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04.01.2005

15:05 Uhr

Das Land im Wintersport Erfolge feiern

Chinesische Skispringer: 30 von 1,3 Milliarden

VonBenedikt Voigt (Handelsblatt)

In China gibt es nur wenige Skispringer, doch mittelfristig will das Land auch im Wintersport Erfolge feiern.

HB INNSBRUCK. Die Nationalhymne ertönt, ihre ersten Zeilen lauten: "Steht auf! Nicht länger Sklaven mehr! Die große Mauer neu erbaut." Eine rote Fahne wird hochgezogen, und der 26-jährige Zhandong Tian aus der Volksrepublik China bekommt eine Goldmedaille umgehängt. Sieht so die Siegerehrung im Skispringen bei den Olympischen Winterspielen 2010 in Vancouver aus? Heinz Koch, Trainer der chinesischen Skispringer, muss lachen. "Einen Olympiasieg haben schon ganz andere nicht geschafft." Bei den Sommerspielen 2004 war diese Szene sehr real. 32 Mal gewannen chinesische Athleten Gold. Dank eines Staatsplanes für die Olympischen Spiele 2008 in Peking feierte China sogar Erfolge in Sportarten wie Schwimmen oder Leichtathletik, in denen das Land bisher keine Rolle gespielt hat.

Zum zweiten Mal in Folge versuchen sich drei chinesische Skispringer bei der Vierschanzentournee. Entwickelt sich China auch im Winter zu einer Sportnation? "In Freestyle und Langlaufen sind sie schon weiter, im Skispringen benötigen sie noch einige Zeit", sagt Walter Hofer, Renndirektor des Internationalen Skiverbandes (FIS). Zumal das Projekt in dieser Saison beinahe an der Finanzierung gescheitert wäre. Der österreichische Computerhersteller Gericom und eine Managementfirma, die im letzten Jahr die chinesischen Skispringer sponserten, hatten sich im Sommer zerstritten. Nun unterstützt der Computerhersteller die Chinesen mit 30 000 Euro, der chinesische Verband gibt ebenfalls 30 000 Euro.

Durch die Planungsunsicherheit kehrten Chengbo Li, Yang Li, Jianxun Wang und Zhandong Tian erst im November nach Stams in Österreich zurück, wo sie die Trainingseinrichtungen des örtlichen Skigymnasiums benutzen. In China gibt es nur rund 30 Skispringer. In der Nähe von Peking hat Koch Skiwiesen gesehen, auf denen sich Frauen mit Handtaschen und Männer mit Hüten erstmals im Skifahren versuchten. Er vertritt nun den chinesischen Skiverband als Ein-Mann-Team in Europa und sieht eine gute Zukunft für seinen Job. "Heutzutage sind Beziehungen nach China für die Wirtschaft sehr interessant", sagt Koch, "und Kontakte zum Skiverband bedeuten in China auch gute Beziehungen nach oben."

In Oberstdorf stellte sich sogar ein erster sportlicher Erfolg ein. Zhandong Tian qualifizierte sich als erster Chinese für ein Weltcupspringen. Er landete als 48. sogar vor Martin Schmitt. Eigentlich starten die Chinesen aber nur im Kontinentalcup, der zweiten Liga des Skispringens. "Für den Weltcup stimmt die Leistung noch nicht, die Vierschanzentournee machen wir nur für den Sponsor", sagt Koch. Noch.

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