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14.01.2008

09:21 Uhr

Boxen National

Erfolgs-Trainer Manfred Wolke wird 65

Erfolge kann Manfred Wolke einige vorweisen, sowohl als aktiver Boxer, als auch als Trainer. Am heutigen Montag feiert der Ex-Trainer, der unter anderem Henry Maske zum Erfolg führte, seinen 65. Geburtstag.

Kerzen statt Schmerzen sind heute im Wolkecamp in Frankfurt/Oder angesagt, denn Besitzer Manfred Wolke feiert seinen 65. Geburtstag. Seit 50 Jahren steht Wolke nun schon im Boxring und kann auf eine glanzvolle Karriere zurückblicken: 1968 wurde der Jubilar Olympiasieger und ist inzwischen einer der namhaftesten Trainer der Welt.

Als Manfred Wolke im vergangenen Jahr seinen einstigen Schützling Henry Maske auf dessen Revanche-Kampf gegen Virgil Hill (USA) vorbereitete, stand der Coach noch einmal im Licht der Öffentlichkeit und hatte großen Anteil am überzeugenden Sieg von Maske, der zuvor zehn Jahre nicht mehr in den Ring gestiegen war.

Wolke: "'Hau drauf' ist mir zu wenig"

Derzeit betreut Wolke mit seinem Co-Trainer Rudi Fink fünf Boxer. "Das ist genug. Ich will den Jungs nicht nur die Rechte oder Linke beibringen. Ich will sie als Menschen verändern, fit für das Leben nach der Profikarriere machen. 'Hau drauf' ist mir zu wenig", so das Trainer-Urgestein.

Momentan befinden sich Danilo Häussler, Martin Kampf, Enad Licena, Rene Dettweiler und Artur Hain unter den Fittichen von Wolke. Ihr Mentor ist überzeugt: "Mindestens einen der Jungs mache ich noch zum Weltmeister." Am ehesten glaubt er an Cruisergewichtler Enad Licena.

Im Alter von 17 Jahren, während seiner Lehre zum Lokschlosser, begann Wolke in seiner Heimatstadt bei Motor Babelsberg ernsthaft mit dem Boxsport. Vorher hatte er lediglich als Schüler in bisschen trainiert. 1965 wechselte er zum Armeesportklub Vorwärts Berlin. Drei Jahre später folgte dann der große Triumph: Im olympischen Finale von Mexiko-Stadt besiegte der Weltergewichtler den Kameruner Joseph Bessala.

Harter Boxer mit weicher Seite

Doch Wolke kann nicht nur knallhart zuschlagen, er hat auch eine weiche Seite: "Meiner Brigitte verdanke ich alles, was ich bin. Meinen Olympiasieg, das Abitur, das Hochschul-Diplom und vor allem die Ordnung in meinem Leben", schwärmt der Trainer über die Mutter seiner drei längst erwachsenen Kinder Henryk (45), Babett (43) und Alexander (41).

Noch zu Zeiten der Nationalen Volksarmee finanziell gut gestellt, hat Wolke als Millionär inzwischen ausgesorgt.

Doch nicht in jeder Lebensphase gab es für Wolke lediglich Höhen: 1972 bot einen sportlichen Tiefpunkt. Der DDR-Fahnenträger musste bereits nach dem ersten olympischen Kampf in München die Segel streichen. Eine Augenbrauenverletzung beendete Wolkes Kampf gegen den späteren Olympiasieger Emilio Correa.

Als Sportler blieb Wolke das zweite Gold verwehrt, doch als Trainer konnte er sich weiter über das Edelmetall freuen. 1980 führte Wolke Rudi Fink zum Olympia-Sieg, 1988 betreute er Henry Maske bei dessen Triumph. Nicht ohne Genugtuung erzählt der Erfolgs-Coach: "Wir sind am 8. März 1990 ins kalte Wasser gesprungen, als wir mit Wilfried Sauerland einen Profivertrag unterschrieben. Viele haben gelächelt, dachten nach ein paar Wochen liegen die wieder auf der Straße."

Wolke führt Maske aus eigener Garage zum Erfolg

Doch auf dem ihren Weg zu zahlreichen Box-Titeln mussten die ehemaligen NVA-Offiziere Wolke und Maske mit den Widrigkeiten der Wende kämpfen. Im Osten galten sie als Verräter am Amateurboxen, flogen aus der ASK Boxhalle und mussten in Wolkes Garage trainieren. Im Westen spotteten Experten: "Maske wird ein Prügelknabe für die Profis." Wolke gibt zu, dass die Umstellung schwer war: "Zwischen Amateur- und Profiboxen liegen fünf Welten. Es sind andere Sportarten. Aber wir haben den Umstieg geschafft."

Manfred Wolke blickt mit Stolz auf seine Arbeit zurück: "In Deutschland gibt es wenig Boxtrainer, die ihren Athleten technisch, physisch und vor allem psychisch bis zur vollen Reife führen können. Ich kann das, ohne mich wäre auch ein begnadetes Talent wie Henry Maske nie zu dem großen deutschen Boxer geworden, den er heute darstellt."

© SID

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