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06.02.2012

01:21 Uhr

American Football

Die Super-Geldmaschine

VonIngmar Höhmann, dapd

Es ist ein Event der Superlative: Wenn beim Super Bowl, dem Finale der American-Football-Liga NFL, heute Nacht die New York Giants auf die New England Patriots treffen, ist das nicht nur sportlich ein Großereignis. Amerikas liebstes Sportevent ist längst ein Milliardengeschäft, dem zunehmend globale Bedeutung zukommt – und das schon vor dem Kickoff.

Im Super Bowl spielen die New York Giants gegen die New England Patriots. Hier: Giants-Spieler Ahmad Bradshaw (rechts) und Patriots-Spieler Tracy White (links) Reuters

Im Super Bowl spielen die New York Giants gegen die New England Patriots. Hier: Giants-Spieler Ahmad Bradshaw (rechts) und Patriots-Spieler Tracy White (links)

KölnDavid Beckham ist ein begnadeter Sportler: Obwohl er mit 36 Jahren längst im Fußball-Rentenalter ist, hat er Los Angeles Galaxy gerade zur US-Meisterschaft geführt. Der Klub hat nun seinen Vertrag um zwei Jahre verlängert hat, doch die Amerikaner interessiert vielmehr ein ganz anderer Coup: Beckham wird am Sonntag den wohl meistgesehensten Fernsehauftritt seiner US-Karriere hinlegen. Beim Super Bowl zieht er sich als Unterwäsche-Model in einem Werbespot für H&M aus. Der Modehersteller hat den weltweiten Verkaufsstart der „David Beckham Bodywear Collection“ für Anfang Februar angekündigt.

Hartgesottene Footballfans regen sich bereits massenweise über die Werbekampagne auf. Fußball gilt in den USA vorwiegend als Sport für Schulmädchen, und Beckham ist weniger als Sportler denn als Modeikone und Beiwerk seiner Frau Victoria „Posh Spice“ bekannt. Der metrosexuelle Engländer passt nicht zum Super Bowl – eine uramerikanische, meist von knapp bekleideten Frauen begleitete Veranstaltung, inklusive Nationalhymne, Hamburger und Hot Dogs.

Doch das Football-Finale geht neue Wege. Der Super Bowl werde zunehmend zum globalen Event, sagt Tim Calkins, Marketingprofessor an der Kellogg School of Management. „Es ist kein Zufall, dass H&M den Launch der Beckham-Kollektion perfekt mit dem Super Bowl abgestimmt hat.“ Amerikas liebstes Sportevent beginne, die globale Marketingindustrie zu prägen. „Vermarkter bringen neue Produkte immer häufiger mit einem weltweiten Verkaufsstart auf den Markt“, sagt Calkins. „Diese Dynamik wird den Super Bowl noch wertvoller für globale Marken machen.

Der Super Bowl in Zahlen

20 Prozent mehr Kopfschmerztabletten...

...werden am Montag nach dem Finale abgesetzt. In den USA spricht man von „Super Bowlitis“. Sechs Prozent mehr Amerikaner melden sich am Tag nach dem Super Bowl krank.

179 Millionen Fans...

...in der Spitze und 111 Millionen Fans im Schnitt sehen das Spektakel in den USA an den heimischen TV-Geräten. Weltweit schauen sogar 800 Millionen Menschen zu. Unter den Top Ten der TV-Übertragungen mit den meisten Zuschauern in den USA sind acht Super-Bowl-Partien.

150 goldene, mit Diamanten...

...besetzte Super-Bowl-Ringe werden jährlich an das Siegerteam verteilt. Der Wert eines Rings beträgt in etwa 5000 Dollar.

263 Millionen Dollar...

...generiert die NFL am Super-Bowl-Sonntag. Ein 30-Sekunden-Spot kostet bis zu 4,5 Millionen Dollar. Doch die Firmen zahlen gerne und produzieren ihre Werbungen eigens für den Super Bowl.

250 Millionen Dollar...

...werden von den Fans in Super-Bowl-Fanartikel gesteckt.

50 Millionen Dollar...

...werden in diesem Tag in Essen investiert. Für die Nahrungsmittelindustrie ist der Super Bowl nach Thanksgiving der zweitwichtigste Tag im Jahr.

4000 Tonnen...

...Popcorn verschlingen die Amerikaner am Super-Bowl-Sonntag. Dazu kommen noch 14.000 Tonnen Chips, die darüber hinaus noch vertilgt werden.

120 Millionen Liter...

...Bier fließen die durstigen Kehlen hinunter, damit die Chips und das Popcorn nicht zu trocken sind.

20.000 Tonnen...

...Guacamole (Avocado-Dip) werden zubereitet, damit die Chips auch ordentlich eingetunkt werden können. Das entspricht im Avocado-Anbau etwa 222.792 Football-Feldern.

Eine Milliarde...

...Hähnchenflügel (Chicken Wings) werden von den Amerikanern verzehrt.

„Super Bowl Sunday“ für den Weltmarkt? Tatsächlich interessiert sich auch das Ausland zunehmend für Amerikas inoffiziellen Feiertag. Haupttreiber sind dabei weniger die Teams – in diesem Jahr spielen die New York Giants und die New England Patriots die Meisterschaft aus –, sondern das Internet und die Werbepartner der Veranstaltung. Denn sie geben viel Geld für teure Fernsehspots aus, die sie eigens für das Endspiel produzieren – und sorgen darum auch für mehr Online-Wirbel um ihre Meisterstücke als je zuvor.

Kommentare (8)

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Account gelöscht!

05.02.2012, 13:22 Uhr

Wer dort für einen Sekundenspot investiert, dem geht es um Prestige nicht um Wirkung. Die ist anderswo billiger und effektiver zu erreichen. Mit Intershop gibt es meiner Erinnerung nach sogar eine deutsche Firma, die sich an einem solchen Spot mal richtig verbrannt hat und kurz darauf nur kanpp der Pleite entkam. Auch die wollten in den USA toll rauskommen und haben marktschreierischen Einflüsterern in der Werbebrache vertaut.

Tom_Brady-Fan

05.02.2012, 14:36 Uhr

Sie haben ja absolut keine Ahnung von der Materie!
Genau umgekehrt wird nämlich ein Schuh draus: Nirgendwo ist die Wirkung größer und effektiver als im Superbowl!

Account gelöscht!

05.02.2012, 15:02 Uhr

"Nirgendwo ist die Wirkung größer und effektiver als im Superbowl" Ja, kostet dummerweise aber auch ein Vermögen, für dass ich ansonsten 10 Spots mit der gleichen Reichweite buchen könnte. Leider ist die Werbewirtschaft aber durchsetzt von Künstlern und Egomanen, denen es recht wenig um Kunden, dafür aber viel um Selbstverwirklichung und Prestige geht. In der Großarchitektur ist es nicht anders - die Bedürfnisse der Nutzer und Anwohner rangieren unter ferner liefen...

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