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26.04.2014

16:23 Uhr

Duell gegen Alex Leapai

Klitschko-Kampf im Propagandakrieg

Wenn Wladimir Klitschko am Abend in den Ring steigt, wird er mit den Gedanken in seiner Heimat Ukraine sein. Er will eine politische Botschaft aussenden – doch im russischen Fernsehen wird das niemand zu sehen bekommen.

Alex Leapai (rechts) spuckt große Töne – doch Wladimir Klitschko ist mit seinem Stil derart dominant, dass ihm niemand wirklich gefährlich werden kann. ap

Alex Leapai (rechts) spuckt große Töne – doch Wladimir Klitschko ist mit seinem Stil derart dominant, dass ihm niemand wirklich gefährlich werden kann.

Düsseldorf/OberhausenDass der Sport nie gänzlich unpolitisch sein kann, hat sich in der Vergangenheit schon oft gezeigt: Es sei nur an den Olympiaboykott 1980 in Moskau erinnert, oder an politische Gesten bei der Winterolympiade in Sotschi im Februar. Die Ukrainekrise sorgt nun für den nächsten Eintrag in die Historie politisierter Sportevents: den Kampf Wladimir Klitschko gegen Alex Leapai an diesem Samstagabend.

Erstmals seit zehn Jahren – so lange ist Klitschko im Ring ungeschlagen – wird kein russischer Sender den Kampf übertragen. Schließlich war sein älterer Bruder Vitali einer der Anführer der Proteste auf dem Maidan, er ist Chef der Partei „Udar“, zu deutsch: Schlag. Zunächst wollte er sich als Präsident bewerben, nun kandidiert er als Bürgermeister von Kiew.

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Wladimir Klitschko will den Kampf seinerseits nutzen, um eine politische Botschaft auszusenden. Er „hoffe, dass dieser Kampf den Menschen in der Ukraine Gefühle der Einheit geben wird“, sagte Klitschko dem Berliner „Tagesspiegel“ vom Samstag. „Im Ring wird einer stehen, der die ganze Ukraine vertritt.“

Der Konflikt zwischen der Ukraine und Russland ähnele einer familiären Auseinandersetzung, sagte Klitschko. Die Länder seien „wie zwei Brüder, ein großer und ein kleiner, wie Vitali und Wladimir“. Dies bedeute aber nicht, dass der große über den kleinen entscheiden dürfe. „Das aber tut der große Bruder Russland mit der Ukraine“, sagte Klitschko.

In der Ukraine hätten sich „die Menschen auf westliches Denken eingestellt und die Richtung gewählt, in die sie gehen wollen“. Und weiter: „Dann darf man ihnen keine Steine in den Weg legen.“ Eine Spaltung seines Heimatlands befürchtet Klitschko derzeit nicht. „Wir werden vereint bleiben und selbst unsere eigene Zukunft bestimmen“, sagte er der Zeitung.

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