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08.02.2005

07:03 Uhr

Der Bestechungsversuch bei Torwart Georg Koch zeigt: Der Wettskandal weitet sich aus

Ein unmoralisches Angebot

VonBenedikt Voigt

Ausgerechnet am Rosenmontag musste Georg Koch ein Straftraining absolvieren. Karneval feiern könnten die Spieler des MSV Duisburg noch in 30 Jahren, hatte sein Trainer nach dem 1:4 verlorenen Zweitligaspiel in Saarbrücken gesagt und eine Extraschicht angeordnet.

BERLIN. Für Georg Koch bedeutete dies, dass er mit seinen Kindern einen Tag vorher in den Karneval ziehen musste. Seine Verkleidung passte irgendwie gut zu den Schlagzeilen, mit denen er zurzeit in den Zeitungen auftaucht. Georg Koch ging als Pfarrer. Zuvor hatte er noch selber gebeichtet.

Der 35-Jährige erzählte dem Deutschen Fußball-Bund, dass ihm vor dem letzten Zweitligaspiel der vergangenen Saison ein Unbekannter telefonisch 20 000 Euro geboten hat, wenn er im Spiel gegen Jahn Regensburg zwei Gegentore zulasse. Zudem sei er am Telefon mit den Worten "Halt bloß die Klappe, sonst passiert dir was" bedroht worden, wenn er den Betrugsversuch öffentlich machen sollte. Koch, der damals für Energie Cottbus spielte, weigerte sich, sich auf den Deal einzulassen. Damit eskaliert der Skandal um manipulierte Fußballspiele immer weiter.

Bislang drehte sich der Wettskandal um einen geständigen Schiedsrichter mit Namen Robert Hoyzer und dessen noch nicht bewiesene Anschuldigungen. Und um zwei Siegprämien für die Vereine SC Paderborn und Dynamo Dresden, über deren Sinn oder Unsinn debattiert werden kann. "Wenn mir jemand 100 000 Euro bietet, damit ich gewinne, finde ich nichts Ehrenrühriges daran", sagt Dieter Krein, Präsident von Energie Cottbus. Nun aber ist einem Spieler ein Angebot gemacht worden, ein Spiel absichtlich zu verlieren. Das lässt Schlimmeres vermuten. "Ich gehe davon aus, dass mehrere Spieler solche Angebote bekommen haben", sagte Georg Koch der "Abendzeitung" in München. "Ich bin der Erste, der an die Öffentlichkeit gegangen ist, ich hoffe, meine Kollegen haben jetzt den Mut, das auch zu tun." Der ehemalige Cottbuser Trainer Eduard Geyer sagt: "Grundsätzlich hätte ich nie gedacht, dass ein Spieler an irgendetwas beteiligt ist."

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