Handelsblatt

MenüZurück
Wird geladen.

27.08.2012

16:13 Uhr

Doping

Gelder für Armstrong fließen weiter

Lance Armstrong fuhr unbeeindruckt ein Mountainbike-Rennen in Colorado. Die Branche und Sponsoren bekunden größtenteils Solidarität mit ihm. Auch Eurosport hält an der Liverübertragung der Tour fest. ARD und ZDF aber sind raus.

Lance Armstrong in Colorado. dapd

Lance Armstrong in Colorado.

Austin/ Berlin/ DüsseldorfDen Sturz vom Denkmal hat Lance Armstrong scheinbar ungerührt verkraftet. Der 40 Jahre alte Texaner stieg nach der Bestrafung durch die US-Anti-Doping-Agentur USADA wieder aufs Rad und landete bei einem Hobby-Mountainbike-Rennen in Colorado auf Platz zwei - hinter einem 16-Jährigen. „Niemand muss um mich weinen. Mir wird es prächtig gehen“, tönte Armstrong, der mit einer lebenslangen Sperre und dem Verlust seiner sieben Erfolge bei der Tour-de-France belegt worden war. Keine Beichte, keine Reue - Business as usual. „Der König ist nackt“, schrieb der Figaro.

Der Internationale Radsportverband UCI und die Tour-Organisation ASO haben erstmal auf Warte-Modus geschaltet. Zunächst müssten die Urteilsbegründungen in Ruhe gesichtet werden, hieß es offiziell. Dabei trägt gerade die UCI Mitverantwortung für diesen skandalösen Fall und das undurchsichtige System, in dem Armstrong trotz handfester Doping-Indizien ganz offensichtlich einen Sonderstatus genoss. Zudem ist die von ihnen verwaltete und gestaltete Ordnung nicht imstande, schnelle und nachvollziehbare Entscheidungen zu treffen.

Armstrong: Wie geht es weiter?

Droht Armstrong die Aberkennung seiner sieben Tour-Gesamtsiege von 1999 bis 2005?

Die amerikanische Anti-Doping-Agentur USADA hat die Streichung aller Resultate seit 1998 verkündet - aber damit ihre Kompetenzen überschritten. Die Hoheit über eine Aberkennung der Tour-Siege liegt nicht bei der USADA, nicht mal beim Veranstalter ASO. Das zeigte der Fall Bjarne Riis. Nach seinem Doping-Geständnis im Jahr 2007 hatte der Tour-Organisator dem Dänen den Triumph von 1996 aberkannt. Daraufhin intervenierte die UCI und machte die Verjährungsregel von acht Jahren - im Code der Welt-Anti-Doping-Agentur WADA geregelt - geltend.

Können sich Jan Ullrich und Andreas Klöden Hoffnungen auf nachträgliche Tour-Ehren machen?

Das hängt von der Entscheidung ab, ob und welche Toursiege Armstrong aberkannt werden. Theoretisch dürften die Chancen auf ein Aufrücken von Ullrich und Klöden vorhanden sein. Allerdings: Gegen beide wurde staatsanwaltschaftlich wegen Dopings ermittelt. Die drohenden Verfahren fanden nicht statt, weil beide Profis eine Geldsumme für wohltätige Zwecke gestiftet hatten. „Ich habe mit meiner Profikarriere abgeschlossen und immer gesagt, dass ich auch auf meine zweiten Plätze stolz bin“, hatte Ullrich der Nachrichtenagentur dpa erklärt. Möglicherweise nachgereichte Gelbe Trikots würden den Toursieger von 1997 „nicht interessieren“, erklärte er weiter.

Wie teuer kommt Armstrong der Schuldspruch?

Allein an Tour-Siegprämien strich Armstrong in seinen Erfolgsjahren knapp vier Millionen Euro ein. Traditionell lassen die Toursieger dieses Geld in die Mannschaftskasse wandern. Es wird aufgeteilt zwischen allen Tour-Startern des Teams und den Betreuern. Armstrong hatte sich an diese Abmachung - im Gegensatz zu manch anderen Toursiegern - immer gehalten. Dieses in viele Kanäle geflossene Geld zurückzufordern, dürfte unmöglich sein. 2007 musste die Versicherungsgesellschaft SCA-Promotion nach einem verlorenen Prozess Siegprämien in Höhe von 7,5 Millionen Dollar an Armstrong zahlen. Jetzt könnte das Geld unter Verweis auf das USADA-Urteil zurückgefordert werden.

Für das deutsche Fernsehen hat der neuerliche Doping-Skandal um Armstrong allerdings noch keine Konsequenzen. ARD und ZDF verzichten seit dieser Saison sowieso auf eine Live-Übertragung der Tour de France. Offizielle Begründung: rückläufiges Zuschauerinteresse. Großereignisse anderer Sportarten, auf denen ebenfalls ein Doping-Schatten liegt, wie Leichtathletik, Biathlon oder Boxen, werden jedoch weiter übertragen. Im deutschen Fernsehen ist die Tour de France live nur noch auf Eurosport zu sehen. Daran hält der Spartensender laut Sprecher Werner Starz auch weiterhin fest. „Wir sehen keinen Grund, die Tour nicht weiter zu übertragen. Die Entwicklungen im Fall Armstrong sind für uns vielmehr ein Zeichen, dass die Maßnahmen gegen Doping zu greifen beginnen", sagte er Handelsblatt Online. Als deutschsprachige Alternative zu Eurosport bleibt noch das Schweizer Fernsehen, das wie Eurosport live dabei ist.

Direkt vom Startbildschirm zu Handelsblatt.com

Auf tippen, dann auf „Zum Home-Bildschirm“ hinzufügen.

Auf tippen, dann „Zum Startbildschirm“ hinzufügen.

×