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04.09.2015

12:03 Uhr

Basketball-EM in Berlin

Dirk Nowitzki erfüllt sich einen Traum

Darauf hat Dirk Nowitzki lange gewartet. Erst im Spätherbst seiner Karriere darf der Basketball-Superstar ein Turnier vor eigenem Publikum bestreiten. Sein Ziel: Den Grundstein für die zweite Olympia-Teilnahme legen.

Dirk Nowitzki treibt das Spiel der deutschen Nationalmannschaft voran. dpa

Basketball-Superstar

Dirk Nowitzki treibt das Spiel der deutschen Nationalmannschaft voran.

BerlinDirk Nowitzki begann seine EM-Mission tiefenentspannt. Auch nach schweißtreibendem, zweieinhalbstündigem Training stand der 37 Jahre alte Basketball-Superstar gut gelaunt in der Berliner Abendsonne, gab lächelnd den jungen Fans Autogramme, posierte für Selfies.

Während der nicht-öffentlichen Auftakteinheit hatten sich zuvor immer wieder einige Kinder ihre Nasen an der Glasscheibe der Trainingshalle platt gedrückt, um einen Einblick zu erhaschen. Bei der EM setzt Nowitzki dann auf die Unterstützung der ausverkauften Arena am Ostbahnhof. „Mit heimischem Publikum wird da hoffentlich einiges gehen in Berlin“, sagte er. „Wir haben fünf Spiele in sechs Tagen, das ist ein Wahnsinnsprogramm.“

Von Superstar bis Center-Hoffnung: Die deutschen EM-Basketballer

Das ewige Talent: Robin Benzing

Im Alter von 26 nach Nowitzki und Schaffartzik schon der Spieler mit den meisten Länderspielen im EM-Kader. Hatte lange mit der öffentlichen Erwartung zu kämpfen, der „nächste Nowitzki“ zu sein. Wechselt nach einer schwierigen Saison beim FC Bayern nach Spanien. Kann an guten Tagen immer als bester deutscher Werfer glänzen. (26 Jahre/CAI Saragossa/95 Länderspiele)

Der X-Faktor: Anton Gavel

Mit seiner Nominierung gelang dem Deutschen Basketball Bund ein Überraschungscoup. Erst vor drei Wochen erteilte der Weltverband die Spielerlaubnis für den gebürtigen Slowaken. Coach Chris Fleming setzt auf die Erfahrung, Defensivstärke und Siegermentalität des Guards. Dürfte neben Schröder starten. (30/FC Bayern München/7)

Der Berliner: Niels Giffey

Hat wie ALBA-Kollege King und den ebenfalls gebürtigen Berlinern Lo und Schaffartzik ein Heimspiel. Spielte sich als Lichtblick bei der insgesamt missglückten EM 2013 ins Rampenlicht. Sicherer Schütze aus der Distanz, im Duell mit Zipser um die Starterrolle als Small Forward. (24/ALBA Berlin/29)

Der Arbeiter: Alex King

Gab erst vor zwei Jahren sein Debüt im Nationalteam. Abseits des Feldes neben den Co-Kapitänen Nowitzki und Schaffartzik aufgrund seiner Erfahrung eine wichtige Führungsfigur. Darf sich aber keine großen Hoffnungen auf lange Einsatzzeiten machen. Mannschaftsdienlicher Spieler, kann von Bank wichtige Härte bringen. (30/ALBA Berlin/27)

Der Student: Maodo Lo

Vor knapp zwei Monaten führte der Aufbauspieler die A2 bei der Universiade zur Silbermedaille. Noch ein Jahr an New Yorker Uni, träumt danach von der NBA. Offensivstark, sucht den eigenen Abschluss, konnte seine Dreier-Stärke in der Vorbereitung noch nicht ausspielen. Musste die letzten Testpartien mit einer Beckenprellung passen. (22/Columbia University/16)

Der Superstar: Dirk Nowitzki

Steht im Spätherbst der Karriere vor seinem ersten Heim-Turnier. Begann die Vorbereitung so früh wie selten zuvor, zeigte naturgemäß noch Abstimmungsschwierigkeiten. Trägt nicht mehr wie bei vorigen Einsätzen die alleinige Last im deutschen Angriff, muss sich harten Attacken der Gegner erwehren. (37/Dallas Mavericks/148)

Der NBA-Neuling: Tibor Pleiß

Setzt seinen Karriereplan konsequent um. Nach Bamberg, Vitoria und Barcelona geht es kommende Saison zu den Utah Jazz in die NBA. Galt lange als zu weich, hat sich trotz größerer Masse sein sicheres Wurfhändchen aus der Distanz bewahrt. Als Rheinländer bekennender Karnevalsfan. (25/Utah Jazz/89)

Der wilde Hund: Heiko Schaffartzik

War ohne Nowitzki zuletzt alleiniger Anführer des deutschen Teams. Schwankt häufig zwischen Genie und Wahnsinn. Ist stets für wilde, eigentlich unmögliche Würfe gut. Kann sowohl das deutsche Spiel aufbauen oder auch neben Schröder beziehungsweise Lo agieren. Will sich nach dem Abgang bei Bayern für einen neuen Club empfehlen. (31/ohne Verein/110)

Der Tempogeber: Dennis Schröder

Hat sich nach schwierigem ersten Jahr bei den Atlanta Hawks bewiesen und in der besten Liga der Welt etabliert. Besitzt unbändiges Selbstbewusstsein. Muss als Point Guard die Geschwindigkeit des deutschen Angriffs kontrollieren und die Balance zwischen eigenem Abschluss und Vorlagen finden. (21/Atlanta Hawks/16)

Der Defensivspezialist: Karsten Tadda

War über viele Jahre Weggefährte von Trainer Fleming in Bamberg, führte die Brose Baskets als Kapitän zum Titel. Setzte sich im Duell um den letzten freien Platz im Kader gegen Berlins Akeem Vargas durch. Offensiv limitiert, lässt mit seinem Einsatz in der Abwehr andere Spieler glänzen.

(26/Brose Baskets/59)

Die Center-Hoffnung: Johannes Voigtmann

Wurde nach starker Bundesliga-Saison als bester deutscher Nachwuchsspieler und am meisten verbesserter Profi ausgezeichnet. Schaffte aufgrund der Verletzung von Center-Kollege Maik Zirbes den Sprung in den Kader. Muss Pleiß und Nowitzki mit guter Reboundarbeit notwendige Ruhepausen verschaffen. (22/Fraport Skyliners/22)

Das Toptalent: Paul Zipser

Die Überraschung der Vorbereitung. Bekam früh das Vertrauen von Fleming und darf sich nun sogar Hoffnung auf die Anfangsformation machen. Vielseitiger Scorer. Zog dieses Jahr seine Anmeldung zur NBA-Talentziehung zurück, darf sich aber nach der kommenden Saison womöglich wieder Hoffnung auf den Sprung in die USA machen. (21/FC Bayern München/11)

Seit Mittwoch bereitet sich das deutsche Team auf die ersten Heim-Auftritte bei einer Europameisterschaft seit 22 Jahren vor - für Nowitzki geht damit im Spätherbst seiner Karriere ein langgehegter Wunsch in Erfüllung. „Wenn die EM irgendwo anders gewesen wäre, wäre die EM mit 37 kein Thema mehr gewesen“, erklärte er seine Zusage. „Aber im eigenen Land kribbelt es schon.“

Und so quälte sich der Würzburger so früh wie selten zuvor während einer Turnier-Vorbereitung mit Mentor Holger Geschwindner in Einzelschichten. Die ersten Test-Auftritte gerieten wie erwartet noch holprig, zwischenzeitlich verfehlte Nowitzki mit einem Punkt gegen die Türkei den Negativrekord aus seinem Premieren-Länderspiel nur knapp. 1997 war er in Portugal ganz ohne Zähler geblieben.

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