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02.02.2017

10:10 Uhr

American Football

„Sportwetten und NFL gehören nicht zusammen“

VonThomas Jahn

Roger Goodell führt die NFL. Vor dem Saisonfinale, dem Superbowl, muss sich der Chef unangenehmen Fragen stellen: Warum ziehen so viele Teams um? Und ist Las Vegas eine geeignete Stadt für eine Mannschaft?

Der Chef der National Football League in den USA: Roger Goodell bei seiner jährlichen Pressekonferenz in Houston. AFP; Files; Francois Guillot

Roger Goodell

Der Chef der National Football League in den USA: Roger Goodell bei seiner jährlichen Pressekonferenz in Houston.

New YorkFür deutsche Fans unvorstellbar: Ihre Mannschaft verlässt die Stadt. Das passiert im American Football derzeit häufig. So ziehen die Chargers derzeit nach Los Angeles um, obwohl sie seit 56 Jahren in San Diego spielten. „Wir haben auf etwas anderes gehofft“, sagte Roger Goodell am vergangenen Mittwoch. „Wir wollten die Chargers dort weitere 50 Jahren haben“.

Goodell leitet seit 2006 die „National Football League“ (NFL). Die amerikanische Sportart ist finanziell gesehen eine der erfolgreichsten der Welt, setzte in der jüngsten Saison 14 Milliarden Dollar um. Die Summe soll 2018 auf 16 Milliarden Dollar steigen. Eine der wichtigsten Veranstaltungen dabei ist der Superbowl, das Finale der zwei besten Mannschaften.

Am kommenden Sonntag findet der 51. Superbowl in Houston zwischen den Atlanta Falcons und den New England Patriots statt. Traditionell stellt sich Goodell wenige Tage vor dem Spiel den Fragen der Medien. Die jährliche Pressekonferenz ist für Journalisten eine einmalige Chance, den NFL-Chef vor das Mikrofon zu bekommen.

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Einige der Fragen am Mittwoch drehten sich um den Ortswechsel der Teams. Beispielsweise wollen die Raiders von Oakland, einer Stadt in der Nähe von San Francisco, nach Las Vegas umziehen. Die Glücksspielstadt verspricht 750 Millionen Dollar an öffentlichen Hilfen für ein neues Stadion. Dazu wollte Kasino-Magnat Sheldon Adelson Geld geben, zog sich aber zurück.

„Bislang haben wir nicht entschieden, ob Las Vegas ein geeigneter Markt für die NFL ist“, sagte Goodell und schloss eine Beteiligung eines Kasinos an einer Football-Mannschaft aus: „Wir müssen die Integrität des Sports erhalten, Sportwetten und NFL gehören nicht zusammen“. Die Raiders hätten das Thema aber nie angesprochen.

Ein schickes Stadion ist auch bei den Chargers der Grund für den Umzug. San Diego wollte kein öffentliches Geld dafür geben. Um das Team zum Bleiben zu überreden, brachten die Besitzer von den 32 NFL-Teams insgesamt 300 Millionen Dollar auf. Doch es reichte nicht: „Wir haben uns sehr bemüht“, sagte Godell. „Es ist eine große Enttäuschung für uns alle, dass wir es nicht geschafft haben“.

Sebastian Vollmer: Ein Deutscher triumphiert im Football

Spitzname

Sebastian Vollmer hat als erster Deutscher die wichtigste Trophäe im American Football gewonnen, den Super Bowl. Sein Spitzname: „Verlässlicher Koloss aus dem Rheinland“.

Sein Weg

Der Weg zum Triumph im Super Bowl war für Sebastian Vollmer äußerst schmerzhaft. Der knochenharte Job als Right Tackle in der nordamerikanischen Football-Liga NFL bremste den 30 Jahre alten Rheinländer der New England Patriots vor dem 28:24-Sieg über die Seattle Seahawks schon mehrfach aus.

Verletzungen

Vor knapp zwei Jahren musste er sich einer Knie-Operation unterziehen, der untere Rücken bereitet ihm seit College-Zeiten Probleme, in der vergangenen Saison fehlte er lange Zeit mit einem Beinbruch.

Kampfgeist

Immer wieder kämpfte sich der 145-Kilo-Koloss zurück und holte als erster Deutscher die begehrteste Trophäe des US-Sports. Seit insgesamt sechs Jahren agiert Vollmer als Bodyguard für seinen Quarterback Tom Brady – und hat so maßgeblichen Anteil am Erfolg des Teams aus Massachusetts.

So urteilt sein Chef

„Er ist beständig, zäh, athletisch und einer der kräftigsten Kerle, die ich je gesehen habe“, schwärmte der Spielmacher Tom Brady einmal von den Fähigkeiten Vollmers.

Seine Aufgabe

Als wichtigster Teil der Offensive Line muss Vollmer die gegnerische Verteidigung vom Quarterback fernhalten und diesem die nötige Zeit für Würfe ermöglichen und beim Lauf die Räume freiblocken.

Vertrag

Im März 2013 hatte Vollmer einen neuen Vierjahresvertrag mit einem Maximal-Volumen von 27 Millionen US-Dollar unterschrieben, garantiert sind davon 8,25 Millionen Dollar.

Typ

Bei allem Erfolg wird der gläubige Katholik als bodenständiger Charakter gelobt.

So urteilt sein Trainer

„Er ist ein großartiger Teamkollege, sehr beliebt bei den anderen Mitgliedern der Mannschaft wegen seiner Arbeitseinstellung“, sagte Trainer Bill Belichick über ihn. „Er ist sehr smart. Er ist nicht nur intelligent, sondern versteht auch Football-Konzepte sehr schnell.“

Wie instabil die derzeitige US-Football-Liga ist, zeigt ein weiterer Wechsel. Die Rams zogen im vergangenen Jahr von St. Louis nach Los Angeles. Die Stadt hat damit plötzlich zwei Teams – nachdem dort 21 Jahre lang gar kein Football gespielt wurde.

Doch nicht nur für die Fans sind Ortswechsel eine schmerzhafte Angelegenheit. Auch fallen dadurch die Ticketeinnahmen: Es dauert selbst im mobilen Amerika eine ganze Weile, bis sich in der neuen Stadt eine Gefolgschaft aufbaut. Leere Stadien sehen aber bei Fernsehübertragungen nicht gut aus. Die NFL kämpft deshalb mit fallenden Einschaltquoten, die in der vergangenen Saison durchschnittlich um acht Prozent sanken.

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