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22.08.2011

13:54 Uhr

Eishockey-Skandal

Als Iserlohn für Gaddafi warb

Libyen feiert nach dem Bürgerkrieg die Befreiung von Machthaber Muammar al-Gaddafi. 1987 ging sogar der Deutsche Eishockeybund gegen ihn vor - oder zumindest gegen sein Engagement auf den Trikots des ECD Iserlohn.

Stein des Anstoßes: Die Trikotwerbung der Iserlohner. dapd

Stein des Anstoßes: Die Trikotwerbung der Iserlohner.

Köln/DüsseldorfMuammar al-Gaddafi ist besiegt. In ganz Libyen feiert das Volk die Befreiung vom Tyrannen. Gaddafi spaltete die internationale Gemeinschaft wie kaum ein anderer Despot vor ihm. Der selbsternannte Revolutionsführer regierte mit mehr als eiserner Hand, drängte mit einem stetig wachsenden Vermögen auch in die High Society Europas. Gaddafi galt abwechselnd als Feindbild und salonfähig - entsprechend verschiedene Gesichter zeigte der Diktator immer wieder. Ein besonderes Interesse hegte er am Sport. Und das führte ihn Mitte der 1980er Jahre ins beschauliche Sauerland - das Ergebnis ist nun ein Fall für das Museum.

Dank Gaddafi ist das Deutsche Sport & Olympia Museum in Köln ist um eine Rarität der Sportgeschichte reicher. Der frühere Eishockey-Spieler Robert Simon übergab am Freitag sein Trikot mit dem Werbeaufdruck für das „Grüne Buch“ des libyschen Revolutionsführers. Die umstrittene Werbe-Idee, die den ECD Iserlohn 1987 vor dem finanziellen Ruin retten sollte, hatte damals für großes Aufsehen gesorgt.

Der damalige Klubchef Heinz Weifenbach war einst extra nach Libyen gereist, um den millionenschweren Sponsoringvertrag mit al-Gaddafi einzufädeln. Das Treffen mit dem Machthaber in einem Beduinenzelt war damals sogar Thema der Nachrichten.

Der ECD Iserlohn bestritt am 4. Dezember 1987 tatsächlich ein Meisterschaftsspiel gegen den SB Rosenheim in den Skandal-Trikots. Danach gab es vom Deutschen Eishockey-Bund (DEB) die Rote Karte für das „Grüne Buch“. Noch während der Saison 1987/88 ging der ECD in Konkurs und musste in der Oberliga einen Neuanfang starten. Wie die Geschichte von Muammar al-Gadaffi ausging, ist seit heute bekannt.

 

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