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08.03.2016

16:29 Uhr

Claudia Pechstein vor BGH

„Ich will, dass die Gerechtigkeit siegt“

Eine Entscheidung ist noch nicht gefallen. Und dennoch deutet einiges auf einen Erfolg von Claudia Pechstein vor dem Bundesgerichthof hin. Sportrechtler hoffen auf eine Entscheidung zur Reformierung der Sportgerichte.

Sieben Jahre nach ihrer Doping-Sperre fordert die 44 Jahre alte Berlinerin weiterhin Schadenersatz in Höhe von fünf Millionen Euro vom Eislauf-Weltverband ISU. dpa

BGH verhandelt über Pechstein

Sieben Jahre nach ihrer Doping-Sperre fordert die 44 Jahre alte Berlinerin weiterhin Schadenersatz in Höhe von fünf Millionen Euro vom Eislauf-Weltverband ISU.

KarlsruheClaudia Pechstein wirkte nach dem vielleicht wichtigsten Tag ihrer Karriere optimistisch und auch etwas gelöst. „Ich habe ein gutes Gefühl. Und das Gefühl ist entscheidend auf dem Eis und abseits des Eises“, sagte die 44 Jahre alte Berlinerin nach der mehr als zweistündigen Verhandlung vor dem Bundesgerichtshof am Dienstag in Karlsruhe.

Der Kartellsenat hatte danach noch kein Urteil zur Revision des Eislauf-Weltverbandes (ISU) gegen das Urteil des Oberlandesgerichts München in der Schadenersatzklage der fünfmaligen Eisschnelllauf-Olympiasiegerin gesprochen. Wie Richterin und BGH-Präsidentin Bettina Limperg mitteilte, wird das Urteil am 7. Juni (09.00 Uhr) verkündet.

„Der Senat hat noch gar nichts rausgelassen, wohin er tendiert“, erklärte Prozessbeobachter und Sportrechtler Michael Lehner der Deutschen Presse-Agentur. Er habe weiter die Hoffnung, dass im Juni eine ganz große Entscheidung für die Sportgerichtsbarkeit gefällt werde.

Der ewige Dopingstreit der Claudia Pechstein

Streit

Auf dem Eis und vor den Gerichten ist Eisschnellläuferin Claudia Pechstein eine Langstrecken-Spezialistin. Das könnte sich jetzt auszahlen. In ihrem Dauerstreit mit dem Weltverband ISU deutet sich eine Wende an.

Quelle aller Informationen: sid

Was wurde entschieden?

Das Oberlandesgericht (OLG) München entschied, ob die Klage von Claudia Pechstein gegen den Eisschnelllauf-Weltverband ISU auf Schadenersatz über 4,4 Millionen Euro angenommen wird.

Wendepunkt

In der ersten Verhandlung am 6. November 2014 hatte der Richter bereits angedeutet, dass dies geschehen könnte. Damit ist im Verfahren ein Wendepunkt erreicht.

Folge

Nicht mehr Pechstein ist nun am Zug, sondern die ISU müsste Revision einlegen und vor den Bundesgerichtshof (BGH) ziehen. 

Was würde vor dem BGH entschieden?

Der BGH befindet, ob die Hauptsache wieder verhandelt wird - dann aber wiederum am OLG. Dabei würde das gesamte Verfahren neu aufgerollt werden.

Worum geht es inhaltlich?

Es ginge darum, ob Pechstein vor ihrer Sperre tatsächlich gedopt hat oder nicht. Auch wird entschieden, ob die Athletin Schmerzensgeld erhält.

Ist ein Vergleich möglich?

Ein Vergleich ist durchaus möglich, zumal Pechstein sich immer offen dafür gezeigt hat. Bislang war es stets die ISU, die eine außergerichtliche Einigung abgelehnt hat. Das könnte sich ändern, wenn eine neue Hauptverhandlung droht.

Was will Pechstein beweisen?

Pechstein will der ISU anhand von medizinischen Gutachten beweisen, dass ihre Blutwerte nicht wegen Dopings erhöht waren.

Welche Auswirkungen hat das Verfahren?

Eine große. Die Richter haben mehrfach die Schiedsgerichtsbarkeit und vor allem den Sportgerichtshof CAS als letzte Instanz scharf kritisiert. Ihnen missfällt die Monopolstellung der Verbände bezüglich der Athletenvereinbarungen sowie bei der Nominierung der CAS-Richter.

Können nun auch andere Sportler klagen?

Im Fall Pechstein erklärte bereits das Landgericht die Athletenvereinbarung für unwirksam. Andere Sportler können sich bei möglichen Klagen auf dieses Urteil berufen.

Droht nun Chaos im internationalen Sport?

Der deutsche Sport und die deutsche Gerichtsbarkeit haben bereits reagiert. Im neuen Anti-Doping-Gesetz wurde ein Passus eingeführt, wonach Sportler die Sportgerichtsbarkeit akzeptieren müssen.

Das denkt der Innenminister

Innenminister Thomas de Maizière glaubt, dass die Schiedsgerichtsbarkeit damit rechtlich abgesichert ist. Pechstein kündigte jedoch bereits an, eventuell auch dagegen juristisch vorgehen zu wollen.

Die „größeren Argumente“ habe es für die Pechstein-Seite gegeben, fügte der Heidelberger hinzu. Pechstein behauptet, nie gedopt zu haben und kämpft mit ihrer Schadenersatzklage über fünf Millionen Euro gegen ihre Zwei-Jahres-Sperre durch die ISU und die Wiederherstellung ihres ramponierten Rufes. „Die Präsidentin hat einen Super-Job gemacht“, lobte Pechstein, die in Uniform der Polizeihauptmeisterin der Bundespolizei vor Gericht erschienen war.

Sie habe in der Vergangenheit Ausdauer bewiesen und werde das auch weiter tun. „Mein Ziel ist ganz klar. Ich will, dass die Gerechtigkeit siegt.“ Davon könnten dann auch andere Sportler profitieren, da ihnen im Falle ihres Sieges vor dem BGH künftig die Wahl-Möglichkeit zwischen Sportschieds- und Zivilgerichten offen stehe, erklärte Pechstein.

Sportrechtler Lehner sah wichtige Argumente pro Pechstein auch im Vortrag des Vertreters des Bundeskartellamts vor Gericht. Jörg Nothdurft, Abteilungsleiter Recht im Kartellamt, erläuterte zwar die Vorteile der Schiedsgerichte wie die Beschleunigung der Verfahren und die Konzentration der Zuständigkeiten.

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