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13.04.2006

11:46 Uhr

DEL-Finale

Gebrüll unter guten Freunden

VonDaniel Stolpe

Ab heute spielen Berlin und das wieder erstarkte Düsseldorf um die Deutsche Eishockey-Meisterschaft. Ginge es nach Wahrscheinlichkeiten, dürfte der Sieger wohl Berlin heißen. Doch Düsseldorf hat das Eishockey-Fieber gepackt.

Das Jubeln haben die Düsseldorfer im Halbfinale schon mal geübt. Foto: dpa

Das Jubeln haben die Düsseldorfer im Halbfinale schon mal geübt. Foto: dpa

DÜSSELDORF. Lange Schlangen allenthalben. Am Montag tauchten sie in Düsseldorf unvermittelt an den erstaunlichsten Ecken auf: Vor Kiosken, Reisebüros, Platten- und Tabakläden standen Hunderte Menschen. Ihr Ziel: Eintrittskarten für die Endspiele um die Deutsche Eishockey-Meisterschaft zu ergattern. Glück hatten nur wenige. Um 16 Uhr startete der Vorverkauf, Minuten später waren alle Tickets weg.

Erstmals seit zehn Jahren stehen die DEG Metro Stars wieder in einem Play-off-Finale der Deutschen Eishockey-Liga DEL. Das verdanken die Rheinländer unter anderem ihrer Nummer 37, dem Stürmer Tore Vikingstadt. Der 30-jährige Norweger, von der Fachzeitung „Eishockey News“ zum Spieler des Jahres ernannt, versetzt in diesen Tagen mit seiner Mannschaft erwachsene Männer (und Frauen) in kindliche Verzückung.

Einen großen Anteil am Düsseldorfer Erfolg hat aber auch Trainer Don Jackson. Dass er mit seinem Team das Finale erreichte, hat einen besonderen Reiz, war er in der vergangenen Saison noch Co-Trainer beim Titelverteidiger, den Berliner Eisbären. Heute stehen sich beide Teams im Finale gegenüber – der Lehrmeister spielt gegen seinen Schüler. Der Titel wird „unter Freunden bleiben“, sagt Eisbären-Trainer Pagé. Es erfülle ihn „mit ehrlicher Freude“, dass mit Jackson ausgerechnet sein Assistent nun als Chef an der Bande der DEG steht.

Während Jackson hofft, dass er sein Detailwissen um Stärken und Schwächen der Berliner ausnutzen kann, geht Pagé vom Gegenteil aus. „Es hat sich einiges verändert“, sagt der 57-Jährige, außerdem gebe es noch genügend taktische Finessen, mit denen er seinen Lehrling von einst zu überraschen gedenke. Von den vier Vorrundenpartien konnte jede Seite je zwei für sich entscheiden. Nun kann es nur einen Sieger geben. Bei aller Freundschaft.

Ginge es nach Wahrscheinlichkeiten, dürfte der Sieger wohl Berlin heißen. Selbst Düsseldorfs Manager Lance Nethery sieht sein Team nur als „Außenseiter“. Denn der Klub aus dem Ostteil Berlins verlor von den 20 Play-off-Spielen in dieser und letzter Saison nur drei. Ein weiterer Nachteil für die DEG ist, dass Berlin nach drei Siegen im Halbfinale gegen Hannover acht Tage Zeit zur Regeneration hatte, während Düsseldorfs personell ohnehin dünn besetzter Kader gegen Köln in fünf Spielen um den Finaleinzug stritt. Berlins Tabellenführung nach der Vorrunde ist bestenfalls ein gefühlter Vorteil. In elf Jahren DEL reichte die Pole Position nur zwei Mal zum Titelgewinn: 1997 und 2001 den Adlern aus Mannheim. Berlin scheiterte zweimal als Erster im Finale, den Titel gewannen sie im Vorjahr als Zweiter der Vorrunde.

DEG-Manager Nethery blickt nach vorne, denn „Stillstand bedeutet Rückschritt.“ Und ein Schritt zurück weckt Erinnerungen an die schlimmen jüngeren Zeiten bei der ruhmreichen DEG: Nachdem die DEG von 1990 bis 1993 und 1996 die Meisterschaft gewonnen hatte, brach der Verein unter einer enormen Schuldenlast zusammen und verließ die DEL freiwillig in die 2. Liga. In der vergangenen Saison verpasste die DEG noch als Zehnter das Play-off – was Geschäftsführer Elmar Schmellenkamp veranlasste, mit Nethery einen Manager zu verpflichten, der schon Mannheim, Köln und Frankfurt zu Meisterehren verholfen hatte.

Der Erfolg gibt ihm Recht: Deshalb sagt Schmellenkamp schon jetzt mit reichlich Pathos: „Das vergammelte Aushängeschild DEG liegt nicht mehr im Dreck.“

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