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09.11.2015

17:07 Uhr

Doping-Skandal

Russland droht Ausschluss aus Leichtathletik-Verband

Der Weltsport steht vor einem gewaltigen Beben. Ein Untersuchungsbericht der Doping-Behörde Wada belastet die russische Leichtathletik so schwer, dass sogar der Ausschluss von allen Wettkämpfen im Raum steht.

Seppelt zu Doping

„Whistleblower haben Beweise für Doping geliefert“

Seppelt zu Doping: „Whistleblower haben Beweise für Doping geliefert“

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GenfMit der Forderung nach drakonischen Strafen und schweren Vorwürfen bis in russische Regierungskreise hinein hat die Welt-Anti-Doping-Agentur WADA auf die Dopingaffäre in Russland reagiert. Die Ermittlungskommission der WADA empfahl am Montag in Genf, Russland aus dem Leichtathletik-Weltverband auszuschließen und fünf Athleten sowie fünf Trainer auf Lebenszeit zu sperren. Das Kontrolllabor in Moskau soll geschlossen, dessen Direktor abgelöst werden. Dem russischen Sportminister Witali Mutko wurde vorgeworfen, er solle angeordnet haben, „bestimmte Dopingproben zu manipulieren“.

Das Gremium war eingesetzt worden, um die in einer ARD-Dokumentation erhobenen Vorwürfe über Doping im russischen Spitzensport zu untersuchen. In dem Film „Geheimsache Doping - Wie Russland seine Sieger macht“ waren am 3. Dezember 2014 geheime Aufzeichnungen in Bild, Ton und Schrift mit Hinweisen auf staatlich unterstütztes Doping präsentiert worden. Im Hintergrund soll offenbar ein Betrugs- und Vertuschungsapparat gewirkt haben.

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Polizei und Staatsanwaltschaften haben momentan im Sport viel zu tun. Nach dem Fußball ist nun die Leichtathletik ins Visier der Ermittler geraten: Dem früheren Weltverbands-Präsidenten wird Korruption vorgeworfen.

Die Kommission wird vom früheren WADA-Chef Richard W. Pound geleitet. Dem Gremium gehören zudem der anerkannte Sportrechts-Experte Richard McLaren und der deutsche Kriminalbeamte Günter Younger an.

In diesem Jahr wurden zahlreiche russische Leichtathleten wegen Dopings gesperrt; Verbandspräsident Valentin Balachnitschew trat Mitte Februar von seinem Amt zurück.

Helmut Digel, früheres Councilmitglied des Leichtathletik-Weltverbandes IAAF, hält die Affäre um flächendeckendes Doping in Russland für einen den Sport möglicherweise verändernden Skandal. „Der Dopingfall des kanadischen Sprinters Ben Johnson 1988 und auch der FIFA-Skandal sind dagegen harmlos“, meinte der Tübinger Sportsoziologe am Montag.

Völlig verblüfft war Digel, der jahrelang Vizepräsident der IAAF gewesen war, angesichts der Korruptionsvorwürfe gegen den einstigen Präsidenten Lamine Diack. „Das hat mich in der Tat überrascht, weil er nicht nur ein derartiges Betrugssystem betrieben hat, sondern auch der Drahtzieher in diesem System gewesen sein soll“, sagte Digel. Weder das Council des Weltverbandes noch die Exekutive habe davon gewusst. „Wir haben uns immer als Verband verstanden, der engagiert gegen Doping kämpft.“

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