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24.04.2015

21:02 Uhr

Der Werber-Rat

Kräftig in die Pedale treten

VonRaphael Brinkert

Der einst so geliebte Radsport fuhr jahrelang unter dem Radar der Öffentlichkeit. Keine nationalen Helden, keine Fernsehübertragungen in ARD und ZDF. Dabei bietet der beliebte Sport jede Menge Vermarktungschancen.

Lange war Lance Armstrong eine Identifikationsfigur im Radsport. Stets hatte er Dopingvorwürfe abgestritten, letztlich gab er doch irgendwann zu, betrogen zu haben. Das Vertrauensverhältnis im Sport war entscheidend gestört. dpa

Lance Armstrong

Lange war Lance Armstrong eine Identifikationsfigur im Radsport. Stets hatte er Dopingvorwürfe abgestritten, letztlich gab er doch irgendwann zu, betrogen zu haben. Das Vertrauensverhältnis im Sport war entscheidend gestört.

Man gewinnt den Klassiker überhaupt in seiner Sportart. Und kaum jemand merkt es. So dürfte sich der deutsche Radsportler John Degenkolb nach seinem Triumph auf der prestigeträchtigen Strecke „Paris-Roubaix“ vor knapp zwei Wochen gefühlt haben. Schade!

Paris-Roubaix gewannen nicht einmal Jan Ullrich oder Eric Zabel, die Aushängeschilder des Sports um die Jahrtausendwende, aber auch Sinnbild des Untergangs durch die Doping-Fälle waren. Der Sport verlor mit Zabel und Ullrich nicht nur seine nationalen Helden, sondern mit dem Doping-Geständnis von Lance Armstrong auch die letzte Glaubwürdigkeit.

Mit dem Verlust der Glaubwürdigkeit und einem katastrophalen Imageschaden waren der Radsport und sein Premium-Produkt „Tour de France“ sowohl für Sponsoren als auch Medienpartner nicht mehr tragbar. Das Team T-Mobile – das lange als verkappte Nationalmannschaft galt – verließ den Profiradsport 2007, die ARD und ZDF kehrten der Tour de France 2011 den Rücken. Der tiefe Fall einer einst geliebten Sportart.

Raphael Brinkert ist Mitinhaber der Agentur Jung von Matt/Sports.

Raphael Brinkert ist Mitinhaber der Agentur Jung von Matt/Sports.

In ihren Glanzzeiten verfolgten knapp zehn Millionen Zuschauer das Duell Armstrong versus Ullrich am Fernseher. Zudem gilt: Nicht „König Fußball“, sondern Radfahren ist die beliebteste Sportart der Deutschen. 35 Millionen Bundesbürger nutzen aktiv ihr Fahrrad, 4,7 Millionen interessieren sich stark für den Sport. Dieses schlummernde Potenzial in Kombination mit einem einzigartigen Co-Branding, das die enge Verbindung von Partner-Rennställen und den Athleten umfasst, bietet für Sponsoren tatsächlich große Vermarktungschancen. Doch dies erfordert eine bewusste Entscheidung zu einer kontroversen Sportart – und somit Kompromisslosigkeit. Ein Beispiel dafür ist das Newcomer-Team Giant-Alpecin – das erste deutsche Profiteam nach fünf Jahren Abstinenz. Dabei wird ein proaktiver Umgang mit dem Thema Doping gewählt, der bereits im Claim der Marke Alpecin manifestiert ist: „Doping für die Haare. Nur für die Haare“.

Die Talsohle ist nun durchschritten. In diesem Jahr werden ARD und ZDF erstmals wieder die Tour de France übertragen, mit einer neuen Generation von deutschen Radsportlern sitzen skandalbefreite Gesichter auf dem Sattel.

Der Autor: Raphael Brinkert ist Mitinhaber der Agentur Jung von Matt/Sports.

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