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22.08.2015

11:04 Uhr

Bolt gegen Gatlin

Der Showdown von Peking

Bolt gegen Gatlin – das ist das Duell, das bei der Leichtathletik-WM in Peking die Massen elektrisiert. Der eine ist ein lebender Mythos, der andere in diesem Jahr noch ungeschlagen. Wer wird schnellster Mann der Welt?

Am Sonntag kommt es in Peking zum heiß erwarteten Duell Bolt (rechts) gegen Gatlin. AFP

Kampf der Sprint-Giganten

Am Sonntag kommt es in Peking zum heiß erwarteten Duell Bolt (rechts) gegen Gatlin.

PekingUsain Bolt ist bereit, Justin Gatlin ebenfalls: Im 100-Meter-Finale am Sonntag (15.15 Uhr westlicher Zeit/live in ARD und Eurosport) fällt die mit Abstand bedeutendste und meistdiskutierte Entscheidung der Leichtathletik-WM in Peking. Schneller als US-Sprinter Gatlin (9,74 Sekunden), immerhin schon 33, war in dieser Saison noch keiner. Der Weltmeister von 2005 will es zehn Jahre später noch einmal wissen.

Was für Bolt spricht:

Sein Mythos überstrahlt alles: Der Jamaikaner ist achtmaliger Weltmeister, sechsmaliger Olympiasieger sowie Weltrekordhalter über 100, 200 und 4 x 100 Meter. Deshalb gibt er sich in Peking auch cool - obwohl er in diesem Jahr wegen Rückenproblemen teils wochenlang nicht voll trainieren konnte.

Bolt hat ein enormes Selbstbewusstsein und viel Erfahrung. „Ich mache diesen Sport nun schon lange Zeit und habe viel gesehen“, sagte der 29-Jährige. „Ich würde sagen, dass ich mich verändert habe. Ich bin ein anderer, aber verbesserter Usain.“ Viele sagen: Wenn Bolt nicht absolut siegessicher und fit wäre – dann wäre er nicht in Peking.

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Was für Gatlin spricht:

Der Mann glaubt an sich! Sowohl über 100 Meter (9,74 Sekunden) als auch über 200 Meter (19,57) rannte er so schnell wie nie und so flott wie kein anderer in dieser Saison. Seit 2014 ist er nun schon in 26 Rennen über beide Strecken ungeschlagen. Er ist besser vorbereitet und hat mehr Wettkampfpraxis als Bolt – deshalb trauen ihm viele das Kunststück zu, zehn Jahre nach seinem Sieg 2005 noch einmal WM-Gold zu erobern.

Nach zwei Dopingsperren misstraut ihm aber fast jeder in der Leichtathletik, doch Gatlin blendet auch das aus. „Ich trainiere doch nicht so hart, dass ich kotzen muss, nur um dann rauszugehen und die Lorbeeren einem anderen zu überlassen“, sagte er einmal.

Wie die beiden Rivalen sich verstehen:

Es ist kaum zu glauben bei der Rivalität, die sonst meist unter den größtes Egos der Leichtathletik-Welt herrscht: Aber Bolt und Gatlin verbindet ein großer, gegenseitiger Respekt. Der Amerikaner hat Bolt einmal als den Mann bezeichnet, „der unseren Sport auf den Mars gebracht hat“. Der Superstar aus Jamaika wiederum hat den vermeintlich stärksten Gegner seiner Karriere nie für seine Doping-Vergangenheit kritisiert. Er hat das bei Ex-Weltmeister Tyson Gay getan, er mag auch seinen Landsmann Asafa Powell nicht. Dass Gatlin trotz einer vierjährigen Dopingsperre und seines Alters noch einmal in den Bereich von 9,7 Sekunden vorgedrungen ist, nötigt Bolt Respekt ab.

Was für die anderen spricht

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Die Leichtathletik-WM ist gestartet. Doch Athleten brauchen frische Luft, um Höchstleistungen abzurufen. Die gibt es in Peking nicht – die Stadt ist smogverpestet. Zum Start steht die Frage im Raum: Ist das noch gesund?

Im Finale sprinten die acht schnellsten Männer der Welt, doch Außenseiterchancen hinter Bolt und Gatlin dürften höchsten noch Asafa Powell und Tyson Gay haben. Powell war schon mal Weltrekordler, Jamaikas Teamkapitän ist in diesem Jahr der zweitschnellste Mann hinter Gatlin. „Ich bin in sehr guter Form“, sagte er in Peking. Gatlins Landsmann Gay bräuchte einen Traumtag für (s)einen Traumtitel. So wie 2007 in Osaka, als er über 100, 200 und 4 x 100 Meter triumphierte. 9,87 Sekunden rannte er in dieser Saison schon - genauso schnell wie Bolt. Allerdings waren Powell und Gay ebenfalls schon einmal wegen Dopings gesperrt.

Was die Statistik sagt

Die letzten drei Weltmeister in der prestigeträchtigsten Leichtathletik-Disziplin kamen aus Jamaika: Usain Bolt gewann 2009 und 2013, sein Fehlstart in Daegu machte 2011 den Weg für Yohan Blake frei. Seit der WM-Premiere 1983 holten die US-Sprinter bei 14 Titelkämpfen acht Goldmedaillen, zwei schafften sogar den Hattrick: Legende Carl Lewis (1983, 1987, 1991) und Maurice Greene (1997, 1999, 2001). Kürzer als ein Wimpernschlag war der knappste Vorsprung, den ein Weltmeister je hatte: acht Tausendstelsekunden. Überraschungs-Weltmeister Kim Collins aus St. Kitts und Nevis stürmte 2003 in Paris in 10,065 Sekunden ins Ziel - aufgerundet auf 10,07. Zweiter wurde Darrel Brown aus Trinidad und Tobago.

Das harte WM-Jahr des Usain Bolt

1. Januar

Kampfansage zum neuen Jahr: „Ich wäre gern der erste Mensch, der 200 Meter unter 19 Sekunden läuft - ein Maß, das für die nächste Generation sehr schwer zu unterbieten wäre.“ Bolt hält mit 9,58 und 19,19 Sekunden die Weltrekorde über 100 beziehungsweise 200 Meter.

1. März

Zum Saisonauftakt kassiert Bolt die erste Staffel-Niederlage seit siebeneinhalb Jahren und erlebt einen Fehlstart ins WM-Jahr. Der Jamaikaner muss sich in Kingston mit dem Quartett des Racers Lions Track Club knapp geschlagen geben. Die bis dato letzte Niederlage Bolts mit einer Sprintstaffel gibt es am 7. September 2007.

14. März

Erster Einzelstart nach einem schwierigen Jahr 2014 - überraschend über 400 Meter. Der Superstar gewinnt seinen Vorlauf beim GC Foster Classic in Kingston in 46,37 Sekunden.

14. April

Bolt gewinnt ein Showrennen in Rio de Janeiro. Er siegt über 100 Meter in 10,12 Sekunden vor Ryan Bailey aus den USA. „Ich komme langsam in Form“, sagt Bolt. Für viele aber zu langsam.

26. Mai

Der schnellste Mann der Welt siegt beim internationalen Leichtathletik-Meeting in Ostrau. Im 200-Meter-Rennen kommt er aber nicht über 20,13 Sekunden hinaus. Bolt will im WM-Jahr seinen Weltrekord (19,19 Sekunden) unterbieten.

13. Juni

Bolt enttäuscht beim Diamond-League-Meeting in New York. Er gewinnt zwar auf seiner Paradestrecke, mit seiner Siegerzeit von 20,29 Sekunden liegt er jedoch 61/100 hinter dem bisherigen Saisonbestwert des US-Sprinters Justin Gatlin (19,68 Sekunden). „Ich bin nicht glücklich mit der Zeit, weiß nicht genau, was los ist“, meint Bolt.

25. Juni

Nach der Absage des 100-Meter-Starts von Bolt bei den jamaikanischen Leichtathletikmeisterschaften betont sein Manager, die Teilnahme seines Schützlings sei ohnehin nur eine „Option“ gewesen. Die Trainer entscheiden, dass Bolt lieber trainieren soll.

30. Juni

Bolt sagt seine geplanten Starts bei den Diamond-League-Meetings in Paris (4. Juli) und Lausanne (9. Juli) überraschend ab. Ein blockiertes Iliosakralgelenk schränke seine Mobilität ein. Er lässt sich wie schon mehrfach von Hans-Wilhelm Müller-Wohlfahrt in München behandeln.

24. Juli

Bei der WM-Generalprobe siegt Bolt in 9,87 Sekunden über 100 Meter - und kehrt in die Weltspitze zurück. Nach einer sechswöchigen Verletzungspause gewinnt er beim Diamond-League-Meeting in London bereits den Vorlauf bei Gegenwind und regnerischem Wetter mit der gleichen Zeit. Ein Warnsignal an die Konkurrenz!

31. Juli

Bolt sagt auch seinen Start beim Leichtathletik-Meeting in Zürich am 3. September ab. Er wolle sich nach den Weltmeisterschaften zunächst erholen, begründet sein Manager Ricky Simms. Die WM endet am 31. August.

20. August

Erster geplanter Auftritt in Peking - bei einer internationalen Pressekonferenz seines Sponsors und Ausrüsters (Puma).

Von

dpa

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