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13.01.2007

17:16 Uhr

Eisschnelllauf EM

Pechstein hakt EM-Titel ab, Schneider überrascht

Bei den Eisschnelllauf-Europameisterschaften in Klobenstein hat sich der Rückstand von Claudia Pechstein auf Spitzenreiterin Ireen Wüst weiter vergrößert. Zufrieden mit seiner Leistung war dagegen Tobias Schneider.

Bei den Eissschnelllauf-Europameisterschaften im Südtiroler Klobenstein kann Claudia Pechstein die erfolgreiche Titelverteidigung wohl abhaken. Die Berlinerin kam über 1500m nicht über Platz sieben hinaus und hatte auch als Sechste über 3000m der überragenden 3 000-m-Olympiasiegerin Ireen Wüst (Niederlande) nichts entgegenzusetzen.

Komfortabler Wüst-Vorsprung

Die 20-Jährige gewann die 1500m in Freiluft-Weltrekordzeit und hat nach Rang drei über 3000m als Führende im Gesamtklassement vor dem abschließenden 5 000-m-Rennen am Sonntag einen komfortablen Vorsprung vor 3 000-m-Siegerin Martina Sablikova aus Tschechien und ihrer Teamkollegin Renate Groenewold.

Die Erfurterin Daniela Anschütz-Thoms, die Vierte über 3000m wurde, belegt Gesamtrang vier und ist damit noch einen Rang besser als Pechstein. Nur ein Sturz von Wüst, die schon zum Auftakt die 500m gewonnen hatte, kann nun wohl verhindern, dass der EM-Titel erstmals seit 1999 nicht nach Deutschland geht.

"Das war beschissen"

Pechstein konnte die Wut auf sich selbst schon nach dem 1 500-m-Rennen kaum zügeln. "Das war beschissen. Das war kein Eisschnelllauf, sondern einfach nur verkrampftes Gerammel", sagte die 34-Jährige, die in 1:58,72 Minuten das direkte Duell mit Daniela Anschütz-Thoms (Erfurt/1:58,08) verlor. "Der Titel ist weg, ganz klar. Jetzt ist Rang zwei das Ziel", stellte Pechstein-Coach Achim Franke fest. Doch der ist nach den 3000m fast außer Reichweite geraten.

Team-Olympiasiegerin Anschütz-Thoms verbesserte sich durch Rang drei über 1500m auf Rang fünf und dann als Vierte über 3000m (4:08,28) sogar auf Rang vier. "Ich habe alle meine Wut herausgelassen", sagte die Erfurterin, die die 500m zum Auftakt wegen eines selbst verschuldeten Materialfehlers nur auf Platz sieben beendet hatte.

Derweil lief Wüst in ihrer eigenen Liga. Die 3 000-m-Olympiasiegerin verbesserte über 1500m in 1:56,78 Minuten die anderthalb Jahre alte, inoffizielle Freiluftbestzeit (1:57,21) von Anni Friesinger. Die fünfmalige Europameisterin aus Inzell war in Klobenstein nicht am Start, weil sie sich auf die Sprint-WM in Hamar am kommenden Wochenende konzentrieren will. Doch selbst Mehrkampf-Königin Friesinger hätte gegen die wie entfesselt laufende Wüst in Klobenstein wohl arge Probleme bekommen. Über 3000m unterbot Sablikova (4:03,52) die sieben Jahre alte Freiluft-Bestzeit von Gunda Niemann-Stirnemann (4:08,54).

Schneider von sich selbst überrascht

Derweil überzeugte der Berliner Tobias Schneider nach durchschnittlichen Leistungen am ersten Tag über die 1500m und verteidigte in persönlicher Bestzeit von 1:47,03 Minuten (Platz sechs) Gesamtrang neun. "Unglaublich, dass ich so eine Zeit auf einer Freiluftbahn geschafft habe", meinte Schneider, der über seine "Sahnestrecke" 10.000m noch unter die besten acht laufen will.

Stefan Heythausen aus Grefrath verpasste als Achter über 1500m (1:47,28) zwar das Finale am Sonntag, sicherte aber als Gesamt-14. der Deutschen Eisschnelllauf-Gemeinschaft (Desg) den zweiten Startplatz bei der Allround-WM in Heerenveen im Februar und einen dritten Startplatz für die EM im kommenden Jahr.

An der Spitze kommt es am Sonntag zum erwarteten Showdown zwischen Titelverteidiger Enrico Fabris (Itaien) und Sven Kramer aus den Niederlanden. Fabris lief über 1500m in 1:44,72 Minuten Freiluft-Weltrekord und verkürzte den Rückstand in der Gesamtwertung auf Kramer, der in 1:44,86 Minuten Zweiter wurde.

Fabris, der über den "langen Kanten" 0,72 Sekunden aufholen muss, gilt aber als der schwächere 10 000-m-Läufer.

© SID

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