Handelsblatt

MenüZurück
Wird geladen.

28.01.2011

09:43 Uhr

Debakel bei Handball-WM

Ausge-Brand

VonPatrick Kleinmann

Die deutschen Handballer haben in Schweden so schlecht abgeschnitten wie nie zuvor in der WM-Historie. Die direkte Qualifikation für die Olympia 2012 wurde verpasst, dem Team fehlen Führungsspieler und Unterstützung. Und Ausnahmetrainer Heiner Brand? Der ist mit seinem Latein am Ende - und wohl auch mit dem DHB.

Vor dem Abschied: DHB-Trainer Heiner Brand. dpa

Vor dem Abschied: DHB-Trainer Heiner Brand.

JÖNKÖPING. "Wenn nicht jetzt, wann dann?" - bei der Heim-Weltmeisterschaft 2007 war der eigentlich ziemlich furchtbare Song der Kölner Karnevalsband "Höhner" für die deutschen Handball-Nationalmannschaft Programm und am Ende des Wintermärchens mit dem überraschenden Titelgewinn auch Erfüllung. Vier Jahre später hat das Lied wieder einen aktuellen Bezug - denn wenn sich jetzt nichts tut, wird der deutsche Handball über Jahre im Mittelmaß versinken.

Der Auftritt am Dienstag gegen die international zweitklassigen und in der Zwischenrunde zuvor punktlosen Norweger verkam für die DHB-Auswahl zum finalen Armutszeugnis. Lustlos, unkonzentriert und ohne die in der Abwehr zwingend nötige Aggressivität trat das Team von Bundestrainer Heiner Brand auf - und das in einem Spiel, in dem die Teilnahme an einem der Qualifikationsturniere für die Olympischen Spiele 2012 in London möglich gewesen wäre.

Das 25:35 markiert den Tiefpunkt einer Entwicklung im deutschen Handball, die seit dem überraschenden Titelgewinn bei der Heim-WM vor vier Jahren konsequent in Richtung Mittelmaß geht. Sieger 2007, Vierter bei der EM 2008, Vorrunden-Aus bei den Olympischen Spielen im selben Jahr, Fünfter bei der WM 2009 und Zehnter bei der EM im vergangenen Jahr - das schwache Abschneiden in Schweden ist kein Ausrutscher, sondern eine Konsequenz. Das quälende Platzierungsspiel gegen Argentinien (40:35, nach zweimaliger Verlängerung) ist zur Nebensache verkommen.

Bereits seit Jahren prangert Heiner Brand das größte Problem des deutschen Handballs an: In der mit Weltstars gespickten Bundesliga ist zu wenig Platz für die jungen deutschen Talente. Auf die Forderung einer Quote für den eigenen Nachwuchs reagierten die Verantwortlichen der Spitzenklubs mit Polemik und vor allem mit Ablehnung. Spätestens jetzt sind sie zum Umdenken gezwungen, denn eins ist klar: Ohne ein starkes Aushängeschild Nationalmannschaft werden auch die Vereinsmannschaften Probleme bekommen, neue Fans generieren sich zu einem großen Teil über die Auftritte der DHB-Auswahl und nicht wegen eines Livespiels zwischen Balingen-Weilstetten und der HSG Ahlen-Hamm auf Sport1. Insofern hat die Entwicklung Ähnlichkeit mit dem englischen Fußball: im Verein hui, die Nationalmannschaft pfui.

Dabei hat der deutsche Handball eigentlich kein Nachwuchsproblem: 2009 wurde die U21 Weltmeister, zwei Jahre zuvor immerhin Zweiter - bis auf den im Laufe des Turniers nachnominierten Patrick Groetzki schaffte es aber keiner der Titelträger in den Senioren-Kader.

Direkt vom Startbildschirm zu Handelsblatt.com

Auf tippen, dann auf „Zum Home-Bildschirm“ hinzufügen.

Auf tippen, dann „Zum Startbildschirm“ hinzufügen.

×