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30.01.2016

11:02 Uhr

Australian Open

Kerber muss in entscheidenden dritten Satz

Stark ist Angelique Kerber ins Finale der Australian Open gestartet, muss gegen Serena Williams aber in den dritten Satz: Mit 6:4 gewann sie den ersten Satz, verlor den zweiten aber mit 3:6. Jetzt folgt die Entscheidung.

Die deutsche Tennisspielerin setzt vor ihrem ersten Grand-Slam-Finale auf Entspannung. Reuters

Angelique Kerber

Die deutsche Tennisspielerin setzt vor ihrem ersten Grand-Slam-Finale auf Entspannung.

MelbourneAngelique Kerber hat die große Favoritin Serena Williams im Finale der Australian Open ins Grübeln gebracht. Die Kielerin nahm der Titelverteidigerin bereits im dritten Spiel des ersten Satzes den so gefürchteten Aufschlag zur 2:1-Führung ab und ließ sich auch nicht aus der Ruhe bringen, als Williams zum 3:3 das Rebreak gelang. Im Gegenteil: Sie parierte umgehend mit einem erneuten Break zum 4:3 und brachte diesen Vorteil letztlich über die Zeit.

Kerber wirkte wie schon in den Runden zuvor ungeheuer konzentriert und entschlossen, sie spielte hervorragende Winkel und blieb auch in der Bedrängnis cool. Williams schien bisweilen, wie immer, wenn sie sich mit ungeahnter Gegenwehr konfrontiert sieht, ein wenig ratlos und machte für ihre Verhältnisse eine große Anzahl an sogenannten unforced errors. Nach 42 Minuten verwandelte Kerber den zweiten Satzball zum 6:4.

Im zweiten Satz allerdings fand Williams zu gewohnter Stärke und machte weniger Fehler. Mit einem Break Vorsprung holte sie ihn sich mit 6:3. Jetzt müssen die Kontrahentinnen in den alles entscheidenden dritten Satz.

Vor dem ersten Grand-Slam-Finale ihrer Karriere hatte Deutschlands Tennis-Star auf Entspannung gesetzt – und einen normalen Ablauf. „Ich werde versuchen, etwas länger zu schlafen. Dann werde ich im Hotel ein bisschen ins Gym gehen und anschwitzen“, sagte Kerber, für die es das erste Spiel in der sogenannten Night Session in der Rod Laver Arena ist. Deshalb wird sie etwas später als sonst auf die Anlage fahren, sich dann kurz einschlagen „und dann ganz normal meinen Rhythmus machen“.

Tennis: Das ist Angelique Kerber

Finale

Angelique Kerber ist ins Finale der US-Open in New York eingezogen. Die deutsche Tennisstar rückt durch den Erfolg und die Niederlage von Serena William im anderen Halbfinale in der Weltrangliste auf Platz ein vor – unabhängig vom Ausgang des Endspiels gegen William-Bezwingerin Karolina Pliskova.

Zur Person

Alter: 28 (18. Januar 1988)
Geburtsort: Bremen
Wohnort: Kiel

Heimatverein

Ihr erster Tennisverein war die TG Düsternbrook in Kiel. Der Klub bietet vom Finale der Australian Open ein Public Viewing an.

Wettkampfdaten

Größe: 1,73 Meter
Gewicht: 68 Kilogramm

Profi

seit: 2003
Schlagarm: links
Trainer: Torben Beltz

Familie

Familienstand: ledig,
Eltern Slawek und Beata, eine Schwester
Sprachen: Deutsch, Polnisch, Englisch
Trainingsort: Akademie ihrer Großeltern im polnischen Puszczykowo

Weltrangliste

Aktuelle Weltranglistenposition: 2 (ab Montag: 1)

Erfolge

Größte Erfolge bislang: Olympische Silbermedaille (Rio 2016), 1 Grand-Slam-Sieg (Australian Open 2016), 8 weitere Turniersiege

Einnahmen

Karrierepreisgeld: 9,3 Millionen Dollar (Stand: Januar 2016)

Dass sie gegen die Weltranglisten-Erste aus den USA ganz klare Außenseiterin ist, will sie zu ihren Gunsten nutzen. „Der Druck liegt bei ihr“, sagte Kerber im Vorfeld. 2012 in Cincinnati konnte die deutsche Nummer eins die übermächtige Williams bereits einmal überraschen.

Kerber weiß daher, worauf es ankommt. „Man darf auf gar keinen Fall kurze Bälle gegen sie spielen, weil sie mich dann vom Platz schießt“, sagte Kerber. „Ich werde versuchen, Länge in meinen Bällen zu haben und gut aufzuschlagen. Und ihren zweiten Aufschlag muss ich angreifen.“

Kerbers Karrierehighlights

2003

In Berlin ist Kerber mit 15 erstmals bei einem WTA-Turnier dabei. Nach einem Sieg gegen die spätere Wimbledonsiegerin Marion Bartoli scheidet sie aber in der zweiten Runde der Qualifikation aus.

2006

Im belgischen Hasselt steht Kerber erstmals bei einem WTA-Turnier im Hauptfeld. Im Achtelfinale verliert sie gegen die spätere Weltranglisten-Erste Ana Ivanovic aus Serbien.

2007

Kerber gewinnt vier Titel auf der zweitklassigen ITF-Ebene. Am 14. Mai ist sie erstmals in den Top 100. In 's-Hertogenbosch erreicht sie ein Viertelfinale auf der WTA-Tour. Bei den French Open, Wimbledon und den US Open taucht ihr Name im Hauptfeld auf, sie scheitert aber jeweils zum Auftakt. In der Relegation der Weltgruppe tritt sie zum ersten Mal für das Fed-Cup-Team an.

2008

Bei den Australian Open zieht sie erstmals in die zweite Runde eines Grand Slams ein. Sie schließt das Jahr mit zwei ITF-Titeln ab.

2009

Auf der WTA-Tour und bei den Grand Slams kommt Kerber nicht über die zweite Runde hinaus. Sie gewinnt einen ITF-Titel.

2010

Am 5. Juli steht die Kielerin erstmals in den Top 50. In Bogota erreicht sie erstmals ein Finale auf der WTA-Tour. In Luxemburg am Ende der Saison ist für sie noch ein Halbfinale drin.

2011

Beinahe wäre Schluss gewesen, bevor die Karriere so richtig begonnen hatte. Kerber dachte daran, aufzuhören. Ein frühes Scheitern nach dem anderen reihte sie aneinander. Doch dann zog sie bei den US Open als Weltranglisten-92. sensationell ins Halbfinale ein.

2012

Der Durchbruch: Top 20 im Februar, Top 10 im Mai, Top 5 am 22. Oktober. Kerber feiert in Paris und Kopenhagen ihre ersten WTA-Titel. In Wimbledon erreicht sie ihr zweites Grand-Slam-Halbfinale. In Cincinnati besiegt sie zum bislang einzigen Mal Serena Williams.

2013

Kerber gewinnt das Turnier in Linz, beendet das Jahr als Neunte wieder unter den Top Ten. Erstmals nimmt sie an den WTA Finals teil, der Weltmeisterschaft der besten acht Spielerinnen der Saison.

2014

In den Top Ten ist sie etabliert. Viermal steht sie in einem Endspiel, gewinnt aber keinen Titel. Mit dem Fed-Cup-Team muss sie den Final-Triumph in Prag den Tschechinnen überlassen.

2015

Die deutsche Nummer eins gewinnt die Turniere in Charleston, Stuttgart, Birmingham und Stanford, holt damit so viele WTA-Titel wie in keinem Jahr zuvor. Bei den Grand Slams schafft sie es nicht über die dritte Runde hinaus. Mit Victoria Asarenka liefert sie sich bei den US Open ein Match, das als eines der besten des Jahres gilt.

2016

Mit einer forschen Ansage beginnt sie die neue Saison. Sie wolle es endlich auch bei den Grand Slams „krachen“ lassen, kündigte Kerber an. Gleich in Melbourne bei den Australian Open spielt sie sich als erste Deutsche seit Anke Huber 1996 bis ins Finale, es ist Kerbers erstes Endspiel bei einem Grand-Slam-Turnier. Dort wartet die Titelverteidigerin und Weltranglisten-Erste Serena Williams.

Egal wie das Finale in der Metropole am Yarra River ausgeht, viel Zeit zum Feiern wird Kerber nicht haben. Bereits am Sonntag geht der Flieger über Bangkok zurück nach Deutschland, schon am kommenden Wochenende steht in Leipzig das Erstrunden-Duell im Fed Cup gegen die Schweiz an. Gedanken daran, ihren Start im Team-Wettbewerb wegen der Strapazen abzusagen, hatte Kerber keine. „Ich hoffe, ich bin noch im Team“, scherzte sie.

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