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13.06.2011

14:29 Uhr

Dirk Nowitzki

„Das Team hat mich getragen“

Als die Schlusssirene schrillte, trat Dirk Nowitzki die Flucht an. Den Moment seines größten Triumphes verbrachte er allein – dann widmete er ihn seinem Team. Sich selbst gönnte er nur eine kurze Jubelgeste.

Nowitzki mit seiner Auszeichung als "Most Valuable Player" - dem Pokal für den besten Spieler des Teams. Quelle: Reuters

Nowitzki mit seiner Auszeichung als "Most Valuable Player" - dem Pokal für den besten Spieler des Teams.

Berlin/Miami Ohne eine Hand zu schütteln, ohne auch nur einem Teamkollegen in die Augen gesehen zu haben, kletterte der 2,13-Riese über die Begrenzung am Spielfeldrand und stapfte hastigen Schrittes in Richtung Kabine. Kurz bevor er dort ankam, erhaschte die Kamera noch einen Blick in sein Gesicht, es war bis über die Nase unter dem hochgezogenen Trikot verborgen.

Im Moment seines größten Triumphes suchte der deutsche Basketball-Superstar die Einsamkeit. Sein überhasteter Rückzug hätte auch der schmachvolle Abgang eines Verlierers sein können, doch da oben auf dem Videowürfel stand eindeutig: Dallas 105. Und: Miami 95.

Am frühen Pfingstmontagmorgen, als in Deutschland um Viertel vor fünf langsam die Sonne auftauchte, war Dirk Nowitzki angekommen. Eine Woche vor seinem 32. Geburtstag ist der Mann aus Würzburg mit seinem Team, den Dallas Mavericks, Meister in der stärksten Basketball-Liga der Welt. Als anerkannt wertvollster Spieler seiner Mannschaft. Er reiht sich damit ein in die Reihe der größten deutschen Sport-Ikonen. Nowitzki hat nun den Titel, für den er, wie er immer wieder betonte, einzig und allein noch auf dem Parkett stand.

„Dirk Nowitzki ist einer der Größten, die dieses Spiel je gespielt haben, und das hat er heute Abend bestätigt“, sagte sein Trainer Rick Carlisle, der 1986 als Spieler der Boston Celtics und nun als Coach der Mavericks NBA-Meister wurde.

Nowitzki, der die Finalserie gegen die Miami Heat trotz Handverletzung und fiebriger Erkältung dominiert hat und vor allem in den Schlussvierteln groß aufspielte, legte, als er zur Übergabe der Larry-O'Brien-Trophäe wieder aus den Katakomben aufgetaucht war, die für ihn typische Bescheidenheit an den Tag. Er widmete den Pokal seinen Mitspielern und den Fans. „Die Mavs-Nation verdient diesen Titel, sie waren so großartig zu uns im vergangenen Jahr.“

Dirk Nowitzki und Mannschaftskamerade Jason Kidd können ihr Glück kaum fassen. Quelle: Reuters

Dirk Nowitzki und Mannschaftskamerade Jason Kidd können ihr Glück kaum fassen.

„Das Team hat mich getragen“ 

Nowitzkis Abend, der im Konfettiregen endete, begann holprig. In der ersten Spielhälfte traf er nur einen von zwölf Würfen aus dem Feld, zusammen mit einem Freiwurf kam Nowitzki damit in den ersten 24 Minuten auf die für ihn indiskutable Ausbeute von drei Pünktchen. „Heute bin ich nicht in meinen Rhythmus gekommen, aber das Team hat mich getragen“, sagte Nowitzki auf dem Siegerpodest. 

Nach dem Seitenwechsel war Nowitzki noch entschlossener als zuvor, den Korberfolg zu erzwingen, und verwandelte direkt seinen ersten Wurf. Auch von weiteren Fehlwürfen ließ er sich nicht beeindrucken und traf Mitte des dritten Viertels auch zum ersten Mal von jenseits der Dreipunktelinie. 

In der Pause vor dem Schlussviertel, in das die Mavericks mit neun Punkten Vorsprung gingen, meldete sich das deutsche Grüppchen der Nowitzki-Fans zu Wort, das den Weg in die American Airlines Arena von Miami gefunden hatte. „Und wir holen den Pokal, Halleluja“, sangen sie in sicherer Siegesgewissheit. Dallas blieb in Führung. Doch alle warteten gespannt auf die Schlussoffensive der Heat. Sie kam nie.

Auch weil Nowitzki seine zehn Punkte im letzten Viertel vorzugsweise dann einstreute, wenn die Führung der Mavericks unter zehn Zähler zu sacken drohte. Eine Dominanz, wie sie Nowitzki in der Schlussphase von Spiel zwei und vier gezeigt hatte, war in der sechsten Partie gegen die verunsicherten Heat-Stars, die sich nie berappelten, schlicht nicht nötig.

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