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21.01.2007

14:42 Uhr

Eisschnelllauf WM

Friesinger jubelt über Gesamtsieg bei Sprint-WM

Zum ersten Mal hat Anni Friesinger die Sprint-Weltmeisterschaft im Eisschnelllauf gewonnen. Die Olympiasiegerin setzte sich souverän vor Ireen Wüst aus den Niederlanden und Cindy Klassen aus Kanada durch.

Eisschnelllauf-Olympiasiegerin Anni Friesinger hat im "Wikingerschiff" von Hamar (Norwegen) erstmals die Sprint-Weltmeisterschaft gewonnen und sich damit einen Ehrenplatz in den Geschichtsbüchern gesichert. Die 30-Jährige ist die erste Eisschnellläuferin, die bei den vier wichtigsten Wettbewerben (Olympische Spiele, Einzelstrecken-WM, Mehrkampf-WM, Sprint-WM) Siege gefeiert hat.

Wüst eine "Ewigkeit" zurück

"Ich habe mich in die Annalen eingetragen. Alles, was jetzt kommt, ist Zugabe. Dieser Titel glänzt besonders", sagte Friesinger, die sich in der Olympiahalle von 1994 souverän vor Ireen Wüst aus den Niederlanden durchsetzte. Nach ihrem zweiten 1 000-m-Sieg zum Abschluss hatte sie 1,06 Sekunden Vorsprung vor der EM-Zweiten - im Sprint eine halbe Ewigkeit. Friesingers Erzrivalin Cindy Klassen (Kanada), die ebenfalls den ersten "Kufen-Vierer" im Blick hatte, wurde Dritte.

Friesinger, die ihren insgesamt 13. WM-Titel feierte, ist die erste deutsche Sprint-Weltmeisterin seit der Berlinerin Monique Garbrecht-Enfeldt, die 2003 in Calgary gewann. Bei der 38. Sprint-WM ging der Titel zum 18. Mal nach Deutschland.

Friesinger am Ende souverän

"Gratulieren lassen will ich mir nicht, das wäre auch nicht fair. Noch ist nichts sicher, und ich habe immer noch Bammel", hatte die Wahl-Salzburgerin noch nach ihrem fünften Platz im zweiten 500-m-Rennen gesagt, durch den sie ihren Vorsprung vor Wüst auf über zwei Sekunden ausgebaut hatte. Doch am Ende setzte sich Friesinger so souverän durch, wie ihr Trainer Gianni Romme es bereits nach dem ersten Tag geahnt hatte: "Wenn sie keine Fehler macht, gibt es hier wohl keine Probleme mehr."

Ein schwerer Fehler hatte Jenny Wolf schon am ersten Tag die Chance auf eine Medaille gekostet. Die Berlinerin war nach dem Auftaktsieg auf ihrer Paradestrecke - Friesinger kassierte dort im 15. Rennen ihre erste Saisonniederlage (Platz fünf) - auf ihrer Problemdistanz 1000m gestürzt.

"Ich bin mit der Lichtschranke kollidiert. So was darf nicht passieren. Ich war wohl zu sehr in Gedanken, wie weit nach vorne ich hier hätte kommen können", erklärte Wolf. Am zweiten Tag durfte sie vor mehr als 3 000 Zuschauern in der wegen ihrer Dachkonstruktion "Vikingskipet" (Wikingerschiff) genannten Halle noch mal über 500m starten - und gewann erneut.

"Statistiken sind nichts für mich"

Friesinger hatte ihrer großen Vierer-Chance von Beginn an wenig Beachtung geschenkt. "Statistiken sind nichts für mich", sagte die Team-Olympiasiegerin, doch zwei Kufen-Idole hatten schon zuvor hervorgehoben, was ein Erfolg der 30-Jährigen bedeuten würde.

"Einen Sieg kann man vor allem mit Blick auf die Vielseitigkeit gar nicht hoch genug bewerten", hatte Gunda Niemann-Stirnemann gesagt. Die Erfurterin ist zwar Rekord-Weltmeisterin, eine Sprint-WM konnte sie aber nie gewinnen. Romme, Doppel-Olympiasieger von Nagano, aber ebenfalls nie Sprint-Titelträger, meinte: "Wenn sie das hier schafft, darf sie sich endgültig eine ganz Große nennen."

Erst drei Damen ist es vor Friesinger gelungen, sowohl Sprint- als auch Mehrkampf-WM zu gewinnen: der Kanadierin Sylvia Burka, der Dresdnerin Karin Kania-Enke und der Russin Natalya Petruschowa in den Siebzigern und Achtzigern, als es noch keine Einzelstrecken-WM gab. Kania-Enke war 1987 die Letzte, die beide Titel in einer Saison gewonnen hat. Das kann nun auch Friesinger schaffen: Vom 9. bis 11. Februar findet in Heerenveen die Mehrkampf-WM statt.

© SID

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