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10.01.2008

12:53 Uhr

Biathlon International

IBU kündigt neuen Kurs im Anti-Doping-Kampf an

Der Biathlon-Weltverband will die bisher üblichen Grenzwerte für den Hämoglobingehalt im Blut abschaffen und stattdessen auf individuelle Blutprofile bauen. Kritik an dem Plan kommt von Doping-Experte Werner Franke.

Der Biathlon-Weltverband (IBU) will im Kampf gegen Blutdoping in Zukunft auf individuelle Blutprofile setzen und die bisher üblichen Grenzwerte für den Hämoglobingehalt im Blut abschaffen. Der Heidelberger Doping-Experte Werner Franke kritisiert den Plan als "Freifahrtsschein für alle Betrüger" und "Unfug."

"Mit den Grenzwerten kommen wir nicht weiter"

Zweifel meldete auch Sprecherin Ulrike Spitz von der Nationalen Anti-Doping-Agentur Nada an: "Die Einführung der Grenzwerte hat sehr viel gebracht. Eine komplette Abschaffung wäre problematisch." IBU-Generalsekretär Michael Geistlinger verteidigte jedoch am Rande des Weltcups in Ruhpolding den Plan: "Mit den Grenzwerten kommen wir nicht weiter. Wir wollen einen fairen Sport. Um Doping so weit wie möglich zurückzudrängen, müssen wir über individuelle Werte gehen." Dies solle durch die in Kooperation mit der Welt-Anti-Doping-Agentur Wada bei den Biathleten eingeführte Software Arietta erfolgen, bei der alle verfügbaren Blutdaten der Athleten in über Rastersystem kontrolliert werden können.

Bereits beim Verbandskongress Anfang September in Prag sollen die Delegierten den Kurswechsel beschließen. Die bislang gültigen Hämoglobin-Grenzwerte von 16,0 (Frauen) sowie 17,5 (Männer) Gramm pro Deziliter Blut wären dann ebenso Geschichte wie die laut IBU bei Überschreitungen übliche Fünftages-Sperre "zum Schutz des Athleten." Zuletzt war der Russe Iwan Tscheressow beim Weltcup in Pokljuka mit einem Wert von 18,2 gesperrt worden.

Regelmäßige Blutkontrollen bei den Russen

Die Russen gaben danach zu, regelmäßige Blutkontrollen im Team durchzuführen, um Grenzwerte nicht zu überschreiten. Eine Praxis, die im deutschen Lager nicht gepflegt und mit Argwohn betrachtet wird. "Recht ist uns dass russische Vorgehen nicht, aber andere Nationen arbeiten ähnlich", meint Geistlinger. Im Fall Tscheressow hatte die nachfolgende Urinkontrolle den Dopingverdacht nicht bestätigt. Zusätzlich war in Oberhof eine Zielkontrolle durchgeführt worden, deren Ergebnis noch aussteht.

Derartige Target-Tests sollen laut IBU-Linie künftig immer dann durchgeführt werden, wenn die Ärzte Unregelmäßigkeiten in den vorhandenen Blutprofilen feststellen. "Dabei gibt es keine weißen Flecken mehr auf der Weltkarte. Wir können zu jeder Zeit überallhin Kontrolleure schicken", meint Geistlinger.

Franke ist sehr skeptisch

Franke bezweifelt das. "Die Betrüger müssen sich doch nur zwei, drei Tage geschickt verstecken und können danach ganz locker frech sein", meint der Molekularbiologe. Mittlerweile seien Varianten des für Dopingzwecke missbräuchlich verwendeten Erythropoetin (EPO) preisgünstig auf dem Markt, die man nur einmal innerhalb von drei Wochen spritzen müsse. Nach etwa zwei Tagen sei dann das Mittel nicht mehr nachzuweisen. Sportler würden laut Franke vorzugsweise Zeiträume nutzen, in denen sie auf Reisen sind "und genau wissen, dass da so schnell kein Kontrolleur hinterher fährt".

Bei den Zielkontrollen müsse "möglichst intelligent und scharf rangegangen werden", so Franke. Geistlinger verspricht das und will bei verdächtigen Athleten möglichst die Trainings-Zeiträume für Kontrollen nutzen, in denen Doping am effektivsten ist. Im Biathlon seien das der Frühsommer, der September sowie aktuell der Zeitraum zwischen dem letzten Januar-Weltcup in Antholz und der WM in Östersund. Für Franke jedoch ist die Chance, dabei jemanden zu überführen, "sehr gering."

Chef der neuen Arietta-Beobachtung ist Dr. Fabio Manfredini von der Uni Bologna, der auch im Medizinischen Komitee der IBU sitzt. Diesem Komitee bewilligte der IBU-Vorstand zuletzt 10 000 Euro zusätzlich, um laut Geistlinger "die Ausbildung der individuellen Blutprofile zu intensivieren."

© SID

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