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04.01.2005

06:59 Uhr

Bundesliga-Teams setzen auf Ausländer statt Talente

Deutschland fährt ohne Stars zur Handball-WM

VonHartmut Moheit (Handelsblatt)

Als gestern die Handball-Nationalspieler nach und nach in Konstanz eintrafen, hatte Heiner Brand zunächst nur eine Sorge: "Hoffentlich gibt es keine weiteren Verletzten." Für die am 23. Januar in Tunesien beginnende Weltmeisterschaft musste er zuvor schon auf die ihm verbliebenen Routiniers Daniel Stephan, Markus Baur, Hennig Fritz und Jan-Olaf Immel verzichten.

HB BERLIN. Und Stars Stefan Kretzschmar, Christian Schwarzer, Volker Zerbe und Klaus-Dieter Petersen sind nach dem Gewinn der Silbermedaille in Athen zurückgetreten. In der Bundesliga gibt es für sie kaum gleichwertigen Ersatz. Die erste Halbserie hat gezeigt, dass es Talente schwer haben, sich gegen die vielen ausländischen Stars durchzusetzen. "Die Situation mit den Ausländern auf wichtigen Positionen in den Klubs hat sich nicht geändert", sagt Heiner Brand dazu. Und nicht ein Wort mehr.

Einer von den wenigen, die es geschafft haben und nunmehr im WM-Team große Verantwortung tragen müssen, ist Christian Zeitz vom THW Kiel, der besten Mannschaft zur Saison-Halbzeit. Beim 34:31 gegen den TBV Lemgo unterstrich er das mit sechs Treffern. Die restlichen Tore warfen Schweden, ein Norweger und ein Slowene. Außer Zeitz zählt nur noch ein Kieler zum vorläufigen WM-Kader, Sebastian Preiß. Aber das Beispiel Kiel zeigt auch, was negativ für die Nationalmannschaft ist - Talente müssen hoch bezahlten Stars die Einsatzzeiten überlassen - ist gut für die Klubs. Dass es in dieser Saison eine derart hochklassig und spannende Meisterschaft gibt, in der nach 17 Spielen Kiel nur fünf Punkte vor der HSG Nordhorn liegt, die Fünfte ist, basiert auf dem Zulauf vieler Stars.

Die Lemgoer, vor zwei Jahren noch Meister, bestanden gegen diese Übermacht auch deshalb nicht, weil sie sich nicht adäquat verstärken konnten. Am vergangenen Mittwoch waren sie auch FlensburgHandewitt mit 29:31 unterlegen. Im vorläufigen WM-Aufgebot befindet sich kein Flensburger. Aber beide Mannschaften, Kiel und Flensburg, begeistern ihre Fans und stehen zudem auch im Viertelfinale der Champions League.

Die beste Mischung aus Top-Handballern anderer Länder und eigenen Talenten kann der Tabellendritte, der SC Magdeburg, aufweisen. Er spielt international jedoch nur im EHF-Cup. In Konstanz begrüßte Brand fünf Magdeburger. Am 8. Januar gegen die Schweiz sollen sie eine Chance bekommen.

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