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14.01.2005

13:46 Uhr

Deutscher Torhüter verliert Machtkampf gegen Trainer Wenger

Kaum noch Chancen für Lehmann bei Arsenal

Vor zwei Monaten noch träumte Jens Lehmann davon, im kommenden Jahr als Nummer 1 mit der deutschen Nationalmannschaft im eigenen Land Weltmeister zu werden. Nun droht ihm ein Stammplatz auf der Tribüne. Denn den Machtkampf mit seinem Vereinstrainer Arsène Wenger beim englischen Premier-League-Club FC Arsenal hat Lehmann wohl endgültig verloren.

HB LONDON. "Ausgestoßen!" titelte am Freitag die Boulevardzeitung "The Sun" und vermeldete: "Lehmann wird nie wieder für Arsenal ein Ligaspiel bestreiten." Im Sommer solle der 35-Jährige verkauft werden. Falls er, wie bislang angekündigt, darauf beharrt, seinen Vertrag bis 2006 zu erfüllen, bliebe ihm nur noch der Platz auf der Tribüne. Und auch die Fußball-WM würde Lehmann nur als Zuschauer erleben. Denn Bundestrainer Jürgen Klinsmann hat diese Woche klar gemacht: Nur als Stammtorwart im Verein hat er eine Chance in der Nationalmannschaft.

Das Aus beim englischen Meister kam plötzlich und unerwartet. Vergangene Saison schaffte Lehmann mit dem FC Arsenal, was vorher noch keinem Verein gelang: eine komplette Saison mit 38 Ligaspielen ungeschlagen durchzustehen. Als dann auch noch der neue Bundestrainer Klinsmann den Kampf im Tor der Nationalmannschaft für offen erklärte, schien Lehmanns Welt rundum in Ordnung - bis zum 28. November 2004. An jenem Tag leitete der 2:1-Siegtreffer von Liverpools Neil Mellor aus 23 Metern in der Schlussminute Lehmanns Ende als Stammtorwart ein. Zwölf Spiele in Serie nicht mehr "zu Null" - Wenger entschied sich für einen Torwartwechsel. Nach anfänglichen Unsicherheiten hat sich Lehmanns Rivale Manuel Almunia mittlerweile als sicherer Rückhalt erwiesen.

In sämtlichen wichtigen Statistiken liegt der spanische Keeper vorn: 80 % aller Schüsse auf sein Tor wehrte er ab, nur Chelseas Cech ist besser. Lehmann rangiert mit nur 62 % abgeschlagen auf Platz 23. Almunia musste im Schnitt bloß alle 144 Minuten hinter sich greifen, Lehmann kassierte zuletzt alle 55 Minuten ein Gegentor.

Als sich der Deutsche zu Beginn der Woche wagte, seinen Trainer öffentlich zu attackieren und ihm vorwarf, seinen Rausschmiss provozieren zu wollen, kündigte sich das endgültige Aus an. Vor allem seine Frage "Entschuldigung, aber was habe ich falsch gemacht?" beantwortete die englische Boulevardpresse hämisch. Genüsslich listeten die Blätter jeden Lehmann-Patzer auf: "Wie erklärst Du diese Gegentore, Jens?", spottete der "Mirror". Die "Daily Mail" druckte Fotos der Lehmann-Aussetzer und höhnte: "Einige der Fehler, die Jens nicht machte..."

Dem "verwirrten Lehmann" ("Mirror") bleibt offenbar nur noch eine Hoffnung, will er seinen WM-Traum nicht vorzeitig begraben: ein Vereinswechsel. "Egal ob in der Premier League, in der Bundesliga, in Italien, Spanien oder Frankreich", wie Klinsmann vorschlug.

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