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25.01.2010

11:43 Uhr

Eisschnelllauf Olympia

Pechsteins Olympia-Start immer fraglicher

Claudia Pechstein bekommt auf ihrem möglichen Weg zu Olympia einen weiteren Stein in den Weg gelegt. Sollte sie die Genehmigung bekommen, müssen ihre Kolleginnen noch zustimmen.

Claudia Pechstein gewann fünf olympische Goldmedaillen. Foto: Bongarts/Getty Images SID

Claudia Pechstein gewann fünf olympische Goldmedaillen. Foto: Bongarts/Getty Images

Theoretisch darf sie noch hoffen, tatsächlich sind Claudia Pechsteins Chancen auf eine Teilnahme an den Olympischen Winterspielen verschwindend gering. Selbst im Falle einer grundsätzlichen Startfreigabe durch das Schweizer Bundesgericht versperren ihr noch riesige Hindernisse den Weg nach Vancouver: Ihr läuft die Zeit davon, die ihr nicht unbedingt wohlgesinnten Spitzenverbände IOC und Dosb müssen zustimmen, und sogar die eigenen Teamkolleginnen haben noch ein gewichtiges Wörtchen mitzureden.

"Es macht keinen Sinn, wenn sie nicht gewollt wird. Ich werde sie auf keinen Fall gegen den Willen der Mannschaft mitnehmen", sagte Desg-Präsident Gerd Heinze dem SID. Seit der Weltverband ISU Pechstein Anfang Juli gesperrt hat, war die Berlinerin mehrfach mit ihrer alten Rivalin Anni Friesinger-Postma aneinandergeraten. Zahlreiche weitere Athletinnen hatten sich auch auf Anraten der Desg-Spitze zu dem Thema zurückhaltend oder gar nicht geäußert. Über den Ausgang einer möglichen Athletenbefragung will Heinze nicht spekulieren.

Pechstein läuft die Zeit davon

Zudem laufen dem Verband, der Pechstein stets unterstützt hat, und der 37-Jährigen die Zeit davon. "Es wird von Tag zu Tag komplizierter. Zwar hat das IOC erst am 29. Januar Nominierungsschluss, aber schon bei einem positiven Signal aus der Schweiz zwei Tage vorher wäre es unglaublich schwer, die Sache noch zu koordinieren", sagte Heinze.

Zunächst mal müsste sich der Präsidialausschuss des Deutschen Olympischen Sportbundes (Dosb), der sämtliche deutschen Härtefälle vor Vancouver prüft, mit dem Fall Pechstein befassen. "Man muss zum Beispiel auch sehen, wie schnell der greifbar ist", sagte Heinze.

Die Ausschussmitglieder, an der Spitze Dosb-Präsident Thomas Bach, dürften Pechstein nicht unbedingt lächelnd ein Erste-Klasse-Ticket nach Vancouver in die Hand drücken. Für Bach ist die Berlinerin seit der Bestätigung der Zwei-Jahres-Sperre durch den Obersten Sportgerichtshof CAS offiziell eine Dopingsünderin.

Leistungsfähigkeit unter der Lupe

Entsprechend kritische Nachfragen erwartet auch Heinze: "Man darf den Fall nicht nur politisch, sondern auch sportlich betrachten. Der Dosb wird einen Nachweis über ihre sportliche Leistungsfähigkeit verlangen. Wir müssten Claudia noch mal überprüfen." Beim abschließenden Olympia-Lehrgang in Erfurt, der momentan läuft, ist dies nicht möglich. Pechstein ist gesperrt und darf auch an offiziellen Trainingsmaßnahmen nicht teilnehmen.

Bach hatte am Sonntag den Spekulationen über eine Teilnahme von Pechstein überraschend neue Nahrung gegeben. Der IOC-Vize bestätigte erstmals, dass eine Nominierung Pechsteins bis zum 29. Januar grundsätzlich möglich sei und dass sich der Präsidialausschuss im Falle einer entsprechenden Entscheidung aus der Schweiz mit der Desg treffen werde: "Es ist klar, dass wir reden werden, wenn eine Entscheidung des Bundesgerichts kommt", sagte Bach dem SID.

Weiterhin unklar ist, ob die Desg Pechstein überhaupt formell korrekt beim Dosb vorgeschlagen hat. Heinze behauptet dies, Bach widerspricht. Die tatsächliche Existenz eines solchen Formfehlers könnte Pechsteins Olympiaträumen selbst im Falle einer Aufhebung der Sperre durch das Bundesgericht ein Ende bereiten.

© SID

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