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22.07.2015

20:17 Uhr

Donald Trump

Eine zirkusreife Show

VonAlexander Möthe

Der Mulitmilliardär Donald Trump kandidiert für das Amt des US-Präsidenten. Alles nur Show? Gut möglich. Der Immobilientycoon hat ein Faible für exzentrische Auftritte. Bis hin zum Wrestling-Ring.

Der Mulitmilliardär Donald Trump bevorzugt die spektakuläre Inszenierung. dpa

Donald Trump

Der Mulitmilliardär Donald Trump bevorzugt die spektakuläre Inszenierung.

Düsseldorf Donald Trump weiß, wie man Aufmerksamkeit erregt. Der US-Unternehmer, ein Immobilientycoon alter Schule, gilt als ultrakonservativer Kapitalist und sucht wo er kann das Rampenlicht. Seine Casinos, seine Ex-Frau Ivana Trump, eine eigene TV-Show – die Marke Trump fällt auf und sie polarisiert.

Kein Wunder, dass Trump seit langer Zeit eine Affinität zum Wrestling zeigt. Das in Deutschland als „Catchen“ bekannt gewordene Schaukampf-Event gilt in den USA als „Live Action Seifenoper“, lebt von zirkusartiger Unterhaltung und konservativen Werten. Und die in Amerika gerade im jungen Publikum populären Shows des Marktführers World Wrestling Entertainment (WWE) sind eine perfekte Bühne für Werbung mit Pauken und Trompeten.

Kleine Wrestling-Kunde

Abgesprochen?

Die Matches im modernen Wrestling sind ganz klar abgesprochen. Gerade die WWE macht daraus auch kein Geheimnis. Die Gegner improvisieren im Matchverlauf viel, was ein Qualitätsmerkmal des Einzelnen darstellt. Der Match-Ausgang kann jederzeit noch geändert werden, z.B. wenn sich einer der Wrestler verletzt.

Mitspracherecht

Das immer der „Gute“ gewinnt, stimmt übrigens nicht. Superstars mit entsprechendem Standing haben ein Mitspracherecht, grundsätzlich entscheidet das Kreativteam über Handlungsverläufe.

Gut und ...

In der Fachsprache „Face“ und „Heel“. Klassische Beispiele waren Wrestler, die als US-Patrioten gegen angeblich sowjetische Sportler antreten mussten. Heute funktioniert das etwas subtiler: Face-Wrestler müssen keine Saubermänner oder Helden sein, es entscheidet die Publikumsgunst.

...Böse

Heel-Wrestler zeichnen sich aber meist durch unfaire Aktionen und Beschimpfungen aus. Die meisten Stars nehmen in ihrer Karriere mal die eine, mal die andere Rolle ein.

Der Ring

In der WWE rechteckig, in anderen Ligen auch achteckig. Die Ringecken sind gepolstert, die drei Ringseile aus Stahl, aber nachfedernd. Der Ringboden federt ebenfalls bei jeder Aktion nach und ermöglicht das sichere Fallen, aber auch besseres Springen.

Match-Ende

Der Gegner wird mit den Schultern auf dem Boden gehalten, bis der Ringrichter bis drei gezählt hat, der sogenannte Pinfall. Damit ist das Match beendet. Alternativ endet ein Match durch Abklopfen in einem Aufgabegriff oder spezielle Bedingungen (z.B. Gegner über das oberste Ringseil werfen). Darüber hinaus gibt es die Disqualifikation, die auch gerne als kreatives Element genutzt wird.

Gimmick

Die Rolle, die ein Wrestler einnimmt, einschließlich Charaktereigenschaften, Outfits und Verhalten im Ring. Wird nicht immer vom Wrestler selbst entwickelt, die Produzenten und Kreativen passen die Rollen an ihre Geschichten an. Manchmal werden Gimmicks auch an andere Wrestler weitergereicht. Nicht selten scheitern Wrestler am falschen Gimmick.

Champions

Wie beim Boxen gibt es in Wrestling-Ligen in der Regel verschiedene Titel zu gewinnen. Der momentan stärkste Wrestler ist meist „World“ oder „Heavyweight“ Champion. Darunter gibt es meist weniger bedeutende Titel, die für unbekanntere Wrestler als Sprungbrett dienen.

Programme

Meist wird auch zwischen „Main Event“, „Upper Card“, Midcard“ und „Undercard“ unterschieden. Die Begriffe sind von der Position auf den Programmankündigungen abgeleitet. Die „Main Eventer“ bestreiten die Haupt-Matches am Ende der Show und kämpfen um die großen Titel.

Hollywood rührt über diesen Kanal regelmäßig die Werbetrommel für Familienfilme. Warum dann nicht auch Donald Trump? Seit Mitte der 1980er Jahre finden Veranstaltungen der WWE in Trump-Gebäuden statt. Und den New Yorker Milliardär verbindet eine Freundschaft mit Konzernchef und Wrestling-Patriarch Vince McMahon.

Und so entstand zwischen dem exzentrischen Milliardär und dem Inszenierungsgenie die Idee, voneinander zu profitieren. Es wurde eine Rahmengeschichte gesponnen, ein „Kampf der Milliardäre“ zwischen Trump und McMahon. Für die Show war es egal, dass Trump tatsächlich mindestens drei Milliarden Dollar schwer ist, das Privatvermögen der Wrestling-Familie derweil auf rund 90 Millionen Dollar geschätzt wird.

Die Geschichte, die 2007 mit mehreren TV-Auftritten forciert wurde, gipfelte in einem stilisierten Kampf der Eitelkeiten. Bei einem Kampf zweier handverlesener Wrestler ging es um das Haupthaar der „Milliardäre“. Wessen Gladiator unterliegt, der würde rasiert. Trumps seit Jahrzehnten unerschütterliche Frisur ist ein Markenzeichen. Auch, wenn für viele inzwischen sicher ist, dass es sich um ein Toupet handelt. Die Aussicht, dass dieses Geheimnis ein für alle Mal gelüftet werden könnte, lies zur Großveranstaltung „Wrestlemania 23“ im April 2007 80.000 Zuschauer pilgern. Im US-Pay-TV wurde die Show 1,2 Millionen Mal verkauft, damals ein absoluter Rekord.

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