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24.01.2005

09:15 Uhr

DFB und Vereine prüfen Folgen des Skandals um Schiedsrichter Hoyzer

Fußball wird zum Glücksspiel

VonA. Görke (R. Ide, M. Rosentritt und F. Teuffel)

Schiedsrichter Robert Hoyzer soll Spiele manipuliert haben, um Geld zu gewinnen. Der DFB und Vereine - allen voran der Hamburger SV - prüfen die Folgen.

Hamburgs Sergej Barbarez (li.) diskutiert während des Pokalspiels in Paderborn mit Schiedsrichter Robert Hoyzer. Foto: dpa

Hamburgs Sergej Barbarez (li.) diskutiert während des Pokalspiels in Paderborn mit Schiedsrichter Robert Hoyzer. Foto: dpa

BERLIN. Ein 25 Jahre alter Student hat den deutschen Fußball in große Turbulenzen gestürzt. Der Schiedsrichter Robert Hoyzer soll auf den Ausgang mehrerer Spiele gewettet und sie dann mit falschen Entscheidungen manipuliert haben. Während Hoyzer auch gestern für eine Stellungnahme nicht zu erreichen war, besprachen der Deutsche Fußball-Bund (DFB) und betroffene Vereine intensiv den Fall und die Folgen. Bisher geht es vor allem um das Pokalspiel am 21. August 2004, das der SC Paderborn nach 0:2-Rückstand noch 4:2 gegen den Hamburger SV gewann. Hoyzer hatte in diesem Spiel Paderborn zwei fragwürdige Foulelfmeter zugesprochen. Eine Wiederholung des Spiels ist jedoch nicht möglich. "Die Einspruchsfristen sind vorbei", sagt DFB-Sprecher Harald Stenger. "Der Wettbewerb wird fortgesetzt." Das wäre auch der Fall bei einem möglicherweise manipulierten Ligaspiel, das ein halbes Jahr zurückliege.

Der DFB hatte das Pokalspiel schon nach ersten Vorwürfen auf seinen rechtmäßigen Verlauf untersucht, aber keine Verfehlungen feststellen können. "Jetzt gibt es Zeugen", sagt Stenger. Das DFB-Präsidium wird alle von Hoyzer geleiteten Spiele noch einmal prüfen. Von einer Klage des Hamburger SV gegen den DFB, der die Schiedsrichter einsetzt, geht der Verband nicht aus. "Im Normalfall ist unser Schiedsgericht die letzte Instanz für Streitfälle", sagt strenger. Der HSV sieht durch die mutmaßliche Manipulation im Pokal-Erstrundenspiel den nachfolgenden Saisonverlauf beeinträchtigt. "Kein Mensch weiß, wie die Saison verlaufen wäre, wenn wir das Spiel in Paderborn ganz regulär gewonnen hätten", sagte Bernd Hoffmann. Der Vorstandsvorsitzende des HSV sagte dem Tagesspiegel: "Dass uns dadurch großer Schaden entstanden ist, steht außer Frage." Derzeit lässt der HSV den Sachverhalt juristisch prüfen. Für den Fall, dass sich die Vorwürfe gegen Hoyzer erhärten, "gibt es einen ganzen Strauß möglicher, juristischer Nachspiele", sagt Hoffmann. Eine genaue Höhe möglicher finanzieller Entschädigungen für den HSV ließe sich noch nicht beziffern. "Das Minimum sind die Einnahmen der nächsten Pokalrunde", sagt Hoffmann, doch "der Schaden für den deutschen Fußball ist weitaus größer."

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