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26.01.2010

11:31 Uhr

Eisschnelllauf

Pechsteins Olympia-Traum ist ausgeträumt

Eisschnellläuferin Claudia Pechstein bleibt zunächst gesperrt. Das Schweizer Bundesgericht lehnte einen Eilantrag von Pechstein ab. Ihr Manager Ralf Grengel bestätigte das Urteil.

Eisschnellläuferin Claudia Pechstein. Foto: Bongarts/Getty Images SID

Eisschnellläuferin Claudia Pechstein. Foto: Bongarts/Getty Images

Claudia Pechsteins Olympia-Traum ist endgültig geplatzt. Die 37-Jährige ist mit einem Eilantrag auf Aussetzung ihrer Dopingsperre bis zur Urteilsverkündung vor dem Schweizer Bundesgericht gescheitert und wird damit definitiv nicht an den Winterspielen in Vancouver teilnehmen.

Pechstein will ihre Karriere fortsetzen

Pechstein, die das Urteil nach Aussage ihres Managers Ralf Grengel "äußerst gefasst" aufgenommen hat, gibt sich dennoch weiter kämpferisch und machte erneut klar, dass sie ihre Karriere auf keinen Fall beenden wird. "Alle, die an mich glauben und mich unterstützen, können gewiss sein, dass sie mich auf jeden Fall nochmals auf dem Eis wiedersehen werden", schrieb sie in einer Pressemitteilung.

Bundesrichterin Kathrin Klett ließ in ihrer Begründung für die Ablehnung des Eilantrags durchblicken, dass sich Deutschlands erfolgreichste Winter-Olympionikin kaum noch Hoffnungen auf einen grundsätzlichen Erfolg ihres Einspruchs gegen die Zwei-Jahres-Sperre machen darf. "Mich wundert in diesem Fall nichts mehr", sagte Pechstein: "Ich bin mir trotzdem zu hundert Prozent sicher, früher oder später vollumfänglich rehabilitiert zu werden." Ihre Dopingsperre läuft am 9. Februar 2011 ab.

"Jetzt herrscht Klarheit für alle Seiten"

Dosb-Präsident Thomas Bach nahm die Entscheidung aus der Schweiz, die ihm eine schwere sportpolitische Belastungsprobe erspart, betont nüchtern zur Kenntnis und vermied jeden Ausdruck der Erleichterung. "Jetzt herrscht in Bezug auf Vancouver Klarheit für alle Seiten", sagte Bach dem SID: "Wir verkennen nicht, dass dieser Fall eine tiefe menschliche Komponente hat. Wir werden den Dialog mit Claudia Pechstein fortsetzen."

Gerd Heinze, Präsident der Deutschen Eisschnelllauf-Gemeinschaft (Desg), bedauerte die Entscheidung des Bundesgerichts, "wir werden aber mit ihr weiterleben". Das Urteil sei für Pechstein "tragisch", und er sei darüber "nicht froh", auch wenn nun "Handlungsklarheit für Vancouver" herrsche.

"Entsprechendes Gesuch ist abzuweisen"

Auch über Vancouver hinaus erhielt Pechstein am Dienstag aus Lausanne niederschmetternde Signale. In der Begründung zur Ablehnung des Eilantrages schreibt Bundesrichterin Klett, dass die "Würdigung der von der Beschwerdeführerin (Pechstein, d.Red.) erhobenen, zulässigen Rügen zum Ergebnis führt, dass die Beschwerde voraussichtlich erfolglos bleibt". Unter diesen Umständen sei ein überwiegendes Interesse der Beschwerdeführerin an der Gewährung des Eilantrages "zu verneinen und ihr entsprechendes Gesuch abzuweisen".

Dennoch bedeutet der Entscheid aus Sicht von Pechstein noch lange nicht das Ende des gerichtlichen Weges. "Wir werden uns jetzt darauf konzentrieren, das Revisionsverfahren erfolgreich durchzuführen", sagte Pechsteins Anwalt Simon Bergmann: "Im Mittelpunkt werden dabei neue Erkenntnisse zur Blutanomalie Claudia Pechsteins stehen, die zum Zeitpunkt der CAS-Verhandlung noch nicht bekannt waren." Neuartige medizinische Untersuchungen, so hieß es, ließen Pechstein optimistisch in die Zukunft blicken. Details wollte die Pechstein-Seite noch nicht nennen.

"Normalerweise ist daran nichts mehr zu ändern"

Nach Meinung des Heidelberger Rechtsexperten Michael Lehner kann sich Pechstein die Mühe sparen. Die Entscheidung des Bundesgerichts mit dieser Begründung käme einer Ankündigung gleich, wie das endgültige Urteil aussieht: "Normalerweise ist daran nichts mehr zu ändern."

Bach dürfte derweil durchatmen. Der IOC-Vize und gelernte Jurist, der Pechstein seit der Bestätigung der Zwei-Jahres-Ssperre durch den obersten Sportgerichtshof CAS offiziell als Dopingsünderin ansieht, hätte bei einer anderslautenden Entscheidung möglicherweise keine vernünftigen Argumente gegen eine Nominierung der Berlinerin gehabt. Die Desg hatte Pechstein als Teamläuferin vorgeschlagen, und als solche hätte sie keine Dosb-Norm für Vancouver benötigt.

Die Öffentlichkeit stand längst mehrheitlich auf Pechsteins Seite. In einer repräsentativen Januar-Umfrage des Sport-Informations-Dienstes (SID) durch das Dortmunder Meinungsforschungsinstitut promit sprachen sich 69,1 Prozent der Befragten für einen Olympia-Start Pechsteins aus.

"Die Menschen haben ein feines Gespür"

"Es freut mich natürlich, dass die Menschen hierzulande ein feines Gespür für das haben, was mir widerfährt", sagte Pechstein, die sich zuletzt sogar noch ein olympisches Hintertürchen offen gelassen hatte. Ihr Vertrag mit einem neuen Sponsor wurde extra bis zum Jahr 2014 abgeschlossen, "falls die Spiele in Sotschi für mich noch ein Thema sein sollten", so Pechstein.

© SID

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