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22.12.2015

19:50 Uhr

Die zweite Halbzeit

Das Leben nach dem Sport

VonKathrin Witsch

Einmal die Goldmedaille gewinnen, Interviews geben, im Rampenlicht stehen – davon träumen viele Sportler. Doch gerade bei Randsportarten lautet die Devise: Vom Treppchen ins Büroleben sind es meist nur wenige Stufen.

Der zweifache Olympia-Sieger Moritz Fürste spielt nicht nur Hockey, sondern arbeitet auch als „Direktor Sportmarketing“ für die Agenturgruppe Thjnk. dpa

EuroHockey 2013

Der zweifache Olympia-Sieger Moritz Fürste spielt nicht nur Hockey, sondern arbeitet auch als „Direktor Sportmarketing“ für die Agenturgruppe Thjnk.

DüsseldorfAn seinen härtesten Tagen stand Moritz Fürste schon um halb sieben Uhr morgens auf. Dann ging es auf den Platz, zwei Stunden Training, danach ins Büro. Von zehn bis halb sieben. Anschließend wieder zum Training. Bis halb elf, wenn das Licht in der Sporthalle ausgeht. Der 15-Stunden-Tag ist zu Ende.

Moritz Fürste ist Profi-Sportler. Der 30-Jährige Hockeyspieler hat fast alles gewonnen, was es zu gewinnen gibt. Er ist zweifacher Olympiasieger und dreifacher Welt- und Europameister. Seit Juli dieses Jahres ist er außerdem der „Direktor Sportmarketing“ bei der Agenturgruppe Thjnk. „Es war für mich von Anfang an klar, dass Hockey kein Sport ist, von dem man seine Rente finanzieren kann.“ Statt nur auf die Wettkämpfe zu setzen, hat Fürste sich per dualem Studium schon während seiner aktiven Sportlerzeit auf die Karriere nach der Karriere vorbereitet.

Athleten wie Fürste sind Teil einer Trendwende: Immer mehr setzen neben ihrer aktiven Sportler-Karriere auf ein zweites Standbein. Auch Unternehmen erkennen mittlerweile, wie wertvoll Athleten für sie sein können. Das will die Wirtschaft für sich nutzen: Es gibt nicht nur Studien über das Phänomen, sogar ein eigener Studiengang ist in diesem Jahr für Leistungssportler gestartet.

Sport: Die beliebtesten Aktivitäten der Deutschen

Platz 10

Handball: 10 Prozent (2013: 10,4 Prozent)

Quelle: Allensbach-Umfrage 2014 (Anteil der Befragten, der ganz besonders interessiert ist)

Platz 9

Schwimmen: 10,3 Prozent (2013: 10,4 Prozent)

Platz 8

Ski Alpin: 10,5 Prozent (2013: 10,5 Prozent)

Platz 7

Biathlon: 12,1 Prozent (2013: 12,7 Prozent)

Platz 6

Tanzen: 12,5 Prozent (2013: 12,5 Prozent)

Platz 5

Leichtathletik: 12,6 Prozent (2013: 12,5 Prozent)

Platz 4

Skispringen: 12,8 Prozent (2013: 12,8 Prozent)

Platz 3

Automobilrennsport: 15,2 Prozent (2013: 15,8 Prozent)

Platz 2

Boxen: 16,0 Prozent (2013: 16,7 Prozent)

Platz 1

Fußball: 34,6 Prozent (2013: 34,5 Prozent)

Den Weg des „dualen Studiums“, wie Moritz Fürste ihn gegangen ist, empfiehlt Wirtschaftsprofessor Sascha Schmidt von der Otto Beisheim School of Management (WHU) als „Königspfad“. In seiner Studie „Kollege Spitzensportler“ wurden rund 1000 deutsche Sportprofis, die von der Deutschen Sporthilfe gefördert werden, nach ihrer Selbsteinschätzung und ihren Berufsplänen befragt. Laut der Studie sind knapp 30 Prozent der Befragten „Meister aller Klassen“ und damit überdurchschnittlich leistungsorientiert, diszipliniert und besonders gut als Führungskraft im Management geeignet.

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Zum Leben reichen Lohn und Preisgelder eher selten. Das gilt besonders für Randsportarten. Beachvolleyballer Jonas Reckermann sagte nach seinem sensationellen Olympiasieg in London vor zwei Jahren: „Heute holt man die Goldmedaille und wird weltweit gefeiert, morgen kommen noch einige Interviewanfragen und Fernsehauftritte, aber übermorgen ist alles vorbei.“

Ob Eishockeytalent Olaf Brüll bei dem Veranstalter Anschutz Entertainment Group, Judoka Ole Bischoff bei der Beratungsgesellschaft Pricewaterhouse Coopers oder Schwimmer Thomas Lurz bei Moderiese S.Oliver: Die Liste an nachweisbar erfolgreichen Sportlern, die zu Unternehmen wechseln, ist lang.

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