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11.01.2009

14:12 Uhr

Eisschnelllauf EM

Claudia Pechstein holt dritten EM-Titel

Claudia Pechstein hat bei der Mehrkampf-EM in Heerenveen ihren dritten Titel geholt und sich so zur ältesten Europameisterin der Geschichte gemacht.

Claudia Pechstein kann sich zur ältesten Siegerin der EM-Geschichte krönen. Foto: Bongarts/Getty Images SID

Claudia Pechstein kann sich zur ältesten Siegerin der EM-Geschichte krönen. Foto: Bongarts/Getty Images

Sie schlug vor Freude beide Hände vors Gesicht, drehte mit ihrem einjährigen Neffen Eric auf dem Arm eine Ehrenrunde und ließ sich mit Silber-Gewinnerin Daniela Anschütz-Thoms von 12 000 Oranje-Fans feiern: Claudia Pechstein hat sich mit einer Eisgala in der Kufen-Hochburg Heerenveen zum dritten Mal zur Europameisterin gekrönt und ist mit ihren fast 37 Jahren nun die älteste Gewinnerin in der Geschichte der Titelkämpfe.

"Das war nicht schlecht für eine alte Frau. Hier ist für mich ein absoluter Traum in Erfüllung gegangen. Diese Kutschfahrt wollte ich schon immer mal machen", sagte Pechstein, die traditionsgemäß mit einem Einspänner über die Ehrenrunde chauffiert wurde. Weltmeisterin Paulien van Deutekom, die nur Rang vier hinter der Tschechin Martina Sablikova belegte, brachte es auf den Punkt und kürte Pechstein kurzerhand zur "Super-Oma".

Faszinierendes Duell mit Anschütz-Thoms

Pechstein, die nach Platz zwei über 500m und dem Sieg über 3 000 m als Führende auf die letzten beiden Strecken gegangen war, lieferte sich in der ausverkauften Thialf-Halle am zweiten Tag des Vierkampfes ein faszinierendes Duell mit Anschütz-Thoms. Die 34 Jahre alte Team-Olympiasiegerin aus Erfurt gewann zunächst das 1 500-m-Rennen vor Pechstein und feierte ihren ersten Einzelstrecken-Sieg bei einem internationalen Wettkampf.

Am Ende musste sie aber sogar noch mal um die Medaille zittern. "Ich habe schlimme Minuten erlebt, bis feststand, dass ich nicht disqualifiziert werde", sagte sie mit Blick auf einen kritischen Wechsel im 5 000-m-Rennen und war schließlich einfach nur glücklich: "Das war der größte Mehrkampf meines Lebens."

Mit 1,83 Sekunden Vorsprung war Pechstein siegessicher in die abschließenden 5 000 m gegangen ("Schützi muss mich jagen, meine Position ist gut") - und spielte auf ihrer Paradestrecke ihre ganze Routine aus. Pechstein ließ ihre Team-Kollegin nicht von der Leine, gewann das Duell in 7:02,99 Minuten und mit über einer Sekunde Vorsprung und verhinderte ein ähnliches Debakel wie bei der EM 2001 in Baselga di Pine und der WM 2004 in Hamar. Damals hatten sie die Erfurterin Gunda Niemann-Stirnemann beziehungsweise die Niederländerin Renate Groenewold im letzten Rennen noch von der Spitze verdrängt.

Desg-Präsident Heinze voll des Lobes

"Was die beiden hier geleistet haben, ist der Wahnsinn", meinte Desg-Präsident Gerd Heinze mit Blick auf seine beiden Spitzen-Läuferinnen. Pechstein, die bei ihrem 17. EM-Start ihren ersten großen Sieg seit ihrem Kontinental-Titel 2006 holte, und Anschütz-Thoms gehen damit als Favoritinnen in die Mehrkampf-WM vom 6. bis 8. Februar in Hamar.

In der "ewigen" EM-Rangliste rückte die fünfmalige Olympiasiegerin Pechstein mit nunmehr drei Gold-, fünf Silber- und zwei Bronzemedaillen auf Rang vier hinter Niemann-Stirnemann (8/3/0), Anni Friesinger (5/1/0), die nur noch Sprint-Mehrkämpfe läuft, und Andrea Ehrig-Mitscherlich (5/0/0). Anschütz holte derweil ihr zweites EM-Silber nach 2005. Die Berlinerin Lucille Opitz auf Platz elf und EM-Debütantin Stephanie Beckert (Erfurt) auf Rang zwölf komplettierten die gute Bilanz der deutschen Frauen.

Kramer holt sich dritten EM-Titel in Folge

Bei den Männern lief Top-Favorit Sven Kramer wie erwartet in seiner eigenen Liga. Der 22 Jahre alte Lokalmatador hatte vor den 10.000m, die er wie die 5 000 und 1500m gewann, schon über 20 Sekunden Vorsprung auf die Konkurrenz, und gewann die EM mit riesigem Abstand vor dem Norweger Havard Bökko und seinem Landsmann Wouter Olde Heuvel zum dritten Mal in Folge. Der Erfurter Robert Lehmann, der am Freitag an seinem 25. Geburtstag über 500m überraschend Dritter geworden war, war im Endklassement als hervorragender Sechster bester Deutscher. Tobias Schneider aus Berlin wurde Achter und erfüllte damit ebenfalls seinen Soll.

© SID

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