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16.01.2013

14:19 Uhr

Armstrong-Affäre

Anti-Doping-Behörden trauen Radsport-Verband nicht

In der Doping-Affäre um Lance Armstrong hat der Radsport-Weltverband eine eigene Kommission zur Aufklärung des Falles eingesetzt. Doch die Anti-Doping-Agenturen zweifeln an der Unabhängigkeit des Gremiums.

Die Anti-Doping-Agenturen zweifeln an der Unabhängigkeit der eingesetzten Armstrong-Kommission. Reuters

Die Anti-Doping-Agenturen zweifeln an der Unabhängigkeit der eingesetzten Armstrong-Kommission.

BerlinDer Radsport-Weltverband UCI hat bei der Aufklärung der Affäre Lance Armstrong von der Welt-Anti-Doping-Agentur WADA und der US-Agentur USADA eine Abfuhr erhalten. Die beiden Behörden übten heftige Kritik an der sogenannten „Unabhängigen Kommission“ der UCI, die die Rolle des Verbandes in der Causa aufarbeiten soll.

Man habe „ernsthafte Bedenken“ bezüglich des Auftrags der Kommission, sagte WADA-Chef John Fahey am Dienstagabend. Außerdem gebe es Zweifel an der Unabhängigkeit des dreiköpfigen Gremiums, das von der UCI „ohne Rücksprache mit Anti-Doping-Behörden“ eingesetzt worden sei. Die WADA lehnte unter diesen Umständen eine Mitarbeit an der Kommission ab.

Die USADA, die Armstrong mit ihren Recherchen zu Fall gebracht hatte, monierte vor allem, dass möglichen Kronzeugen weder Anonymität noch Schutz vor Vergeltung durch die UCI gewährt werde. Entsprechende Vorschläge, die die Mitglieder der Kommission akzeptiert hätten, seien vom Weltverband abgelehnt worden.

Dies „zieht natürlich das Engagement der UCI für eine umfassende und genaue Untersuchung in Zweifel“, betonte USADA-Chef Travis Tygart. Außerdem bestünde die „erhebliche Sorge, dass die UCI ihrer Unabhängigen Kommission die Augen verbindet und Handschellen anlegt, um ein gewünschtes Untersuchungsergebnis sicherzustellen“.

Die Kommission selbst forderte am Mittwoch die UCI auf, sich nicht länger gegen die Vorschläge zu sträuben, und forderte wie bereits WADA, USADA und die Radsport-Bewegung Chance Cycling Now (CCN) einen „Wahrheits- und Versöhnungsprozess“. Nur dadurch könnten alle Beweise auf den Tisch, was im Interesse des Radsports sei.

Zugleich kündigte die Kommission, die Ende November 2012 eingesetzt worden war, ein öffentliches Treffen in naher Zukunft an, um derzeit offene Fragen mit der UCI zu erörtern. Dabei sollen dann auch Methoden und Auftrag der Kommission diskutiert werden. Außerdem dürften die zeitlichen Rahmenbedingungen überdacht werden.

Ursprünglich wollte die UCI bis Juni 2013 einen Bericht. Das hatte die WADA heftig kritisiert. Dieses Stichdatum „ist absolut nicht ausreichend und wird zur Folge haben, dass eine Möglichkeit vergeben wird, das Problem aufzuarbeiten“, sagte WADA-Präsident Fahey.

Von

dpa

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