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04.01.2007

08:28 Uhr

America's Cup

Der den Wind riecht

VonIngo Petz

Ganz egal, wie großartig der im April startende 32. America´s Cup wird – die Regatta wird nicht optimal sein. Dafür gibt es einen guten Grund: Russell Coutts fehlt.

DÜSSELDORF. Das Fehlen des Neuseeländers ist sehr tragisch für eine Veranstaltung dieser Größenordnung, so als wären Beckham oder Ronaldinho bei der Fußball-WM nicht dabei gewesen. Segeln war bis heute ja nicht wirklich ein Sport, der Pop-Stars hervorbringt – aber Coutts, kann man sagen, ist ein Pop-Star des Segelns. Er hat einen großen Anteil daran, dass der Cup zu dem wurde, was er heute ist: ein Medienspektakel von Weltrang. Coutts gewann mit Alinghi 2003 zum dritten Mal den America´s Cup, 1995 hatte er ihn mit Neuseeland in San Diego gewonnen und ihn 2000 erfolgreich in seinem Heimatland verteidigt. Mit 14 Siegen und keiner Niederlage steht er heute an der Spitze der erfolgreichsten Cup-Segler. Er hat Ehrgeiz, Technik, Talent und das, was man nicht erklären kann. Wenn er auftritt, werden Pressekonferenzen zu Messe-gleichen Veranstaltungen.

Allein seine Präsenz am Steuerrad scheint das Boot schneller zu machen und den Gegner erzittern zu lassen. Der 44-jährige Neuseeländer mit dem Nussknacker-Kinn ist eine lebende Legende, „ein Zauberer am Steuer“, wie ihn der Star-Yacht-Designer Olin Stevens einmal beschrieb.

Coutts soll, so munkelt man, kurzfristige Windrichtungsänderungen und aufziehende Böen riechen können. Er kann Dinge am Steuer tun, die sonst niemand kann. Im zweiten Rennen des Cup-Finales 2003 gelang es ihm beispielsweise, die Neuseeländer mit der Alinghi-Yacht noch 130 Meter vor dem Ziel abzufangen und damit den zweiten von fünf Siegen für die Schweizer zu holen. Alle Experten waren sich nach dieser Wundertat einig, dass eine höhere Macht ihm Spiel gewesen sein muss. Es ist schon lange bekannt, dass der weltbeste Segler nicht am Cup teilnehmen wird. Nach seinem Triumph mit Alinghi fragten sich alle, wer dieses Gespann 2007 überhaupt schlagen solle.

Aber dann, Mitte 2004, kam es zum Zerwürfnis zwischen dem Super-Skipper und dem Alinghi-Eigner Ernesto Bertarelli, der Coutts unter heftigem Protest der Neuseeländer in die Schweiz geholt hatte. Bertarelli warf Coutts Vertragsbrüche vor. Die Segelwelt mutmaßte, dass der Steuermann mehr Macht bei der Festlegung der Regeln für den neuen Cup wollte, als Bertarelli ihm zugestehen wollte.

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