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12.01.2015

14:32 Uhr

Betrug im Leistungssport

Biathlon-Verband sucht alte Dopingsünder

Der Biathlon-Verband untersucht alte Doping-Proben neu und wird fündig. Man werde auch Fälle, die erst nach Jahren nachweisbar sind, konsequent verfolgen, so die IBU-Generalsekretärin. Experte Sörgel wiegelt ab.

Das Läuferfeld beim Biathlon World Cup in Oberhof: „Das ist nur die Spitze eines Eisberges“, sagt der Anti-Doping-Experte Fritz Sörgel. ap

Das Läuferfeld beim Biathlon World Cup in Oberhof: „Das ist nur die Spitze eines Eisberges“, sagt der Anti-Doping-Experte Fritz Sörgel.

HamburgIm Kampf gegen Doping sucht der Biathlon-Weltverband weiterhin auch in der Vergangenheit. Nachdem die russische Nachwuchshoffnung Alexander Loginow und der ukrainische Altstar Sergej Sednew mit Proben aus dem Jahr 2013 als EPO-Sünder entlarvt wurden, darf sich keiner mehr sicher fühlen. „Die IBU steht zu ihrer Nulltoleranz gegen Doping und wird auch Fälle, die erst nach Jahren nachweisbar sind, konsequent verfolgen. Das sind wir unserem Sport schuldig“, kündigte Generalsekretärin Nicole Resch am Montag an.

„Natürlich ist das nur die Spitze eines Eisberges. Man darf das aber nicht nur auf Biathlon beziehen. In anderen Sportarten käme man zum gleichen Ergebnis. Aber dort will man offensichtlich nicht an das Thema ran“, sagte der Anti-Doping-Experte Fritz Sörgel.

Die IBU dagegen scheint ernst zu machen: Bereits im vergangenen Jahr waren die als EPO-Doper für acht und zwei Jahre gesperrten Jekaterina Jurjewa und Irina Starych mit alten Proben erneut überführt worden. Die beiden Russinnen sowie Loginow und Sednew müssen sich nun erneut vor dem Anti-Doping-Panel der IBU verantworten.

Biathlon-Festspiele 2015

Kalender

Für die Biathleten beginnt der ganz normale Weltcup-Wahnsinn: Erst steht Oberhof von Mittwoch bis Sonntag auf dem Programm, dann gibt es in Ruhpolding die nächsten Heimrennen. Rund 300 Sportler aus 30 Nationen sind am Start. Die deutschen Skijäger wollen auf das Podest.

Quellen: dpa, sid

Weltelite – Männer

In Oberhof gehen die Top-Athleten des Weltcups an den Start. Dazu zählen Norwegens Altstar Ole Einar Björndalen und der zweifache Olympia-Goldmedaillengewinner von Sotschi, Martin Fourcade aus Frankreich, der derzeit Führender im Weltcup-Ranking ist. Auch die aktuell Zweit- und Drittplatzierten Anton Schipulin aus Russland und Emil Hegle Svendsen aus Norwegen kommen.

Weltelite – Frauen

Das Starterfeld der Frauen ist ebenfalls hervorragend besetzt: Die Weltcup-Führende Kaisa Mäkäräinen aus Finnland und ihre derzeit härtesten Kontrahentinnen Valj Semerenko aus der Ukraine und Darja Domratschewa aus Weißrussland sind in Oberhof dabei.

Der Damen-Trainer

„Wir freuen uns sehr auf die Rennen vor heimischem Publikum, wissen aber ebenso, dass es keine leichten Wettkämpfe werden“, sagt Damen-Cheftrainer Gerald Hönig vor den Rennen in Oberhof (Thüringen). „Einerseits motivieren uns die Zuschauer natürlich sehr, andererseits sind der Trubel und die zusätzlichen Termine bei den Heim-Weltcups auch deutlich zu spüren.“

Weltmeisterin steigt ab

Die zweimalige Staffel-Weltmeisterin Gössner, nach ihrer schweren Verletzung und der dadurch notwendigen langen Wettkampfpause noch immer auf der Suche nach der Form, wird nun in der zweiten Biathlon-Liga laufen. Gössner soll beim IBU-Cup in Polen ihre Trainingsleistung im Wettkampf umsetzen.

Damenquartett

In Oberhof geht es am Mittwoch und Donnerstag mit den Staffelrennen los. In Hochfilzen sorgten Luise Kummer, Franziska Hildebrand, Vanessa Hinz und Franziska Preuß mit ihrem unerwarteten Erfolg über die 4 x 6 Kilometer für einen Paukenschlag. Neu im Team stehen Karolin Horchler und Tina Bachmann.

Der Herren-Trainer

Cheftrainer Mark Kirchner sagt: „Wir entscheiden nach Leistung. Das ist sicherlich ein harter Kampf, aber ebenso fair für das erweiterte Weltcupteam.“ Kirchner weiß wovon er spricht, er war mal Olympiasieger.

Männer-Riege

Bei den Männern rückt nur Benedikt Doll ins Weltcup-Team auf. „Nach Florian Graf, Michael Willeitner und Johannes Kühn soll auch er seine Chance bekommen, sich in der höchsten Wettkampfklasse zu präsentieren“, sagt Kirchner.

Weitere Starter

Neben Doll sind noch Andreas Birnbacher, Daniel Böhm, der Olympia-Zweite Erik Lesser, Ex-Weltmeister Arnd Peiffer und Simon Schempp am Start. „Wir wollen geschlossen in der Mannschaft mit der Weltspitze mithalten“, fordert Kirchner von seinen Skijägern nicht nur für die Rennen in Oberhof, sondern auch für den Heim-Weltcup in der nächsten Woche in Ruhpolding.

Fernsehen

Das ZDF berichtet vom 7. bis 11. Januar 2015 täglich live aus dem Wintersportzentrum im Thüringer Wald. Auch online unter zdfsport.de verpassen die Biathlon-Fans nichts: Im Livestream, im Liveticker oder über die Social-Media-Angebote bei Facebook und Twitter können sie die Wettbewerbe verfolgen

„Gedopte Athleten gehören nicht in unseren Sport. Natürlich ist es nicht schön für den Biathlonsport, sich mit Dopingfällen befassen zu müssen. Aber es ist ehrlich. Und die Wahrheit ist nicht immer ein Ponyhof“, sagte Resch. Wenn die Blutwerte für Hämatokrit und Hämoglobin eines Athleten abweichend oder zumindest verdächtig waren, wurden die Proben auf Wiedervorlage gelegt.

„Bei atypischen Ergebnissen warten wir ab, bis eine WADA-verifizierte Nachweismethode verfügbar ist“, erläuterte Resch unter Verweis auf die Welt-Anti-Doping-Agentur (WADA). Um weitere Ermittlungserfolge nicht zu gefährden, wollte sich die Generalsekretärin „zur Anzahl der Proben, die wir aufbewahren, und dem Zeitraum für die Re-Tests aus strategischen Gründen nicht äußern“.

Sörgel gibt zu bedenken: „Profi-Doper können mit allerlei Manipulationen einer Strafe entkommen, indem sie keine zu verdächtigen Blutwerte abliefern. Es trifft, wie immer, die kleineren Fische. So ist es ja auch geplant.“ Immerhin galt Loginow als große russische Biathlon-Hoffnung. Der 22-Jährige stand bereits dreimal auf dem Weltcup-Podest. Bei Olympia in Sotschi gab es für ihn keine Medaille.

In der russischen Gold-Staffel, die knapp vor Deutschland gewann, lief er nicht. Im Dezember 2013 gehörte Loginow aber zu jenem Quartett, das beim Frankreich-Weltcup knapp vor dem deutsche Team lag. Dieser und weitere Erfolge könnten nun gestrichen werden.

Der 31 Jahre alte Sednew hat bereits einen Weltcup-Sieg geschafft, im Januar 2010 in Antholz. Dort wurde die auffällige Probe drei Jahre später entnommen und nun erneut analysiert. Bei der Weltmeisterschaft 2011 gewann er mit der ukrainischen Staffel die Bronzemedaille. Sednew hat seine Karriere bereits beendet und genau wie Loginow auf die Öffnung der B-Probe verzichtet.

Für Sörgel passt die Dopingaffäre ins Gesamtbild: „Dass wieder Sportler aus Russland und der Ukraine betroffen sind, bestätigt den ARD-Fernsehbericht zum Teil, denn für die damalige Zeit hatte man ja in diesen Fällen optimal gedopt, also es erfolgte kein Nachweis von EPO.“ In der Dokumentation „Geheimsache Doping“ hatte die ARD zuletzt über die Doping-Praktiken in Russland berichtet.

Von

dpa

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