Peking eine Ehrenerklärung, in der er versicherte, nichts mit Doping zu tun gehabt zu haben.

"Wir müssen und wollen die Geschichte aufarbeiten"

Michael Vesper erteilte Forderungen nach einer Generalamnestie, wie sie nun auch von Kugelstoß-Europacupsieger Peter Sack gegenüber der Leipziger Volkszeitung erhoben wurden, eine Absage: "Amnestie und Schlussstrich sind Begriffe, die ich in dem Metier für falsch halte. Wir müssen und wollen die Geschichte aufarbeiten."

Deshalb schrieb das Bundesinstitut für Sportwissenschaft auf Dosb-Initiative im Herbst ein Projekt mit dem Titel "Doping in Deutschland von 1950 bis heute aus historisch-soziologischer Sicht im Kontext ethischer Legitimation" aus.

Sack kritisierte derweil den Dosb: Goldmann habe nach der Wende vor drei Kommissionen gestanden, die ihn alle für tauglich befanden. Aber pünktlich vor Höhepunkten wie Olympia werde das Thema von Teilen der Presse wieder hochgekocht. "Wir Sportler schließen schon Wetten ab, wann die nächste Welle mit den gleichen Schlagzeilen anrollt. Wir haben diese Spielchen satt, das muss doch mal vorbei, mal verjährt sein", sagte der 29-Jährige.

Mit Schwimm-Trainer Norbert Warnatzsch (Berlin), der Britta Steffen in Peking zu zwei Goldmedaillen führte, sowie den beiden Leichtathletik-Trainern Klaus Schneider (Magdeburg) und Klaus Baarck (Neubrandenburg) untersucht die Steiner-Kommission derzeit drei weitere Fälle.

© SID

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