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04.04.2006

18:19 Uhr

Boxen National

Ex-Box-Weltmeister Dagge erliegt Krebsleiden

Der ehemalige Box-Champion Eckhard Dagge ist im Alter von 58 Jahren in Hamburg gestorben. Er war der erste deutsche Weltmeister nach Max Schmeling und Trainer von Dariusz Michalczewski.

Der frühere Box-Weltmeister Eckhard Dagge ist tot. Der ehemalige WBC-Champion im Superweltergewicht erlag im Alter von 58 Jahren im Hamburg-Leuchtfeuer-Hospiz einem Krebsleiden.

Im Keller des Hamburger Szenelokals "Ritze" an der Reeperbahn, dessen Wirt Hanne Kleine sich bis zuletzt um Dagge gekümmert hatte, steht der Boxring, in dem Dagge trainierte. Noch immer hängen dort seine Meisterschaftsgürtel an der Wand. Dort legte er auch den Grundstein für seinen größten Erfolg. Am 17. Juni 1976 siegte er durch einen technischen K.o.-Sieg über Titelverteidiger Elisha Obed (Bahamas) und wurde als erster Deutscher nach Max Schmeling Weltmeister im Profiboxen. "Schmeling hat seinen Titel im Liegen gewonnen", meinte Dagge in Anspielung auf den Disqualifikationssieg des deutschen Boxidols 1930 gegen Jack Sharkey: "Ich immerhin im Stehen."

Der vom Berliner Gerhard "Bubi" Dieter trainierte Dagge verteidigte den Titel zweimal erfolgreich, bis er ihn am 6. August 1977 durch eine K.o.-Niederlage in Berlin an den Italiener Rocco Mattioli wieder verlor. Dagge beendet seine Karriere am 6. November 1981 nach einer t.K.o.-Niederlage gegen den Briten Brian Anderson in Kiel. Er gewann in seiner Laufbahn 26 Mal, verlor fünf Kämpfe und boxte einmal unentschieden.

Erster Profi-Trainer von Dariuz Michalczewski

Nach seiner aktiven Laufbahn war der in Probsteinhagen bei Kiel geborene Dagge als Trainer tätig. Er war 1991 der erste Profi-Coach von Dariusz Michalczewski bei der Hamburger Universum Box-Promotion, wo er auch Michael Löwe betreute. Den Berliner Mario Schießer führte er zur deutschen Schwergewichtsmeisterschaft. Dagge verfiel jedoch immer wieder dem Alkohol. Wegen Unregelmäßigkeiten im Trainingsbetrieb trennte sich Universum deshalb bereits Anfang 1994 von ihm. Den Aufstieg seines "Juwels" Michalczewski zum Champion konnte er nicht mehr als Coach begleiten.

Erste Erfahrungen im Faustkampf sammelte Dagge durch Raufereien in den Kneipen seines Heimatortes. "Kaufmannsgehilfe" lautete seine offizielle Berufsbezeichnung im bürgerlichen Leben, sein wahres Leben aber war das Boxen. Mit 20 kletterte er erstmals in einen Boxring.

Als Amateur war Dagge in 80 Kämpfen 66 Mal siegreich. Als er 1972 nicht für die Olympischen Spiele in München nominiert wurde, wechselte er kurzerhand ins Profilager. Bereits in seinem sechsten Profikampf wurde er deutscher Meister und gewann 1975 die Europameisterschaft.

© SID

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