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28.10.2012

21:52 Uhr

Blaues Eis, große Bälle

Wenn der Sport zur Show wird

VonDésirée Linde

Beim Profisport geht es nicht allein um Bestleistungen. Die Publikumstauglichkeit ist genauso wichtig, damit die Zuschauer einschalten und sich Werbung lohnt. Eishockey, Basket- und Handball feiern dabei jetzt Erfolge.

Die Topspiele der Eishockey-Bundesliga (hier die Eisbären Berlin gegen die Iserlohn Roosters) sollen einen prominenteren Platz im TV bekommen. dpa

Die Topspiele der Eishockey-Bundesliga (hier die Eisbären Berlin gegen die Iserlohn Roosters) sollen einen prominenteren Platz im TV bekommen.

Düsseldorf/MünchenWas wie ein PR-Gag klingt, ist keiner: Das Eis beim Eishockey könnte blau eingefärbt werden, damit der Puck für Fernsehkameras besser zu sehen ist. Tischtennisspieler hauen sich mittlerweile schon größere Bälle um die Ohren, damit das Spiel etwas langsamer wird und es so für die Zuschauer leichter zu verfolgen ist. Und beim Rudern muss sowieso mehr Action rein, also könnte man den Wechsel der Bahnen erlauben.

Solche Überlegungen, wenn auch nicht neu, haben ein stets aktuelles Ziel: Sport publikumswirksam zu vermarkten. Paradebeispiel, wie das funktioniert, ist der US-amerikanische Super Bowl mit den teuersten Werbezeiten überhaupt und Weltstars wie Rihanna, für die es eine Ehre ist, dann aufzutreten, wenn das eigentliche Event – das Finalmatch – unterbrochen ist.

Raus aus der Nische kommen Sportarten nur im massentauglichem Rahmen – und einer guten Lobbyarbeit. Der Deutsche Olympische Sportbund (DOSB) hat zuletzt immer wieder Druck gemacht und die öffentlich-rechtlichen Sendeanstalten an ihren Auftrag erinnert, die ganze Vielfalt des Sports darzustellen.

Ergebnis: Ab Sonntag soll in der ZDF-Sportreportage (17.10 Uhr) und der ARD-Sportschau (18 Uhr) über jeweils ein Spiel aus einer der drei Top-Ligen im Eishockey, Handball und Basketball berichtet werden. DOSB-Präsident Thomas Bach nennt das „einen Schritt in die richtige Richtung“.

Im Gegenzeug erklärte sich die Deutsche Eishockey-Liga (DEL) sowie die Handball- und Basketball-Bundesliga zu Spielverlegungen bereit, um den Sendern entgegen zu kommen. Außerdem sollen die Topspiele besser koordiniert werden, so dass die Spitzenspiele der einzelnen Ligen möglichst nicht parallel laufen.

Der Sport als Spektakel - wo das nicht klappt, bleiben Sendeanstalten, Werber und damit auch Gelder fern. Was jetzt mit den Verbänden der drei Profiliegen funktioniert, steht in anderen Sportarten noch in Kinderschuhen.

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