Handelsblatt

MenüZurück
Wird geladen.

18.03.2006

08:53 Uhr

Eisschnelllauf WM

Pechstein peilt elfte Mehrkampf-Medaille an

Wie ein Eichhörnchen Nüsse sammelt Eisschnellläuferin Claudia Pechstein Medaillen. Bei der Mehrkampf-WM in Calgary soll Pechsteins reichhaltiger Vitrine eine weitere Plakette hinzugefügt werden.

Satt ist Claudia Pechstein in diesem Jahr auch nach Gold und Silber bei den Olympischen Winterspielen von Turin noch nicht. "In den letzten zehn Jahren habe ich bei der Mehrkampf-WM immer den Sprung aufs Treppchen geschafft, jetzt möchte ich auch die Schnapszahl vollmachen", sagte die fünfmalige Eisschnelllauf-Olympiasiegerin vor den Titelkämpfen in Calgary.

Die Chancen der Berlinerin stehen gut, denn zwei große Rivalinnen sind in der Olympiastadt von 1988 nicht dabei. Anni Friesinger hat nach den Strapazen von Turin und des Weltcup-Finales in Heerenveen die Saison vorzeitig beendet. Die Titelverteidigerin und dreimalige Mehrkampf-Weltmeisterin macht zur Zeit Urlaub in Dubai. Außerdem sagte die Niederländerin Renate Groenewold wegen Erkrankung ab.

Cindy Klassen Top-Favoritin

An einen möglichen zweiten WM-Titel nach 2000 glaubt Pechstein dennoch nicht. "Ich bin mir darüber im Klaren, dass ich wohl nur um einen Platz hinter Cindy Klassen mitlaufe", meinte die 34-Jährige. Die Kanadierin, fünffache Medaillengewinnerin in Turin, ist spätestens nach Friesingers Absage haushohe Favoritin auf dem Olympic Oval in Calgary, das erstmals seit den Winterspielen 1988 an beiden Tagen mit je 4 500 Zuschauern wieder ausverkauft sein wird.

Hinter Klassen kämpft neben Pechstein, 3000m-Olympiasiegerin Ireen Wüst und den Kanadierinnen Kristina Groves und Christine Nesbitt auch die Erfurterin Daniela Anschütz-Thoms um einen Podestplatz. Bevor die 31-Jährige in Turin Team-Olympiasiegerin wurde, hatte sie im Mehrkampf den größten Erfolg ihrer Karriere verzeichnet, als sie bei der EM 2005 in Heerenveen Zweite hinter Friesinger und vor Pechstein wurde. Beim EM-Titel von Pechstein in diesem Jahr kam die von einer Erkrankung geschwächte Anschütz-Thoms allerdings nicht über Platz neun heraus.

Weitere Zusammenarbeit mit Trainer Franke fraglich

Während die Erfurterin nach ihren starken Olympia-Auftritten immer noch gut in Form ist, steht hinter dem Fitnesszustand von Pechstein nach langwierigen Problemen mit den Bronchien ein großes Fragezeichen. "Sie ist endlich gesundheitlich wieder gut drauf", meint zwar Pechsteins Trainer Joachim Franke, schränkt allerdings ein: "Ich will nicht tief stapeln oder schwarz malen, aber der Substanzverlust war bei ihr schon enorm."

Die Entscheidung, ob das Erfolgsduo Franke/Pechstein auch in der kommenden Saison zusammenarbeiten wird, fällt wohl erst nach der WM. Am 23. März sollen bei einem Treffen der Bundestrainer mit der Spitze der Deutschen Eisschnelllauf-Gemeinschaft (Desg) die Weichen für die Zukunft des Sports bis Olympia 2010 in Vancouver gestellt werden. Vor allem der 65-Jährige Franke knüpft seine persönliche Zukunft eng an die Ergebnisse dieser richtungweisenden Aussprache.

© SID

Direkt vom Startbildschirm zu Handelsblatt.com

Auf tippen, dann auf „Zum Home-Bildschirm“ hinzufügen.

Auf tippen, dann „Zum Startbildschirm“ hinzufügen.

×