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06.04.2006

08:30 Uhr

Eishockey Nationalmannschaft

DEB-Cracks wollen Austria-Schmach vergessen machen

Das WM-Debakel von Österreich noch in den Köpfen, steht für die deutschen Eishockey-Nationalspieler die Vorbereitung auf die B-WM an. In zwei Spielen heute und am Samstag testet Bundestrainer Uwe Krupp sein Team.

Mit dem Unternehmen Wiederaufstieg will die deutsche Nationalmannschaft das WM-Debakel vor elf Monaten in Österreich möglichst schnell vergessen machen. In Ungarn testet Bundestrainer Uwe Krupp zum Auftakt der Vorbereitung die ersten Kandidaten für die B-WM in Amiens, wo die sofortige Rückkehr in die Weltelite gelingen soll. "Das ist ganz klar unser Saisonziel Nummer eins", betonte Franz Reindl, Generalsekretär des Deutschen Eishockey-Bundes (DEB): "Wenn wir nicht aufsteigen, bekommen wir ein echtes Problem, dann verschwinden wir in der Bedeutungslosigkeit."

Schmerzhafte Konsequenzen

Schon bei den Olympischen Spielen in Turin hatte die deutsche Nationalmannschaft schmerzhaft die Konsequenzen des Abstiegs im vergangenen Mai zu spüren bekommen. Wegen schwacher Einschaltquoten verschwanden die Live-Übertragungen der deutschen Spiele gegen Ende des Turniers im Digitalkanal. "Wenn wir nicht in die A-Gruppe zurückkehren, werden wir erhebliche Nachteile haben - in vielen Bereichen", sagte Reindl.

Direkte finanzielle Folgen fürchtet der Bronzemedaillengewinner von 1976 zwar noch nicht, da die meisten Sponsorenverträge langfristig sind, doch klar ist auch: Mit jedem weiteren Jahr in der Zweitklassigkeit werden die Geldgeber ungeduldiger - vor allem, weil derzeit nach langer Pause wieder die ARD die TV-Rechte an der A-Weltmeisterschaft hält, das DEB-Team aber nur Zuschauer ist. "Auch unsere Arbeit, die auf die Heim-WM 2010 ausgerichtet ist, wäre dann gestört", ergänzte Reindl.

Topstars fehlen noch

Die meisten Spieler, die in Amiens (24. bis 30. April) die Rückkehr in die Erstklassigkeit schaffen sollen, sind bei den ersten beiden Testspielen heute (18.00 Uhr) in Szekesfehervar und am Samstag (11.00 Uhr) in Budapest noch gar nicht dabei. Sie sind entweder noch im Halbfinale der Deutschen Eishockey-Liga (DEL) oder in der nordamerikanischen Profiliga NHL beschäftigt. "Ich habe tatsächlich einiges an Spott zu ertragen, wenn ich Freunden in Atlanta erzähle, daß ich zu Testspielen nach Ungarn fliege", sagte Krupp der Tageszeitung Die Welt.

Gegen Ungarn gibt Krupp insgesamt sechs Debütanten eine erste Bewährungschance. Die Verteidiger Martin Ancicka vom Zweitligisten Eisbären Regensburg und Anton Bader (EV Duisburg) sowie die Stürmer Felix Schütz, Topscorer der St. John Seadogs in der kanadischen Juniorenliga Qmjhl, Fabio Carciola (Adler Mannheim), Michael Waginger (EV Duisburg) und Alexander Polaczek (Nürnberg Ice Tigers) stehen vor ihrer Premiere im DEB-Trikot.

Allerdings verzichtete der in den USA lebende Krupp darauf, die WM-Kandidaten aus der DEL nach den Olympischen Spielen persönlich zu beobachten. "Ich weiß ausreichend Bescheid über unsere Kandidaten. Ich habe vor Olympia zahlreiche Spiele gesehen und da die nötige Vertrautheit zu den Spielern entwickelt", so Krupp, der in Amiens auf den gleichen Kern der Mannschaft wie bei Olympia in Turin zurückgreifen will.

Bei weiteren Länderspielen am 13. April in Straubing und am 15. April in Landshut jeweils gegen die Schweiz sowie am 19. April in Iserlohn und am 20. April in Essen jeweils gegen Österreich kann Krupp die in den DEL-Play-offs ausgeschiedenen Spieler einbauen. Aus der NHL rechnet der Bundestrainer mit Angreifer Marco Sturm (Boston Bruins) und Verteidiger Dennis Seidenberg (Phoenix Coyotes), die die Stanley-Cup-Play-offs verpassen werden. Zudem haben Marcel Goc und Christian Ehrhoff ihre Teilnahme an der B-WM zugesagt, falls sie mit den San Jose Sharks nach der Hauptrunde ausscheiden sollten.

Nicht zur Verfügung stehen der am Knie verletzte Jochen Hecht (Buffalo Sabres) und Christoph Schubert (Ottawa Senators). Auch Torhüter Olaf Kölzig, der mit den Washington Capitals weit abgeschlagen ist, will nur im Notfall einspringen. Kein Thema sind derzeit die Routiniers Mirko Lüdemann (Kölner Haie) und Jan Benda (HC Zlin). "Mirko ist zurückgetreten, das haben wir akzeptiert", sagte Reindl, ergänzte aber: "Kontakte gibt es allerdings immer."

"Wollen und müssen Erster werden"

Mit Benda, den Krupp kurz vor dem Olympia-Turnier ausgebootet hatte und der daraufhin Turin überstürzt verließ, hat seitdem niemand mehr gesprochen. Doch unabhängig von der Besetzung des B-WM-Kaders macht Krupp klar: "Wir wollen und müssen dort Erster werden, um im nächsten Jahr wieder zur A-WM nach Moskau zu dürfen."

© SID

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