Handelsblatt

MenüZurück
Wird geladen.

18.06.2014

14:00 Uhr

Basketballer LeBron James

Das verkannte Genie

VonThilo Neumann

LeBron James ist der derzeit beste Basketballspieler der Welt. Dabei polarisiert der Ausnahmeathlet, der mit Miami Heat die NBA-Finals 2014 verlor, wie kein Zweiter. Das Publikum liebt James entweder oder hasst ihn.

LeBron James: Der Basketball-Superstar polarisiert wie kein Zweiter. AFP

LeBron James: Der Basketball-Superstar polarisiert wie kein Zweiter.

MiamiLeBron James verlässt das Parkett des AT&T-Centers in San Antonio am Sonntag als Verlierer. 31 Punkte und zehn Rebounds des Superstars waren nicht genug, um die 104:87-Pleite seiner Miami Heat gegen die gastgebenden Spurs zu verhindern. Durch den vierten Sieg im fünften Spiel der Finalserie in der US-Basketballliga NBA feiert San Antonio somit die fünfte Meisterschaft in den letzten 15 Jahren. Miami hingegen verpasst nach den Erfolgen von 2012 und 2013 den „Threepeat“ von drei Titeln in Serie.

„Sie waren das bessere Team und uns in allen Belangen überlegen“, versucht sich James bei der anschließenden Pressekonferenz im höflichen Lob für den Sieger. Zuvor hatte er bereits auf dem Court seinem triumphierenden Kontrahenten Tim Duncan sportlich fair gratuliert.
James verabschiedet sich an diesem Abend mit Anstand. Nützen tut es ihm aber nichts. Denn auf Social-Media-Kanälen wird das Scheitern des Superstars wie auch von den gegnerischen Fans in San Antonio mit Häme und Verachtung bedacht. Fotomontagen auf Twitter und Facebook zeigen einen geschminkten James, der Tränen verdrückt, oder in Gestalt der entstellten Tolkien-Figur „Gollum“ aus „Der Herr der Ringe“. In San Antonio schwenken Fans bei der Siegesfeier überdimensionierte Pappschilder, auf denen das Gesicht des Starspielers zur weinerlichen Grimasse verzogen ist.
James ist den Trubel um seine Person gewohnt. Bereits nach Spiel Eins der Finalserie hatte er die Missgunst der ihm abgeneigten Fangemeinde mit voller Wucht zu spüren bekommen. Anlass waren Krämpfe, die ihn wenige Minuten vor Spielende in der durch einen Ausfall der Klimaanlage aufgeheizten Arena heimsuchten. Unter dem Hashtag „Lebroning“ stellten fortan weltweit Fans Bilder ins Netz, auf denen sie die Szene nachstellen, in der James vom Platz getragen wird.

Gibt es kein aktuelles Ereignis, auf das man sich beziehen kann, wird über den hohen Haaransatz des Heat-Spielers gelästert und dessen verzweifelten Versuche, diesem entgegenzusteuern, über seine angeblich softe Spielweise und die von den Schiedsrichtern nicht geahndeten Regelverstöße. Getreu dem Motto: Irgendwas ist immer.
„Ich bin mir darüber im Klaren, dass ich das einfachste Ziel im Sport bin“, kommentiert der Geschädigte selbst die häufigen Angriffe gegen seine Person mit einem Lächeln. Wer Erfolg hat, wird Opfer von Neid und Missgunst, meint James. Doch das ist im Falle des zweifachen Olympiasiegers nur die halbe Wahrheit.

Direkt vom Startbildschirm zu Handelsblatt.com

Auf tippen, dann auf „Zum Home-Bildschirm“ hinzufügen.

Auf tippen, dann „Zum Startbildschirm“ hinzufügen.

×