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11.01.2005

08:40 Uhr

Der türkische Großunternehmer Saran steigt beim BVB ein

Kampfjets, Micky Maus und Borussia Dortmund

VonThomas Seibert (Handelsblatt)

Die Woche begann gut für Borussia Dortmund. Über Wochen und Monate hatte die Aktie des ersten und einzigen börsennotierten Klubs der Fußball-Bundesliga an Wert verloren. Dann kam die Nachricht, der türkische Unternehmer Sadettin Saran habe BVB-Aktien im Wert von vier Millionen Euro erworben - und schon erholte sich das Papier wieder.

ISTANBUL. Nach hohen Umsätzen an der Frankfurter Börse stieg der Kurs der Dortmunder Aktie von 1,87 Euro auf über 2 Euro. So einen erfolgreichen Tag haben sie in der Geschäftsstelle der Borussia am Westfalenstadion lange nicht erlebt.

Sadettin Saran ist einer der mächtigsten Männer im türkischen Sport. Der studierte MaschinenbauIngenieur ist Chef eines großen Mischkonzerns, der in der Rüstungsindustrie ebenso aktiv ist wie im Unterhaltungssektor. Der in den USA geborene Saran hat den Dortmundern versprochen, er könne beim Kauf türkischer Spieler behilflich sein. Der Mann weiß, wovon er spricht, denn zu seinem Imperium gehört auch ein Unternehmen, das sich um das Management von Spitzensportlern kümmert.

Ein paar Jahre gehörte Saran auch dem Vorstand von Fenerbahce Istanbul an. Er organisierte den Transfer des ukrainischen Stürmers Sergej Rebrow vom Premier-League-Klub Tottenham Hotspur nach Istanbul und arbeitete auch mit den deutschen Trainern Christoph Daum und Werner Lorant zusammen. Im Juni 2003 aber überwarf Saran sich mit Vereinschef Aziz Yildirim und verließ den Traditionsklub. Derzeit organisiert Sarans Unternehmen ein internationales Turnier in Antalya - auch Borussia Dortmund nimmt daran teil.

Die "Saran Group" stellt unter anderem Kinderkleidung mit DisneyMotiven und chemische Produkte her, ist in der Werbebranche tätig und fungiert außerdem als TürkeiVertreter internationaler Rüstungskonzerne wie Lockheed und Raytheon. Auch an der Vermarktung von Sportereignissen und der Synchronisierung amerikanischer Filme für den türkischen DVD-Markt wirkt Saran mit.

Sollte Sarans Beteiligung an Borussia Dortmund der Beginn eines langfristiges Engagements sein, würde der Unternehmer tatsächlich Sportgeschichte schreiben. Türkische Klubs kaufen zwar seit Jahren Spieler und Trainer aus dem Ausland, doch wenn türkische Spieler und Trainer zu west- oder südeuropäischen Vereinen wechseln, werden meistens nur kurze und relativ erfolglose Abstecher daraus. Jüngstes Beispiel dafür war das ruhmlose Gastspiel des türkischen Nationaltorhüters Rüstü Recber in Barcelona.

Da ist es für das nationale Selbstbewusstsein von nicht zu unterschätzendem Wert, dass sich ausgerechnet ein türkischer Unternehmer anschickt, einen der populärsten Klubs Europas zu retten.

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