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09.01.2009

13:16 Uhr

Auf dem Weg zum Vereinssport

Tischfußball: Ein Kneipenspiel dreht kräftig auf

VonIngmar Höhmann

Bei den Weltmeisterschaften im Tischfußball in Frankreich startet Deutschland als Favorit – auch dank professioneller Vereinsarbeit. Die WM in Nantes soll ein Meilenstein sein auf dem Weg zur Anerkennung – wichtig auch für die Tisch-Hersteller, die mit einer neuen Strategie den Markt wieder in Schwung bringen wollen. Zu schaffen macht ihnen dabei allerdings die Konkurrenz aus Fernost.

In der Randsportart Tischfußball ist kein anderes Land so erfolgreich wie Deutschland. Foto: ap ap

In der Randsportart Tischfußball ist kein anderes Land so erfolgreich wie Deutschland. Foto: ap

KÖLN. Stell Dir vor, es ist Weltmeisterschaft und keiner schaut zu. Im Tischfußball war das jahrelang selbstverständlich. Auch bei den am Donnerstag gestarteten Weltmeisterschaften im französischen Nantes bleiben die 500 Spieler aus 35 Nationen weitgehend unter sich. Immerhin können Fans das Geschehen per Internet verfolgen und erstmals produziert der Sender Eurosport 2 zwei halbstündige Beiträge in elf Sprachen. Eine Trendwende? Klaus Gottesleben, der Vorsitzende des Deutschen Tischfußballbundes (DTFB), will gerne daran glauben: „Das ist der erste ernsthafte Versuch eines Sportsenders, den Tischfußballsport einem breiten Publikum näher zu bringen“, sagt er.

Gottesleben weiß: Noch immer haftet dem Tischfußball das Image des Kneipenspiels an. Dabei ist für ihn Kickern längst zum Sport geworden. Viele der WM-Spieler trainieren wie Leistungssportler täglich mehrere Stunden. Einige haben ihr Hobby sogar zum Beruf gemacht.

In der Randsportart ist kein anderes Land so erfolgreich wie Deutschland, das auch die Weltrangliste anführt. Der DTFB schickt mit 31 Spielern das größte Starterfeld nach Nantes und besitzt in allen Disziplinen Titelchancen. In wenigen Jahren hat der DTFB eine Vereinsstruktur etabliert, die sich mit anderen Sportarten messen kann. In fast jedem Bundesland gibt es einen eigenen Verband. 6 000 Spieler sind in 350 Vereinen organisiert, allein 2008 kamen fast 1 000 Mitglieder dazu. Vor einem Jahr eröffnete der DTFB in Hannover sein erstes Bundesleistungszentrum. Hochburg aber ist das Saarland – hier wohnt jeder dritte Vereinsspieler. Vielerorts hat der Tischfußball-Klub mehr Mitglieder als der lokale Fußballverein.

Nicht nur in Deutschland ist Kickern im Kommen. Bereits 60 Nationen sind Mitglieder im Weltverband ITSF, bei der Gründung im Jahr 2002 waren es erst acht. Auch Kamerun, Brasilien und China entsenden Spieler zur WM. Im September stellte der Verband einen Antrag auf Anerkennung als Sport beim GAISF, der Dachorganisation der Sportverbände weltweit.

Das Spiel knüpft an alte Zeiten an: In den 70er-Jahren erlebte das Kickern einen enormen Aufschwung. Vor allem in den USA ging es um viel Geld: Elite-Spieler reisten von Stadt zu Stadt, eine Turnierserie des Kickertisch-Herstellers Lee Peppard schüttete pro Jahr Preisgelder von mehr als einer Million Dollar aus. In den frühen 80er-Jahren endete der Boom: Tour-Veranstalter Peppard meldete Konkurs an, schließlich verdrängten günstige Videospiel-Geräte Kickertische aus den Gaststätten – und die Basis brach weg.

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