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21.07.2015

16:26 Uhr

Doping bei der Tour de France?

Sky veröffentlicht Leistungsdaten von Froome

Nach dem spektakulären Sieg von Christopher Froome bei der 10. Etappe der Tour de France veröffentlicht das Team Sky nun Daten wie Herzrhythmus und -frequenz. Experten hatten Zweifel an einem sauberen Sieg geäußert.

Der britische Radprofi Christopher Froome sieht sich nach seinem Sieg in den Pyrenäen mit Kritik konfrontiert. Experten hegen Doping-Verdacht. AFP

Christopher Froome

Der britische Radprofi Christopher Froome sieht sich nach seinem Sieg in den Pyrenäen mit Kritik konfrontiert. Experten hegen Doping-Verdacht.

SisteronAuf der Terrasse seines schlichten Teamhotels in Sisteron setzte Christopher Froome seinen Kampf gegen die große Schar an Zweiflern mit kompetenter Unterstützung fort. Der Spitzenreiter der 102. Tour de France hatte seinen Trainer und Leistungsanalytiker Tim Kerrison am zweiten Ruhetag im Schlepptau - und ging mit zahlreichen Leistungsdaten sogleich zum Gegenangriff über. Bei der „Audienz“ von fast 100 Journalisten beim Team Sky waren nicht etwa die schwächelnden Rivalen oder die anstehenden Bergriesen in den Alpen das Thema. Es ging um Wattzahlen, Trittfrequenzen, Herzschlag - und vieles mehr.

„Ich weiß nicht, ob Zahlen alles reparieren können, aber wir versuchen, so offen und transparent wie nur möglich zu sein“, sagte Froome und ergänzte: „Bei den letzten fünf Toursiegern gab es nicht diesen Aufschrei, auch nicht bei Alberto Contador. Ich verstehe nicht, warum das so ein großes Thema ist. Ich habe in den Pyrenäen mit 59 Sekunden Vorsprung auf Quintana gewonnen. Das Ganze ist doch sehr verrückt.“

Und so präsentierte der Australier Kerrison Zahlen, die doch sehr abweichend zu den vom französischen Fernsehen publizierten Leistungsdaten waren. Froome habe bei seinem Sieg am 15,3 Kilometer langen Schlussanstieg in La Pierre-Saint-Martin eine durchschnittliche Leistung von 5,78 Watt pro Kilogramm Körpergewicht erbracht.

Die Etappen der Tour de France 2015 (Teil 1)

1. Etappe

Von Utrecht (Niederlande) nach Utrecht

Datum: 4. Juli

Distanz: 14 Kilometer
Profil: flach (Einzelzeitfahren)

2. Etappe

Von Utrecht nach Zeeland (Niederlande)
Datum: 5. Juli
Distanz: 166 Kilometer
Profil: flach (voraussichtlich Sprintankunft)

3. Etappe

Von Antwerpen (Belgien) nach Huy (Belgien)
Datum: 6. Juli
Distanz: 154 Kilometer
Profil: bis Kilometer 105 flach, danach kurze aber steile Anstiege der Kategorie 4 und 3 mit Bergankunft bei der bekannten Mauer von Huy der Kategorie 3, die an einigen Passagen bis zu 19 Prozent steil ist (erstes Kräftemessen der Favoriten, Chance für Ausreißer)

4. Etappe

Von Seraing (Belgien) nach Cambrai
Datum: 7. Juli
Distanz: 221 Kilometer
Profil: flach (Sprintankunft)

5. Etappe

Von Arras nach Amiens Métropole
Datum: 8. Juli
Distanz: 189 Kilometer
Profil: flach (Sprintankunft)

6. Etappe

Von Abbeville nach Le Havre
Datum: 9. Juli
Distanz: 191 Kilometer
Profil: flach mit drei kurzen Anstiegen der Kategorie 4 (Sprintankunft)

7. Etappe

Von Livarot nach Fougères
Datum: 10. Juli
Distanz: 190 Kilometer
Profil: flach, mit einem Anstieg der Kategorie vier (Sprintankunft)

8. Etappe

Von Rennes nach Mûr de Bretagne
Datum: 11. Juli
Distanz: 179 Kilometer
Profil: leicht bergig, ein Anstieg der Kategorie 4, Zielankunft mit Anstieg der Kategorie 3

9. Etappe

Von Vannes nach Plumelec
Datum: 12. Juli
Distanz: 28 Kilometer
Profil: wellig (Einzelzeitfahren)

10. Etappe

Von Trabes nach La Pierre-Saint-Martin
Datum: 14. Juli
Distanz: 167 Kilometer
Profil: bergig mit Bergankunft der höchsten Kategorie

Der Pariser Sportphysiologe Pierre Sallet hatte in der TV-Sendung „Stade 2“ Werte von 7,04 W/kg bei dem 30-Jährigen errechnet und damit Parallelen zu den des Dopings überführten Lance Armstrong und Jan Ullrich gezogen. Sallet war bei seiner Analyse von einem Körpergewicht Froomes von 71 Kilogramm ausgegangen, laut Kerrison bringe der 1,86 Meter große Kletterspezialist aber nur 67,5 Kilo auf die Waage.

„Es gibt nichts Außergewöhnliches. Die Daten bewegen sich im Rahmen der letzten vier Jahre“, sagte Kerrison, der auch weitere Daten wie Herz- und Trittfrequenz zur Schau stellte. Teamchef Brailsford hofft, dass durch die Veröffentlichung die Zweifel zerstreut werden. „Was das französische Fernsehen gemacht hat, war richtig schlecht. Wir wollten Fakten schaffen.“

Zu den Fakten gehört auch, dass Froome bei seinem Sieg eine maximale Herzfrequenz von 174 Schlägen pro Minute hatte, was für ihn im Vergleich zu früheren Rundfahrten absolut normal sei. Auch eine durchschnittliche Trittfrequenz von 97 Umdrehungen pro Minute am Berg sei laut Brailsford für den Briten nicht ungewöhnlich.

Unterstützung erhielt Froome vom früheren Toursieger Greg Lemond. Die Werte seien „begründbar“ und nicht vergleichbar mit der EPO-Ära zu Zeiten von Armstrong. Es sei auch falsch, alles auf einen Anstieg zu reduzieren, meinte der Amerikaner.

Die Etappen der Tour de France 2015 (Teil 2)

11. Etappe

Von Pau nach Cauterets - Vallee de Saint-Savin
Datum: 15. Juli
Distanz: 188 Kilometer
Profil: bergig, ein Berg der höchsten Kategorie, Zielankunft mit Anstieg der Kategorie 3

12. Etappe

Von Lannemezan nach Plateau de Beile
Datum: 16. Juli
Distanz: 195 Kilometer
Profil: bergig, mit zwei Anstiegen der ersten Kategorie und Bergankunft der höchsten Kategorie

13. Etappe

Von Muret nach Rodez
Datum: 17. Juli
Distanz: 200 Kilometer
Profil: leicht bergig mit einem Anstieg der dritten und zwei Anstiegen der vierten Kategorie

14. Etappe

Von Rodez nach Mende
Datum: 18. Juli
Distanz: 178 Kilometer
Profil: bergig, mit Bergankunft der Kategorie 2

15. Etappe

Von Mende nach Valence
Datum: 19 Juli
Distanz: 182 Kilometer
Profil: bergig mit einem Anstieg der Kategorie 3, zwei der Kategorie 4 und ein Anstieg der Kategorie 2. Ankunft flach

16. Etappe

Von Bourg-de-Péage nach Gap
Datum: 20. Juli
Distanz: 201 Kilometer
Profil: bergig mit zwei Anstiegen der Kategorie 2

17. Etappe

Von Digne-les-Bains nach Pra Loup
Datum: 22. Juli
Distanz: 161 Kilometer
Profil: bergig, unter anderem mit einem Anstieg der Kategorie 1 auf 2250 Meter und einer Bergankunft der Kategorie 2

18. Etappe

Von Gap nach Saint-Jean-de-Maurienne
Datum: 23. Juli
Distanz: 185 Kilometer
Profil: bergig mit drei Anstiegen der Kategorie 3 und 2 und einem Anstieg der höchsten Kategorie

19. Etappen

Von Saint-Jean-de-Maurienne nach La Toussuire
Datum: 24. Juli
Distanz: 138 Kilometer
Profil: Bergankunft der Kategorie 1, davor jeweils ein Anstieg der Kategorie 2, 1 und der höchsten Kategorie auf 2067 Meter

20. Etappe

Von Modane Valfréjus nach Alpe-d'Huez
Datum: 25. Juli
Distanz: 110 Kilometer
Profil: bergig mit einem Anstieg der höchsten Kategorie und einer Bergankunft der höchsten Kategorie

21. Etappe

Von Sèvres  nach Paris / Champs-Élysées
Datum: 26. Juli
Distanz: 107 Kilometer
Profil: flach, Sprintankunft

Genau das hatte aber der frühere Radprofi und heutige TV-Experte Laurent Jalabert, der pikanterweise selbst als EPO-Sünder aufgeflogen war, in der Live-Berichterstattung des französischen Fernsehens gemacht. Froome gab entsprechend weitere Spitzen in Richtung des Franzosen ab. „Ich finde, dass diese Leute Vorbilder sind und für den Radsport der heutigen Zeit sprechen sollten“, sagte der Brite und legte mit Twitter-Kommentaren nach.

Der dreimalige Etappengewinner André Greipel hat festgestellt, dass Froome bei all den Anschuldigungen sich eine „dicke Haut“ zugelegt hat. Der Rostocker geht fest von einem zweiten Erfolg des Toursiegers von 2013 aus: „Ich sehe keinen, der noch an Froome vorbeifährt. Er ist einen Tick besser.“

Sportlich hat der Mann in Gelb die geringeren Probleme, von einer Vorentscheidung will er aber nicht sprechen. In den Alpen könne noch viel passieren, ein Hungerast könne viel Zeit kosten. Aktuell liegt der Spitzenreiter 3:10 Minuten vor dem Kolumbianer Nairo Quintana und 3:32 vor Tejay van Garderen. Diese Zahlen interessieren Froome derzeit am meisten.



Von

dpa

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