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26.12.2012

14:21 Uhr

Doping im Radsport

„Lance wird zurückschlagen“

Kronzeuge Tyler Hamilton rechnet mit einer Revanche des entzauberten, früheren Toursiegers Lance Armstrong. Hamilton hatte mit seinen Aussagen zum Fall des Texaners beigetragen - nun hat er Angst vor Konsequenzen.

Lance Armstrong bei der Tour de France im Sommer 2005 dapd

Lance Armstrong bei der Tour de France im Sommer 2005

BerlinKronzeuge Tyler Hamilton hat Angst: Der Lance-Armstrong-Gegenspieler, der mit seinen Aussagen zur Demaskierung der einstigen Lichtgestalt des Radsports beigetragen hatte, rechnet mit einer Offensive seines früheren Team-Kapitäns. „Man hört kaum etwas von Lance, aber diese Ruhe halte ich für trügerisch. Ich fürchte, er wird zurückschlagen“, sagte Hamilton dem „Stern“.

Hamilton fürchtet auch persönlich eine Racheaktion Armstrongs, der ihn schon einmal in einem Steakhaus übel beschimpft hatte: „Ich habe Schlafstörungen und Alpträume, es gibt keinen Tag, an dem ich nicht an Lance denke.“

Zuletzt hatte der wegen Dopings auf Lebenszeit gesperrte Armstrong ein Foto von sich getwittert: Es zeigte den 40-Jährigen in unermesslicher Selbstzufriedenheit auf einem Sofa liegend. Er betrachtete die eingerahmten Gelben Trikots der Tour de France, die hell erleuchtet an der Wand hingen. Kurz zuvor waren Armstrong seine sieben Tour-Triumphe zwischen 1999 und 2005 vom Weltradsportverband UCI auf Druck der US-Anti-Doping-Behörde USADA aberkannt worden.

Hamilton war von 1999 bis 2001 Armstrongs wichtigster Helfer beim Team U.S. Postal und begleitete ihn bei drei der sieben Tour-Triumphe. Über Armstrongs momentane Verfassung sagte Hamilton, der Doping selbst nach langem Leugnen eingestand: „Ich glaube, er leidet fürchterlich. Lance ist ein sehr stolzer Mensch, er glaubte, wie Atlas die Weltkugel auf seinem Rücken tragen zu können. Und nun ist alles weg, der Ruhm, die Ehre. Auch viel Geld, es kommen ja Schadensersatzklagen auf ihn zu. Es wird Lance zerreißen, dass er kein Held mehr ist.“

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Kaum eine Probe war im letzten Jahr positiv.

Die „Sunday Times“ reichte vor Weihnachten Klage gegen Armstrong ein. Die Londoner Zeitung will von dem Multimillionär aus Austin 1,2 Millionen Dollar zurück, die das Blatt 2004 nach einem Verleumdungsprozess zahlen musste. Sie hatte dem Texaner Doping unterstellt. Das Gericht gab Armstrong („Ich habe nie gedopt“) damals recht.

Kommentare (1)

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26.12.2012, 18:44 Uhr

Der Kampf gegen Doping ist eine moderne Variante der heiligen Inquisition, denn damals wie heute wird eine Fiktion verteidigt. Die Fiktion nämlich, daß Profisport "sauber" sei.
Wo aber Geld, sogar sehr viel Geld im Spiel ist, ist es mit der Sauberkeit, im Sport fairness genannt, vorbei.
mondahu hat das vor 10 Jahren sogar hautnah erlebt. Er war zufällig Hotelgast in Frankreich, als die Größen des Tour de France für eine Nacht im selben Hotel abstiegen. Und die Polizei das ganze Hotel durchwühlte auf Drogenjagd, mondahu's Zimmer eingeschlossen. Natürlich ohne Erfolg, denn wer in Frankreich wollte damals den Ruf des Tour tatsächlich beschädigen? Alle wußten, was gespielt wurde, und fast alle bis auf ein paar verrückte Staatsanwälte spielten mit, sogar die Polizei.
Jetzt nach 10 Jahren Lance Armstrong die Titel abzuerkennen und Sponsorgelder zurückzufordern ist der Gipfel der Heuchelei.
Es gibt hier nur eine ehrliche Lösung, nämlich zuzugeben, daß Profisport die moderne Art des Gladiatorenkampfes sind, ihn völlig freizugeben was Doping betrifft, aber auch als Kommerz mit allen Konsequenzen zu behandeln. Amateursport ist dann das Gegenmodell, nämlich sauber und ohne Bezahlung, und wer sich da versündigt, wird auf Lebenszeit gesperrt und an den Profisport verwiesen. Dies würde auch den Olympischen Spielen ihren ursprünglichen Sinn als Fest des Amateursports wiedergeben und das Mafiagehabe des IOC beenden.

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