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26.01.2016

09:18 Uhr

Doping in der Leichtathletik

Höchste Zeit, dass Adidas Konsequenzen zieht

VonJoachim Hofer

Adidas könnte aus dem Leichtathletik-Sponsoring aussteigen: Lange profitierte der Sportartikelhersteller von der Nähe zu internationalen Sportverbänden, nun geht der Konzern auf Abstand. Das war überfällig. Ein Kommentar.

Herber Verlust für den Leichtathletik-Weltverband IAAF: Wie die BBC am späten Sonntagabend berichtete, will der Sportartikelhersteller Adidas vier Jahre vor Ablauf des Vertrages aus dem Sponsoren-Deal aussteigen. dpa

Adidas

Herber Verlust für den Leichtathletik-Weltverband IAAF: Wie die BBC am späten Sonntagabend berichtete, will der Sportartikelhersteller Adidas vier Jahre vor Ablauf des Vertrages aus dem Sponsoren-Deal aussteigen.

MünchenHier die Skandale im Fußball, dort die Dopingaffären in der Leichtathletik: Wann immer es im Sport schmutzig wird, fällt auch der Name Adidas. Das hat historische Gründe: Horst Dassler, der Sohn des Firmengründers Adi Dassler, hat vor vier Jahrzehnten enge Bande mit den weltweit führenden Sportverbänden geschlossen.

Das war lange zum Wohle der Marke mit den drei Streifen, schließlich waren die Franken bei allen großen Sportevents an vorderster Front mit dabei. Doch seit einigen Jahren ist die Nähe zu den internationalen Verbänden eine schwere Bürde. Vor allem die Korruption im Weltfußballverband Fifa hat auch ein schlechtes Licht auf Adidas geworfen.

Die wesentlichen Erkenntnisse des Doping-Berichts

Tief verwurzelte Betrugskultur

„Die Untersuchung zeigt, dass die Akzeptanz von Betrug auf allen Ebenen und seit langem verbreitet ist.“ Eine fundamentale mangelhafte Einstellung für die Akzeptanz von Anti-Doping-Anstrengungen sei „tief in der russischen Leichtathletik verwurzelt“. Gerechtfertigt werde dies durch die Annahme, dass alle anderen auch betrügen würden.

(Quelle: SID)

Ausbeutung von Athleten

Unethisches Verhalten sei zur Norm geworden. Die Ausbeutung von Athleten für Medaillen und finanziellen Erfolg sei in der russischen Leichtathletik weit verbreitet. Die Athleten waren oft willige Teilnehmer, allerdings gebe es auch dokumentierte Fälle, in denen Athleten, die nicht Teil des Programms werden wollten, nicht für die russische Nationalmannschaft nominiert worden seien.

Betrug durch Athleten

Der Report stellt dar, dass es systematischen Dopingbetrug bei russischen Athleten gegeben hat. Darüber hinaus stellt der Bericht fest, dass es ein hoher Prozentsatz der Athleten nicht mit der Kommission zusammenarbeiten wollte. Viele Athleten gaben darüber hinaus nur unzureichend Auskunft über ihren Aufenthaltsort.

Beteiligung von Ärzten, Trainern und Laborpersonal

Der Bericht bestätigt, dass einige russische Ärzte und Laborpersonal in Zusammenarbeit mit Trainern systematischer Betrug ermöglichten. Im Moskauer Anti-Doping-Labor sollen mut- und böswillig mehr als 1400 Proben zerstört worden sein, nachdem die Wada Zielkontrollen angeordnet hatte. Auch wurden Teststandards nicht eingehalten.

Korruption und Bestechung innerhalb der IAAF

Der Bericht bestätigt Korruption und Bestechung auf der höchsten Ebene der internationalen Leichtathletik. Die Beweise dafür seien an Interpol übermittelt worden, die Veröffentlichung soll bis zum Ende des Jahres geschehen. Zunächst sollen die Entscheidungen der Untersuchungsbehörden abgewartet werden.

Die wichtigsten Empfehlungen der Kommission

1. Ausschluss des russischen Leichtathletik-Verbandes Araf aus dem Weltverband IAAF
2. Schnellstmöglicher Entzug der Akkreditierung des Moskauer Anti-Doping-Labors und „permanente“ Absetzung des Direktors Gregory Rodschenkow. Das Moskauer Labor sei nicht in der Lage unabhängig zu handeln.
3. Empfehlung der Wada an das IOC, keine Teilnahme russischer Leichtathleten an internationalen Wettbewerben zuzulassen, bis die Araf als regelkonform mit dem Wada-Code bezeichnet werden kann.
4. Lebenslanger Ausschluss russischer Sportfunktionäre, die an dem systematischen Betrug beteiligt waren. Darunter auch Sergej Portugalow, Chef der Araf-Medizinkommission.

Jetzt sieht alles danach aus, als würde Adidas erstmals einen tiefen Schnitt machen: Europas größter Turnschuh-Hersteller steht offenbar davor, den Vertrag mit dem Welt-Leichtathletikverband IAAF aufzulösen. Auslöser ist der riesige Dopingskandal, in den viele Athleten, vor allem aber korrupte Funktionäre verwickelt sind.

Es wird höchste Zeit, dass Adidas Konsequenzen zieht. Viel zu lange hat das Unternehmen den dunklen Machenschaften im Sport zugesehen, hat geschäftlichen Erfolg über moralische Bedenken gestellt. Doch inzwischen sind die Konsumenten sensibler geworden für die vielen Missstände im Spitzensport.

So mancher Investor sieht das Sponsoring ebenfalls kritisch. Der vermeintliche Vorteil droht sich nun ins Gegenteil zu verwandeln.

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