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17.01.2007

10:19 Uhr

Einzigartiger Durchmarsch

Ins Rampenlicht geschlagen

VonAndreas Lampert

Martin Kaymer ist der Golf-Aufsteiger 2006 und bester Deutscher der Weltrangliste. Ab heute tritt er in Abu Dhabi an. Vor genau einem Jahr hätte sich Kaymer ein solches Szenario nicht einmal vorstellen können.

DÜSSELDORF. Vergangene Woche hatte Martin Kaymer einiges zu tun. Dienstag kehrte er von einem mehrwöchigem Trainingslager in den USA zurück ins rheinische Mettmann. Anschließend packte er gleich wieder Koffer und buchte einen Flug nach Abu Dhabi, denn er war kurzfristig von der Warteliste ins Starterfeld der mit zwei Millionen Dollar dotierten European-Tour-Veranstaltung aufgerückt. In der arabischen Wüste wird er sich von heute an mit internationalen Golfstars wie Retief Goosen, Ryder-Cup-Helden wie Padraig Harrington, Colin Montgomerie und Robert Karlsson messen.

Vor einem Jahr erst war er Mitglied im Golf Team Germany geworden, nachdem er im Sommer 2005 sein Abitur gemacht hatte. Gemeinsam mit zwölf anderen jungen Golfprofis sollte er auf eine Profilaufbahn eingestellt werden. Kleine Schritte waren angedacht. Im Trainingslager wurden die Nachwuchskräfte neben der Arbeit auf der Driving Range auch auf Dinge aufmerksam gemacht, die den Alltag eines Golfprofis bestimmen. Turnierplanung, Taktik, Hotel- und Flugbuchung, Reisen durch verschiedene Zeitzonen, Klimawechsel, mentales Training. Neuland auch für Kaymer. "Wir lernten uns zu organisieren, was nicht einfach war. Als Amateur wurde einem vieles abgenommen", sagte Kaymer dem Handelsblatt.

Auch der Umgang mit den Medien ist für den 22-Jährige eine neue Erfahrung. Zumal sich die Interviewanfragen inzwischen häufen. Seit Anfang des Jahres ist Martin Kaymer die neue Nummer eins im deutschen Golf. Die offiziellen World Rankings stuften den Jungprofi in der Woche vom 1.-7. Januar auf Rang 149 ein. Damit lag Kaymer noch vor Bernhard Langer (164) und Marcel Siem (208), die gemeinsam in Dezember auf Barbados den Mannschafts-WM-Titel für Deutschland gewannen. Auch "Eisenmann" Alex Cejka, der sich zum Ende des Jahres dank eines sagenhaften Kraftakts und Nervenspiels in zwei aufeinander folgenden Q-Schools die Spielberechtigung für die European Tour sowie der amerikanischen PGA Tour erkämpfte, wird als Nummer 382 deutlich dahinter geführt. Als "Momentaufnahme" bezeichnet Kaymer den Blick auf die Weltrangliste.

Kaymer war ein guter Amateurspieler, der aber meist im Schatten von Spielern wie Florian Fritsch, Michael Thannhäuser, Christian Schunk und Sean Einhaus stand und allenfalls einem Insiderpublikum bekannt. Mit 16 Jahren träumte er parallel zum Golf auch von einer Fußballkarriere, als er in der B-Jugend von Fortuna Düsseldorf erfolgreich kickte. Erst als der Zeitaufwand zu groß wurde, entschied er sich fürs Golfen. 2005 setzte er erste Ausrufezeichen und feierte im Matchplay wie auch im Zählwettspiel die deutsche Meisterschaft. Mit der Mannschaft wurde Kaymer bei der EM Vizemeister. In Kassel düpierte er auf der Esprit Pro Tour als Amateur sogar die Profikollegen und siegte nach Runden von 67, 64 und 66 Schlägen. Sein Handicap betrug +4,8, als er sich vor gut einem Jahr für den Wechsel ins Profilager entschloss und von Cheftrainer Martin Hasenbein eine Wildcard für das Golf Team Germany erhielt. "Ich hatte Martin 2005 bei einem EPD-Turnier beobachtet und war sofort begeistert", erinnert sich Hasenbein. "Die Art und Weise, wie er sein Spiel auf dem Golfplatz vorgetragen hat, war anders, als ich es bisher kannte. Außergewöhnlich und für sein Alter sehr reif."

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