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18.01.2007

07:02 Uhr

America's Cup

Fanatische Sportler

VonFranz Rother
Quelle:WirtschaftsWoche Online

Der America's Cup wird immer mehr zu einer gigantischen Materialschlacht. Längst entscheidet nicht nur das menschliche Geschick über Sieg oder Niederlage, sondern in zunehmendem Maße teure und aufwendige Konstruktionen. Das BMW-Oracle-Racing-Team setzt dabei voll auf das Wissen des Münchner Autokonzerns.

Das BMW-Oracle-Racing-Team in Aktion. Foto: AP ap

Das BMW-Oracle-Racing-Team in Aktion. Foto: AP

Wenn es um die Details geht, wird Raymond Freymann recht einsilbig. Mit wie vielen Rumpfvarianten wurde experimentiert? Der Luxemburger schmunzelt und schweigt. Um wie viel schneller ist das Boot im Vergleich zu seinem Vorgänger? "Das kann ich Ihnen nicht sagen." Wie hoch sind die Torsionskräfte, die bei einem Wendemanöver auf dem Kielschwert lasten? "Die sind enorm." Auch bei der Frage nach den Kosten schmunzelt er wieder nur und schüttelt freundlich den Kopf.

Gespräche mit dem Geschäftsführer der BMW Group Forschung und Technik über den Beitrag des Unternehmens an der Entwicklung der Rennyacht USA-87, mit der das BMW-Oracle-Racing-Team Ende Juni an den Wettfahrten um den America's Cup teilnimmt, sind in diesen Tagen eine äußerst zähe Angelegenheit. Ebenso gut - und wahrscheinlich ebenso vergeblich - könnte man wohl BMW-Rennsportdirektor Mario Theissen um die Protokolle der jüngsten Windkanalmessungen mit dem neuen Formel-1-Boliden für die Saison 2007 bitten.

Die Geheimniskrämerei hat hier wie da einen simplen Grund: "Wer zu früh seine Karten aufdeckt", doziert der Professor für Strukturdynamik an der Technischen Universität München, "hat schon verloren." Aus dem Grund wurden bei den Vorläufen des vergangenen Jahres, den sogenannten Acts, die Bootsrümpfe mit Schabracken und allerlei Schürzen verdeckt, wann und wo immer die Yachten mit Kränen aus dem Wasser gehoben wurden.

Erst am 1. April werden in Valencia die letzten Hüllen fallen, wenn die teilnehmenden High-Tech-Boote vorgestellt und dann von den Organisatoren des America's Cup abgenommen werden. "Bis dahin", sagt Freymann, "können wir noch eine Menge Daten sammeln und auswerten." Auch mit einem zweiten Boot, das erst in diesen Tagen fertig wird. "Ende März werden wir wissen, ob wir wirklich da sind, wo wir hinwollen."

Der Erfolgsdruck ist groß: Das BMW-Oracle-Racing-Team des exzentrischen Softwareunternehmers Larry Ellison soll endlich den Traditionspokal in die USA zurückbringen. Dass das Schweizer Alinghi-Team mit seinem Sieg 2003 die älteste Sporttrophäe der Welt nach Europa entführte, schmerzte den fanatischen Sportler aus Kalifornien, der seit dem Jahr 2000 an den Ausscheidungen um den America's Cup teilnimmt. Als Mitglied der sogenannten Afterguard - der Kommandozentrale auf dem Boot - will Ellison diesmal persönlich dafür sorgen, dass sein Team der Konkurrenz bei den Vorläufen den Wind aus den Segeln nimmt.

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