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29.11.2015

23:27 Uhr

Aus für Hamburg 2024

„Tiefschlag für den Sport“

VonChristoph Kapalschinski

Hamburg wird sich nicht um die Austragung der Olympischen Spiele 2024 bewerben. Bürgermeister Olaf Scholz muss sich eine Niederlage eingestehen. Der SPD-Politiker hatte hoch gepokert – und viele Bürger verschreckt.

Die Hamburger haben sich gegen eine Olympia-Bewerbung entschieden. dpa

Rotes Licht für Olympia

Die Hamburger haben sich gegen eine Olympia-Bewerbung entschieden.

HamburgDie Stundenglocke der großen Uhr im Foyer des Hamburger Rathauses klang um 21 Uhr wie ein Totenglöckchen – ausgerechnet dann, als Bürgermeister Olaf Scholz (SPD) endlich vor die Kameras trat. Seine Botschaft war passend – das Aus für seinen Olympia-Traum. „Hamburg wird sich nicht um die Austragung Olympischer und Paralympischer Spiele 2024 bewerben“, sagte Scholz. „Für uns gilt das, was die Bürgerinnen und Bürger gesagt haben.“ 51,6 Prozent der Bürger sagten laut Endergebnis „Nein“. Damit scheitert das Vorhaben, in das allein die Stadt sechs Millionen Euro gesteckt hat. Dazu kommen Millionenausgaben von Sponsoren und viel Engagement. Lediglich die Kieler stimmten klar für ihren Segelstandort.

„Wir sollten die Entscheidung akzeptieren und nicht interpretieren“, beschied Scholz am Sonntagabend knapp. Doch klar ist auch: Die Diskussion um seinen Beitrag wird kommen. Schließlich war es Scholz, der hohe Kosten präsentierte, noch bevor der Bund diese akzeptiert hatte.

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Die Pro-Olympia-Kampagne hat eigentlich alles richtig gemacht, doch die Abstimmung um die Hamburger Bewerbung wurde für die Befürworter trotzdem zum Debakel. Der Grund liegt auf der Hand. Ein Kommentar.

Persönliche Konsequenzen lehnte Scholz am Sonntagabend ab. „Das wäre völliger Blödsinn“, sagte er dem Fernsehsender „Hamburg 1“. „Mein Herz war dafür, mein Verstand auch.“ Der Chef des Deutschen Olympische Sportbunds (DOSB), Alfons Hörmann, wertete das Votum als „Tiefschlag“ für den Sport. Die Entscheidung der Bürger sei aber zu akzeptieren. Ziel sei es, „Sportdeutschland“ ohne die Vision der Spiele weiterzuentwickeln. Nun fehle aber der Rückenwind aus Hamburg, stattdessen gebe es gar Gegenwind. Die Chance auf Olympia sei für diese Generation vertan. Hörmann dankte ausdrücklich dem Bürgermeister. „Hamburg hat nicht nur mit viel Liebe und Engagement, sondern auch fehlerfrei agiert“, sagte Hörmann. Der deutsche Sport habe aus der Niederlage bei der Volksabstimmung über die Winterspiele 2022 in München gelernt – und dennoch verloren. „Offensichtlich passen der olympische Gedanke und Deutschland momentan nicht zusammen“, sagte Hörmann. Er wolle nicht darüber spekulieren, wann sich Deutschland erneut an Olympia wagen werde.

Das Internationale Olympische Komitee (IOC) hat das Nein der Hamburger bedauert. Ein IOC-Sprecher teilte am Sonntag mit: „Mit dieser Entscheidung geht eine große Chance für die Stadt, das Land und den deutschen Sport verloren.“ Das Ergebnis komme angesichts der Diskussionen in Deutschland in den vergangenen Wochen aber nicht überraschend. Es ist verständlich, dass die Einwohner Hamburgs in einer Situation, in der Deutschland mit der hohen Anzahl von Flüchtlingen eine historische Herausforderung zu bewältigen hat, auf die nicht geklärte Finanzierung sensibel reagiert haben“, erklärte der Sprecher weiter.

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