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26.03.2006

14:15 Uhr

Biathlon Weltcup

Das Erfolgsrezept der Kati Wilhelm

Mit dem Sieg des Biathlon-Gesamtweltcups hat Kati Wilhelm ihre wohl erfolgreichste Saison abgeschlossen. Im Interview mit dem sid spricht Wilhelm über ihr Erfolgsrezept und ihre kommenden Ziele.

Kati Wilhelm hat mit dem Gewinn des Biathlon-Gesamtweltcups einen der herausragensten Erfolge ihrer Karriere gefeiert. Im sid-Interview stellt die Thüringerin diesen Triumph auf eine Stufe mit ihren drei olympischen Goldmedaillen. Als zweite Deutsche nach Martina Glagow (2003) erhielt Wilhelm beim Weltcup-Finale am Holmenkollen in Oslo die große Kristallkugel für ihre überragende Olympiasaison überreicht.

Die 29-Jährige vom SC Motor Zella-Mehlis will nach ihrem Urlaub den nächsten vierjährigen Olympia-Zyklus bis Vancouver 2010 in Angriff nehmen und plagt sich nicht mit Motivationsproblemen. Die lange Durststrecke bei Weltmeisterschaften (letzter Sieg 2001) will sie im nacholympischen Winter mit dem Höhepunkt der WM im Februar 2007 in Antholz beenden.

sid: "Nach 26 Weltcup-Rennen des Olympiawinters sind Sie die beste Biathletin der Welt. Wie ordnen Sie diesen Erfolg in einer Saison ein, in der Sie in Turin Olympiagold gewonnen haben?"

Kati Wilhelm: "Weltcup-Gewinnerin ist etwas ganz Großes, was ich erreicht habe. Olympiasiegerin kann man auch werden, wenn man einmal an einem Tag eine außergewöhnliche Form hat oder auch ein wenig Glück mit dem Wetter und dem Material. Aber den Weltcup gewinnt der, der im ganzen Winter die besten Leistungen bringt und sich keine Ausrutscher leistet. Ich habe mir keine Ausrutscher geleistet. Das ist schon genial. Es hat einfach Spaß gemacht, in diesem Winter. Ich würde den Weltcup-Titel auf eine Stufe mit dem Olympiagold stellen."

sid: "Sie haben noch zu Jahresbeginn die Olympischen Spiele in den Mittelpunkt gerückt und den Weltcup hintenan gestellt. War das ein Schwindel?"

Wilhelm: "Ich wollte mich auf das nächste Ziel konzentrieren und mich nicht verzetteln. Ich habe versucht, den Druck abzubauen. Aber ich habe auch immer gesagt, dass ich das Gelbe Trikot gerne bis zum Schluss verteidigen möchte. Und das ist mir gelungen."

sid: "Sie haben sechs Rennen gewonnen, waren neunmal Zweite und nur viermal in 26 Rennen nicht unter den Top Ten. So konstant war bisher nur die Schwedin Magdalena Forsberg..."

Wilhelm: "Es ehrt mich, wenn ich mit Magda verglichen werde, aber sie war über viele Jahre ganz vorne. Ich habe das erst einen Winter geschafft. Magdalena war mit ihrer Leistungskonstanz auf alle Fälle ein Vorbild für mich. Ich habe meine guten Plätze nicht gezählt, aber es ist schon erstaunlich, was da so zusammengekommen ist."

sid: "Früher haben Sie auch Rennen gewonnen, waren dann aber sofort mal wieder weg von den besten 30. Worauf führen Sie die neue Konstanz dieses Winters zurück?"

Wilhelm: "Ich habe im Training nichts anders gemacht, aber ich bin im Kopf klarer, wenn ich zum Schießen komme. Ich habe keine Angst mehr und überlege nicht mehr, was passieren könnte, wenn ich nicht treffe. Früher habe ich beim Schießen öfter zu früh angefangen, obwohl ich noch gar nicht richtig bereit war. Dann habe ich mich am Ende riesig über solche Fehler geärgert. Jetzt habe ich das Selbstbewusstsein und weiß, dass ich es kann. Da stört es mich auch überhaupt nicht, wenn neben mir eine Rivalin trifft oder eventuell schneller schießt. Ich konzentriere mich nur noch auf meinen Ablauf. Vielleicht ist es das, was mich stark macht."

sid: "Allein der Gesamtweltcup wird vom Weltverband mit 20 000 Euro belohnt, 12 500 Euro kommen vom deutschen Skiverband DSV hinzu. Insgesamt etwa 300 000 Euro an Prämien sind brutto wohl zusammengekommen. Was leisten Sie sich von diesem Geld?"

Wilhelm: "Erstmal gehen da jede Menge Steuern ab. Ansonsten habe ich eigentlich keine großen Wünsche, die ich mir erfüllen will. Ich bin da sehr konservativ und denke eher an die Zeit nach dem Sport, wenn ich auch noch den einen oder anderen Euro brauchen werde. Aber wenn ich im Mai nach Lanzarote oder nach Zypern in Urlaub fahre, dann werde ich wohl nicht so aufs Geld schauen. Da leiste ich mir mal etwas mehr Luxus. Ansonsten gibt es keine Anschaffungen, kommt das Geld aufs Konto."

sid: "Sie sind mit dreimal Gold erfolgreichste Olympia-Biathletin aller Zeiten, waren 2001 Sprint-Weltmeisterin und haben jetzt auch noch die große Kristallkugel der Weltcup-Gewinnerin. Wo liegt Ihre Motivation für die Zukunft?"

Wilhelm: "Probleme mit der Motivation sehe ich nicht. Der aktuelle Winter war doch so schön, er hat mir so viel Spaß gemacht. Diese Erfolge, die mir gelungen sind, will ich wenigstens zum Teil im nächsten Winter verteidigen. Und bei der WM hatte ich ja eine lange Durststrecke, habe seit 2001 keine Einzelmedaille mehr gewonnen. Da wird es schon mal wieder Zeit ..."

© SID

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