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17.01.2007

08:45 Uhr

Boxen International

Box-Legende Muhammad Ali feiert 65. Geburtstag

Heute feiert Muhammad Ali seinen 65. Geburtstag. Seinen Ehrentag verbringt der einstige Ausnahme-Boxer, der von der Parkinsonschen Krankheit gezeichnet ist, nur im engen Familienkreis in Berrien Springs/Michigan.

Seine spektakulärsten Fights erlebten mehr Menschen vor den Bildschirmen in aller Welt als den ersten Flug zum Mond. Doch seinen 65. Geburtstag am heutigen Mittwoch begeht Muhammad Ali nur im engen Familienkreis in Berrien Springs/Michigan. Dort lebt der "Größte" in einer eher bescheidenen Villa zurückgezogen mit seiner vierten Frau Lonnie, mit der er seit nunmehr 20 Jahren verheiratet ist. Seine website "www.ali.com" wird erst am 17. Januar wieder geöffnet.

Krankheit deutlich fortgeschritten

Bei seinem letzten öffentlichen Auftritt Mitte November in New York, als seine Tochter Laila im "Garden" boxte, musste er laufend gestützt werden, konnte die Hand nicht mehr zum Gruß erheben, als ihn die Menge frenetisch mit Ali-Rufen feierte. Die Parkinsonsche Erkrankung ist seit 1996, als er in Atlanta mühsam das Olympische Feuer entzündete, deutlich fortgeschritten. Doch er trägt sein Schicksal mit beeindruckender Würde: "Es ist mir von Allah auferlegt."

Einst war er als Großmaul verschrien, produzierte Sprüche wie ein Wasserfall. "Ich flattere wie ein Schmetterling und steche wie eine Biene" war jener, mit dem er seinen Ali-Shuffle ankündigte. Und wie meistens versprach er nicht zuviel. Er schwebte durch den Ring, ließ die Arme baumeln, pendelte mit der Hüfte die Schläge aus: Mit ihm war ein neues Zeitalter angebrochen, auf einmal war Boxen schön geworden.

Mit den Gegnern gespielt

Mit 22 Jahren enttronte er 1964 Weltmeister Sonny Liston, den Fürsten der Finsternis, vor dem alle anderen Angst hatten. In den neun folgenden Titelkämpfen setzte der Modellathlet (1,91m, 93kg) seine Krone nie wirklich aufs Spiel, er spielte nur mit den Gegnern. Sie hatten, wie Karl Mildenberger 1966 in Frankfurt, eigentlich gar keine Chance - Ali gaukelte sie nur allen vor.

Als Cassius Clay kam er am 17. Januar 1942 in Louisville in Kentucky zur Welt, wuchs in einer Familie der schwarzen Mittelschicht behütet auf - wohl die Wurzel für sein grenzenloses Selbstbewusstsein. Als er zwei Tage nach seinem Titelgewinn 1964 zum Islam und zur militanten Sekte der Black Muslims übertrat und seinen neuen Namen annahm, glaubten viele an einen neuen PR-Trick.

Wehrdienst verweigert - zu Haft verurteilt

Doch 1966 wurde er zum Teufel in Person. Er verweigerte den Wehrdienst - aus religiösen Gründen und: "Weil ich nichts gegen den Vietkong habe." Amerika, durch den Vietnam-Krieg tief gespalten, statuierte ein Exempel: Eine Geschworenen-Jury in Houston, alles Weiße, verurteilte ihn zu fünf Jahren Haft. Zwar musste er nicht ins Gefängnis (1971 sprach ihn der Oberste Gerichtshof frei), verlor aber von 1967 bis 1970 die Boxlizenz und durfte in seinen besten Jahren zwischen 25 und 28 keinen Kampf bestreiten.

Bei seinem Comeback war er zur lebenden Legende geworden, von den einen vergöttert, von den anderen verfemt. Im ersten "Kampf des Jahrhunderts" 1971 im "Garden" gegen Joe Frazier musste er in der 15. Runde erstmals zu Boden. Ein Denkmal war gestürzt, für seine Anhänger eine Welt zusammengebrochen.

Umso glanzvoller vollzog sich seine Rückkehr auf den Thron. In der Nacht von Kinshasa im Herzen Afrikas (Kampfbeginn vier Uhr morgens, 22 Uhr New York) schlug er 1974 als krasser Außenseiter den K.o.-König George Foreman k.o., nachdem er sieben Runden lang nur in den Seilen gelegen hatte. Es war ein Coup ohnegleichen.

Ein Jahr darauf kam es zum dritten Jahrhundertkampf, dem Thriller von Manila gegen Frazier, der in der 14. Runde zermürbt aufgab. Es war ein von beiden erbarmungslos geführter Fight - für den Sieger Ali vielleicht schon der eine Kampf zuviel. Nie mehr sollte er die frühere Leichtigkeit wieder erreichen. Er trat zurück und wieder auf - es war ein langer, trauriger Abgang.

Das 2005 in Louisville eingerichtete Ali-Center, das auch über Parkinson aufklärt, registrierte im ersten Jahr 200 000 Besucher. Zu seinem 65. Geburtstag bekundet ihm das Land durch alle Schichten hinweg auf der website "www.alicenter.org" Respekt.

Ob er der beste Boxer aller Zeiten war, kann niemand sagen. Aber dass er über ein Jahrzehnt lang ein Weltereignis war, wo immer er auftrat, und dabei mehr Menschen in seinen Bann zog als je ein Sportler vor und nach ihm, steht außer Frage. So gesehen war er wohl wirklich der Größte.

© SID

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