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13.01.2011

13:08 Uhr

Eisschnelllauf National

Franke: "Claudia ist bei 90 Prozent"

Claudia Pechsteins Trainer Joachim Franke erklärt im SID-Interview, warum er an ein erfolgreiches Comeback seines Schützlings nach zweijähriger Doping-Sperre glaubt.

Ein Bild aus besseren Tagen: Joachim Franke und Claudia Pechstein. Foto: SID Images/pixathlon SID

Ein Bild aus besseren Tagen: Joachim Franke und Claudia Pechstein. Foto: SID Images/pixathlon

Der erfolgreichste Trainer der Eisschnelllauf-Geschichte, Joachim Franke, bereitet Claudia Pechstein zurzeit in Berlin auf ihre Rückkehr vor. Im Interview mit dem Sport-Informations-Dienst (SID) nimmt der Erfolgs-Coach Stellung zu ihren Chancen auf eine Teilnahme an der Heim-WM in Inzell Mitte März.

SID: "Claudia Pechstein will in vier Wochen aufs Wettkampf-Eis zurück. Wie laufen die Vorbereitungen?"

Joachim Franke: "Den Umständen entsprechend. Natürlich ist nach all den Ereignissen ein Defizit da. Man muss als Trainer behutsam vorgehen. Man braucht da viel Gefühl und kann nicht mit der Holzhammer-Methode agieren."

SID: "Welchen Eindruck hinterlässt sie im Training?"

Franke: "Sie ist nach wie vor sehr ehrgeizig. Ich kenne keine andere Läuferin, die so etwas auf sich nehmen würde. Sie hat sich die ganze Zeit voll reingehängt. Hinzu kommt, dass sie eine exzellente Schlittschuhläuferin ist."

SID: "Wo steht sie nach der langen Pause?"

Franke: "Das ist schwer zu beurteilen, körperlich ist sie vielleicht bei 90 Prozent. Doch wenn Sie am Start steht, werden alle auf sie schauen, dann ist vor allem die Psyche gefragt. Sie hat leider nur die eine Chance, beim Weltcup in Salt Lake City, um sich für die WM zu qualifizieren. Es wäre eine tolle Sache, wenn Claudia in Inzell dabei wäre."

SID: "Zuvor muss sie noch eine Qualifikationszeit laufen, um überhaupt in Salt Lake City starten zu dürfen..."

Franke: "Ja, das stimmt. Am besten wäre es, man könnte in der Woche vorher schon in der Höhe von Salt Lake City laufen. Dort sind die Zeiten natürlich schneller. Doch noch ist unklar, ob das möglich ist. Von daher werden wir uns wohl darauf konzentrieren, die Zeit in Europa zu laufen, wenn möglich in Deutschland."

SID: "Welche Zeit muss sie da laufen?"

Franke: "Eine 4:15 über 3 000 Meter. Das müsste machbar sein, wenn alles normal läuft."

SID: "Claudia Pechstein kennt das Gefühl, das alles auf einen Lauf in Salt Lake City ankommt. Im Dezember 2009 durfte sie dort trotz Sperre einen Lauf bestreiten, um noch zu Olympia zu kommen. Sie war zu langsam. Droht nicht ein ähnlicher Ausgang?"

Franke: "Das war schlimm damals. Der Druck war enorm groß, sie wurde auf Schritt und Tritt beobachtet. Sie absolvierte ihren ersten Wettkampf nach langer Pause. Die Voraussetzungen waren ungünstig. Dieses Mal ist es etwas anders. Da sie kurz vorher schon einen Lauf absolvieren muss, geht sie nicht ganz ohne Wettkampfpraxis ins Rennen."

SID: "Aber eine Gegnerin, die sie mitzieht, hat sie nicht..."

Franke: "Das stimmt, sie muss nach der langen Pause in der B-Gruppe starten, mit den vermeintlich schwächeren Läuferinnen. Sie muss als Erste ran, ihren Lauf womöglich sogar ganz allein bestreiten. Zudem ist Salt Lake schwierig, weil die Höhenluft so trocken ist. Dazu kommt die Zeitumstellung. Trotzdem wird sie die 5 000 Meter wohl unter sieben Minuten laufen müssen, um sich über das Timeranking für die WM zu qualifizieren. Das wird eine schwierige, aber aus meiner Sicht keine unlösbare Aufgabe."

SID: "Was ist, wenn sie es nicht schafft?"

Franke: "Dann geht die Welt auch nicht unter. Das Wichtigste ist, dass sie nie aufgegeben hat und aufs Eis zurückkehren wird."

© SID

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