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20.01.2007

09:14 Uhr

Eisschnelllauf WM

Anni Friesinger peilt Sprint-Gold an

Anni Friesinger hat sich für die heute beginnende Sprint-WM der Eisschnellläufer in Hamar (Norwegen) viel vorgenommen. "Natürlich will ich gewinnen", gibt die 30-Jährige zu Protokoll.

Wenn Anni Friesinger bei der heute beginnenden Sprint-WM der Eisschnellläufer in Hamar (Norwegen) an den Start geht, hat die 30-Jährige ebenso wie die Kanadierin Cindy Klassen einen Ehrenplatz in den Geschichtsbüchern im Visier. Noch nie hat eine Läuferin in ihrer Karriere alle vier großen Wettbewerbe (Olympische Spiele, Einzelstrecken-WM, Mehrkampf-WM, Sprint-WM) gewonnen - Friesinger oder Klassen, die beiden unbestrittenen Allround-Königinnen der vergangenen Jahre, könnte dieses Kunststück im "Wikingerschiff" von Hamar als Erste gelingen. "Wenn Anni das schafft, darf sie sich endgültig eine ganz Große nennen", sagt Friesingers Trainer Gianni Romme.

"Natürlich will ich gewinnen, meine Erwartungshaltung ist sehr hoch"

Sein Schützling wiegelt allerdings erstmal ab. "Wenn es geschieht, wäre es wunderbar, aber ich denke nicht daran. Ich will und darf mir nicht zu viel Druck machen", meinte Friesinger. Doch angesichts von 14 Siegen bei 14 Starts in der laufenden Saison ist ihr Ziel klar: "Natürlich will ich gewinnen, meine Erwartungshaltung ist sehr hoch. Aber es muss viermal alles klappen. Es kommt auf Nuancen an."

Am Samstag und am Sonntag stehen jeweils ein 500m- und ein 1000m-Rennen auf dem Programm - nach weniger als vier Renn-Minuten stehen die Weltmeister fest. Friesinger warnt: "Es ist nicht nur Cindy Klassen da. Fünf bis sechs Läuferinnen können den Titel holen. Es wird wahnsinnig spannend werden." Nicht dabei sind auf jeden Fall die besten Eissprinterinnen aus China und Südkorea. Sie ziehen einen Start bei den Asian Winter Games in Changchun/China vor.

Auch Garbrecht-Enfeldt mit Chancen

Neben Friesinger und Klassen, die gemeinsam mit der Berlinerin Monique Garbrecht-Enfeldt den Weltrekord im Sprint-Vierkampf hält (149,305 Punkte), gehören noch Marianne Timmer (Niederlande), Kristina Groves (Kanada) und Chiara Simionato (Italien) zum Kreis der Favoritinnen. 500m-Weltcupsiegerin Jenny Wolf (Berlin) zählt wegen ihrer Schwäche auf dem langen Sprint dagegen ebensowenig dazu wie die dritte deutsche Teilnehmerin Pamela Zoellner (Erfurt).

Vor allem mit der Niederländerin Timmer, ihrer besten Freundin im Kufenzirkus, hat Friesinger noch eine Rechnung offen. Bei ihrer bislang einzigen Sprint-WM-Teilnahme in Nagano im Jahr 2004 musste sie sich Timmer hauchdünn geschlagen geben.

Friesinger in bestechender Form

Friesinger kann diesmal völlig gelöst in den Wettkampf gehen, die 30-Jährige läuft seit Wochen in hervorragender Form. Auf die EM in Klobenstein/Südtirol am vergangenen Wochenende hatte sie mit Blick auf Hamar verzichtet. Am Sonntag absolvierte sie auf ihrer Hausbahn in Inzell bei einem Test-Wettkampf unter freiem Himmel eine beeindruckende Generalprobe (500m in 38,89, 1000m in 1:16,68), seit Montag trainiert sie in Hamar.

"Auf den 500 Metern werde ich sicher etwas Zeit auf die Edelsprinterinnen verlieren. Spannend wird sein, was ich dann über die 1000m wieder aufholen kann", meinte Friesinger, deren Bestzeit über 500m in dieser Saison (38,57) acht Zehntel unter der von Wolf (37,77) liegt.

Klassen war vor zwei Wochen in Calgary 38,70 Sekunden gelaufen, eine für das Blitzeis in der Olympiastadt von 1988 mäßige Zeit. Kanadas Sportlerin des Jahres, die bei den Winterspielen in Turin mit fünf Medaillen den deutschen Stars Friesinger und Claudia Pechstein die Show gestohlen hatte, bewies damit aber dennoch eindrucksvoll, dass mit ihr nach einer Wettkampfpause wegen Motivationsproblemen wieder zu rechnen ist.

Mit viel Motivation, aber völlig ohne Medaillenchance gehen die deutschen Männer an den Start. Ein Platz unter den ersten Zehn von Samuel Schwarz (Berlin) und Anni Friesingers Bruder Jan wäre bereits eine Sensation.

© SID

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