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24.01.2010

10:23 Uhr

Eisschnelllauf Olympia

Bach: Pechstein-Nominierung bis Freitag möglich

Dosb-Präsident Thomas Bach schließt eine Nominierung von Claudia Pechstein für Vancouver 2010 offenbar nicht aus. "Ihre Nominierung ist möglich bis zum 29. Januar", sagte Bach.

Dosb-Präsident Thomas Bach. Foto: Bongarts/Getty Images SID

Dosb-Präsident Thomas Bach. Foto: Bongarts/Getty Images

Die Spekulationen über eine Teilnahme von Claudia Pechstein an den Olympischen Winterspielen in Vancouver erhalten neue Nahrung. Dosb-Präsident Thomas Bach schloss am Sonntag eine Nominierung der wegen Dopings für zwei Jahre gesperrten Pechstein nicht grundsätzlich aus.

"Ihre Nominierung ist möglich bis zum 29. Januar", sagte Bach dem Sport-Informations-Dienst (SID). Am kommenden Freitag schließt das Internationale Olympische Komitee (IOC) seine Meldeliste für Vancouver. Bach bestätigte, dass sich der Deutsche Olympische Sportbund (Dosb) mit der Deutschen Eisschnelllauf-Gemeinschaft (Desg) über eine Nominierung Pechsteins unterhalten wird, sollte die fünfmalige Olympiasiegerin mit ihrem Eilantrag vor dem Schweizer Bundesgericht auf Aussetzung der Sperre bis zum Urteilsspruch Erfolg haben.

"Es ist klar, dass wir reden werden, wenn eine Entscheidung des Schweizer Bundesgerichts kommt", sagte Bach. Claudia Pechstein nahm es erfreut zur Kenntnis. "Ich freue mich, dass der Dosb mir bis zum letzten Tag die Chance auf eine Nominierung offen lässt", sagte die 37-Jährige.

Keine Spekulation über Urteil

Der Dosb-Präsident stellte aber klar, dass er nicht über ein Urteil des Schweizer Bundesgerichts spekulieren werde und der "Dosb an das Urteil des CAS gebunden ist". Ob dies auch nach einem möglichen Entscheid für Pechstein durch das Schweizer Bundesgericht gilt, ließ Bach offen. Der CAS hatte die durch den Eislauf-Weltverband ISU verhängte Sperre gegen Pechstein bestätigt. Unmittelbar danach hatte Bach Pechstein als Dopingsünderin gebrandmarkt und die Berlinerin aufgefordert, "Hintermänner zu nennen".

Am Sonntag hob Bach erneut hervor, dass dem Dosb kein Vorschlag der Desg zur Olympia-Nominierung Pechsteins vorbehaltlich eines positiven Signals aus der Schweiz vorliege. Dieser Darstellung widerspricht Desg-Präsident Gerd Heinze. "Es kann aus meiner Sicht auch nicht sein, dass wir einen formellen Fehler begangen haben", sagte Heinze dem SID. Die tatsächliche Existenz eines solchen Formfehlers könnte Pechsteins Olympiaträumen selbst im Falle einer Aufhebung der Sperre durch das Schweizer Bundesgericht ein Ende bereiten.

Desg hat Pechstein wohl auf dem Zettel

Die Desg hat - zumindest nach ihrer Darstellung - Pechstein für die Teamrennen in Vancouver vorgeschlagen. Heinze schloss zuletzt auch einen Einzelstart der 37-Jährigen "nicht aus, wenn die qualifizierten Athletinnen verletzt oder nicht fit sein sollten".

Pechstein hatte im Dezember bei ihrem vom Bundesgericht genehmigten Weltcup-Auftritt in Salt Lake City über 3 000 Meter die Dosb-Norm für einen Einzelstart in Vancouver verpasst, die Zeitnorm des Eislauf-Weltverbandes ISU aber erfüllt. Heinze verwies darauf, dass die olympischen Eisschnelllauf-Startplätze an Nationen, nicht an Personen gebunden sind. "Alles Weitere ist spekulativ", sagte Heinze.

Unterdessen hat Rechtswissenschaftler Michael Lehner der These widersprochen, dass die Desg mit einem Teamstart Pechsteins eine mögliche Medaille gefährden könnte, sollte die Berlinerin im Nachhinein wieder gesperrt werden. "Vom juristischen Standpunkt her wäre sie während der Olympischen Spiele auf keinen Fall gedopt, sollte sie mit einer einstweiligen Verfügung des Schweizer Bundesgerichtes laufen dürfen", sagte der Heidelberger Rechtswissenschaftler dem SID.

Er halte es für wahrscheinlich, so Lehner, dass die Zeitspanne, in der Pechstein dank einer einstweiligen Verfügung laufen durfte, im Nachhinein zu einer entsprechenden Verlängerung ihrer Dopingsperre führen werde, falls das Schweizer Bundesgericht im Hauptsacheverfahren gegen sie entscheidet. "Die Ergebnisse, die sie in der Zeit der einstweiligen Verfügung erzielt hat, müssen dann zur Vermeidung einer Doppelbestrafung aber Bestand haben", sagte Lehner, fügte aber "mit Blick auf das Sportrecht" hinzu: "Ich schließe auch nicht aus, dass es anders laufen können."

© SID

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